Regeln für Schulfotografie Bundesgerichtshof fordert Bestechungs-Test

Der Markt der Schulfotografen ist umkämpft - sie versuchen, mit Geschenken an Schulen oder Umsatzbeteiligungen Konkurrenten auszustechen. Ob das als Bestechung gilt und damit unzulässig ist, muss strenger geprüft werden, entschied der Bundesgerichtshof jetzt.

Bitte recht freundlich: Unter welchen Bedingungen dürfen Fotografen an Schulen gehen?
AFP

Bitte recht freundlich: Unter welchen Bedingungen dürfen Fotografen an Schulen gehen?


Die Geschäftspraktiken von Schulfotografen müssen künftig stärker auf eine mögliche Bestechungsabsicht geprüft werden. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschieden. Die Behörden müssten "strenge Regeln" für das Geschäftsmodell der Schulfotografie aufstellen, um den "Geruch der Käuflichkeit" von vornherein zu vermeiden, teilte das Gericht am Donnerstag mit.

Im vorliegenden Fall hob der BGH ein Urteil des Landgerichts Hildesheim auf, das zwei Angeklagte vom Vorwurf der Bestechung freigesprochen hatte. Sie hatten zwischen 2002 und 2004 Schulfoto-Aktionen an verschiedenen Schulen veranstaltet. Dabei gewährte der Fotograf der Schule, in der er die Schüler fotografieren durfte, Rabatte, Gelder für die Klassenkasse, und er vergab Sachprämien wie Computer, Digitalkameras oder Drucker. Die Schule übernahm die Organisation des Fototermins, verteilte die Fotos an die Schüler - und sammelte nicht abgenommene Aufnahmen und das Geld für gekaufte Fotos für den Fotografen ein.

Nach Auffassung des Landgerichts honorierten die Angeklagten mit den Geld- oder Sachleistungen lediglich den Organisationsaufwand der Schule beim Ablauf der Aktion - und zwar in "angemessenem Umfang". Von einem "Vorteil" im Sinne einer Bestechung könne keine Rede sein.

Laut BGH hat das Landgericht aber nicht geprüft, ob die Angeklagten die Schulleiter durch die angebotenen Leistungen dazu bewegen wollten, ihnen den Auftrag für die Fotoaktion zu erteilen. Einige Indizien könnten darauf hindeuten, so der BGH. Im Fall einer derartigen Motivation komme eine Bestrafung wegen Bestechung in Betracht. Die Sache wurde an das Landgericht zurückverwiesen. Ein BGH-Sprecher sagte, der Bundesgerichtshof wolle mit seinem Urteil den bisherigen "Graubereich" in der Praxis der Schulfotografie aufhellen.

