Rettungswagen behindert Bürgermeister regt sich über Elterntaxis auf

Weil Eltern die Rettungsgasse vor einer Kita zuparkten, kam der Krankenwagen nicht durch. Das empörte den Bürgermeister einer Gemeinde in Sachsen derart, dass er sich auf Facebook Luft machte - bewusst unsachlich.
Parkplatznot vor der Kita "Pünktchen" in Neukirchen

Parkplatznot vor der Kita "Pünktchen" in Neukirchen

Foto: ERZ-Foto/Georg Ulrich Dostmann

Von diesem Mittwoch an sollen Mitarbeiter des Ordnungsamts vor der Kita "Pünktchen" genau beobachten, welche Eltern die Rettungsgasse zuparken, wenn sie ihr Kind hinbringen und abholen. Die Kita liegt in der sächsischen Gemeinde Neukirchen, und die häufigeren Patrouillen des Ordnungsamts sind eine Maßnahme, die Bürgermeister Sascha Thamm anberaumt hat.

Dem Ortschef war in der vorvergangenen Woche der Kragen geplatzt, nachdem ein Kind in der Kita von einer Rutsche gefallen war und Rettungskräfte nicht bis zur Kita heranfahren konnten. In einem Facebook-Post, der ihm bundesweite Aufmerksamkeit bescherte, kritisierte Thamm manche Eltern und ihr Parkverhalten vehement.

"Ich habe überlegt, ob ich es sachlich formuliere, habe mich dann aber dagegen entschieden", zitierte die "Freie Presse" den Bürgermeister. Dem SPIEGEL sagte Thamm, er habe zwei Tage vor dem Unfall mit Eltern auf Facebook diskutiert, die die Gemeinde als "Abzocker" dargestellt hätten, weil Mitarbeiter des Ordnungsamts vor der Kita Strafzettel verteilt hatten.

Bürgermeister Sascha Thamm

Bürgermeister Sascha Thamm

Foto: Georg Ulrich Dostmann

Der Rettungswageneinsatz am 18. April habe dann "das Fass zum Überlaufen gebracht". Er wisse um die schlechte Parksituation vor der Kita, und die Verwaltung suche nach Lösungen. Aber es sei den Eltern zuzumuten, 100 Meter entfernt auf der Hauptstraße oder am Friedhof zu parken und mit dem Kind zur Kita zu laufen.

Auf seinen Facebook-Eintrag habe er "durchweg positive Reaktionen" bekommen, sagte Thamm, auch von Bürgern aus anderen Kommunen, die ähnlichen Ärger mit Elterntaxis erlebt hätten. Dem Kind, das nach dem Sturz von der Rutsche ins Krankenhaus gekommen war, gehe es wieder gut.

Zuletzt hatten schwedische Psychologen Mütter und Väter davor gewarnt, Kinder mit dem Auto zur Schule zu kutschieren. Kinder würden dadurch weniger selbstständig und weniger sicher in ihrer Umgebung. Auch der ADAC warnt vor dem Elterntaxi : Das Bewusstsein für Gefahrensituationen sei bei Kindern größer, die den kurzen Schulweg allein laufen dürften.

Wie Erziehungsberechtigte nicht nur in der Schule, sondern schon in der Schwangerschaft und bis zum Studium ihren Kindern und dem Rest der Welt das Leben zur Hölle machen, davon erzählen die gesammelten Anekdoten in dem Buch "Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag" der SPIEGEL-ONLINE-Redakteurinnen Lena Greiner und Carola Padtberg. Hebammen, Erzieher, Lehrer, Sporttrainer, Professoren, Anwälte, Ärzte, Studienberater und Kinder packen aus, was sie mit übermotivierten Eltern erlebt haben. Spleenig, grotesk - und leider wahr.

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