dapd/otr



insgesamt 20 Beiträge
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sowiso2 26.05.2011
1. Bestechung na ja, aber Nötigung
Diese Form der Nötigung von Pädagogen durch ihre Schulleitungen -Geld für den Fotografen einsammeln in der Unterrichtszeit- gibt es landauf-landab. Sie ist schon lange anstößig, weil bestimmte Fotografen meinen, ein Vorzugsrecht zu haben, nach dem Motto -wir haben ja immer schon gut zusammengearbeitet.
manuelbaghorn 26.05.2011
2. Was für ein Blödsinn!
Wenn die Schule (wohlgemerkt nicht deren Leiter oder Angestellte) über einige neue Computer von so einem Fototermin, der von den Schülern durchaus gewünscht ist, profitiert, dann kann ich das so schlimm nicht finden. Die vom Gericht verlangte Prüfung hingegen, wird wiederum wieder mehr Arbeit erfordern. Arbeitskraft letztendlich, die zur Erfüllung der eigentlichen Aufgaben fehlen dürfte. Ich begreife einfach nicht, warum in Deutschland wirklich alles getan wird um Bürokratie auf- statt abzubauen!
gerd33 26.05.2011
3. Abzocke....
... anders kann man das nicht nennen. Fototermin in Sohjnemanns Kindergarten: Fotograf kommt aus dem Rurgebiet (ca. 100 km entfernt), baut eine tropisch anmutende Kulisse auf und fotografiert wild drauflos. Eine Woche später die Bilder dann den Eltern zumm Kauf angeboten (den Kinder4n mitgegeben: ....Papa bitte, bitte kaufen!!). Natürlich total überteuert; für 1 Gruppenfoto sowie einige Einzelfotos in verschiedenen Formaten sollten 20 EUR berappt werden. Preis der Vergrößerungen im Internet beträgt ca. 5 EUR. Gute Rendite für den Fotograf, parallel dazu Fotoverbot für Eltern im Kindergarten ("könnte ja ein Pädophiles Elternteil dabei sein"). Prämie für KiGA: Die Fotofirma hat einen PC bezahlt ("gespendet") und das gemeinsame Weihnachtsessen der Erzieherinnen gesponsort. Nebenbei: die Fotofirma ist in ganz NRW unterwegs und macht nichts anderes als Schul -und KiGa-Fotografie
RogerT 26.05.2011
4. bei Aldi gibt es das ja schließlich auch billiger?
Zitat von gerd33... anders kann man das nicht nennen. Fototermin in Sohjnemanns Kindergarten: Fotograf kommt aus dem Rurgebiet (ca. 100 km entfernt), baut eine tropisch anmutende Kulisse auf und fotografiert wild drauflos. Eine Woche später die Bilder dann den Eltern zumm Kauf angeboten (den Kinder4n mitgegeben: ....Papa bitte, bitte kaufen!!). Natürlich total überteuert; für 1 Gruppenfoto sowie einige Einzelfotos in verschiedenen Formaten sollten 20 EUR berappt werden. Preis der Vergrößerungen im Internet beträgt ca. 5 EUR. Gute Rendite für den Fotograf, parallel dazu Fotoverbot für Eltern im Kindergarten ("könnte ja ein Pädophiles Elternteil dabei sein"). Prämie für KiGA: Die Fotofirma hat einen PC bezahlt ("gespendet") und das gemeinsame Weihnachtsessen der Erzieherinnen gesponsort. Nebenbei: die Fotofirma ist in ganz NRW unterwegs und macht nichts anderes als Schul -und KiGa-Fotografie
Sie sind ja super schlau... Gehen sie auch in die Kneipe und schimpfen über den Bierpreis, bei Aldi gibt es das ja schließlich auch billiger? Das der Fotograf das gewerblich macht und auch leben will, das sehen sie wohl nicht. Dazu hat er laufende Kosten für Apparate, muss sich selbst versteuern und versichern, braucht Kranken- und Rentenversicherung. Zu Deutsch: er ist selbstständig mit allen Vor- und Nachteilen; und das kostet. Ach ja, und eine Wohnung und ab und zu Hunger hat er auch... Da sind €20.- für mehrere Fotos fast ein Schnäppchen, bei mir bekommen sie dafür gerade Mal ein Bild...
camemberta 26.05.2011
5. ...
Na sooo schlimm ist das doch nun auch wieder nicht. Wenn einem ein Fotograf und seine Methoden nicht passen - nächstes Mal ein anderer, fertig. Ich war als Elternbeirätin mal dafür zuständig, einen Schulfotografen zu besorgen, also Geschenke gab´s da keine. Die Preise waren gut, aber die Hintergründe waren ein bisschen lächerlich, also gab´s im Jahr drauf jemand anderen. In unserer Grundschule macht die Fotos jetzt eine Mutter, die Berufsfotografin ist, aber es läuft trotzdem genauso wie bei anderen Schulfotografen: Die Klassenlehrer verteilen die Fotomappen, das Geld und die Restfotos werden eingesammelt und wieder an die Fotografin zurückgegeben. Arbeit ist das eigentlich nicht für die Schulen, wohl aber für die Frau. Denn es IST Arbeit, die Fotos zu machen und qualitativ hochwertig zu drucken, den möcht ich sehen, der das kostenlos macht, Frau Merkel. In EINER Klasse würde sich so ein Naivling bestimmt finden, aber es wollen ja alle Klassen ein (gleichwertiges) Klassenfoto, und von dem Foto jeder Schüler mindestens einen Abzug. Viel Spaß bei über 900 Schülern (oder auch mehr).
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