Highschool in San Francisco Bilder mit Sklaven und Ureinwohnern werden verdeckt

Für die einen ist es lehrreiche Kunst, für die anderen traumatisierend: In San Francisco ist ein Streit über 13 Wandgemälde entbrannt. Sie zeigen das Leben George Washingtons - und müssen nun verschwinden.

Wandgemälde von Victor Arnautoff in San Francisco: "Das ist das Überbleibsel einer vergangenen Ära"
Eric Risberg/ AP

Wandgemälde von Victor Arnautoff in San Francisco: "Das ist das Überbleibsel einer vergangenen Ära"


Seit mehr als 80 Jahren zieren 13 große Wandgemälde des russischen Künstlers Victor Arnautoff die Wände der George Washington Highschool in San Francisco. Eigentlich wollte der Maler mit den "Life of Washington"-Fresken das Leben und Wirken des ersten US-Präsidenten kritisch darstellen. Dazu gehörte auch die Behandlung der Ureinwohner und der aus Afrika verschleppten Sklaven.

Kritiker stoßen sich aber schon seit Längerem an der Darstellung - vor allem an der Abbildung von Sklaven und getöteten Ureinwohnern, die sie als rassistisch und verletzend gegenüber Schülern empfinden, die von Ureinwohnern abstammen oder afroamerikanischer Herkunft sind, und die sich jeden Tag die Malereien anschauen müssten. Einige Schüler hatten bekundet, es sei für sie traumatisierend, die Bilder von schwarzen und indigenen Unterdrückten zu sehen.

Im Juni hatte die Schulbehörde in San Francisco einstimmig beschlossen, die Kunstwerke zu übermalen. Dagegen protestierten wiederum Künstler, Historiker und Organisationen - darunter auch die Bürgerrechtsorganisation National Association for the Advancement of Colored People (NAACP).

Ein Kompromiss, mit dem niemand zufrieden ist

Zu den Verfechtern der Wandfresken gehört unter anderem der schwarze Schauspieler und Aktivist Danny Glover, der als Jugendlicher die Schule besucht hatte. Sie zu vernichten oder zu verstecken, verglich Glover mit Bücherverbrennungen. Die umstrittenen Darstellungen seien vielmehr eine mahnende Erinnerung an die Unterdrückung von Menschen, sagte er dem Sender KPIX.

Fresko an der George Washington Highschool: Verdecken, aber nicht übermalen
Eric Risberg/ AP

Fresko an der George Washington Highschool: Verdecken, aber nicht übermalen

Daraufhin entwarf Stevon Cook, Chef der Schulbehörde und selbst Afroamerikaner, einen Kompromissvorschlag, den die Mitglieder des Ausschusses am Dienstag mit 4:3 Stimmen annahmen. Die Malereien bleiben erhalten, werden aber mit einer Verkleidung abgedeckt. "Unsere Schulen müssen Orte sein, wo alle Studenten sich sicher und unterstützt fühlen", sagte Cook. Auch der Kompromiss, die Fresken zu verdecken, werde nicht allen Seiten gerecht, räumte er ein.

Bewahrer der Fresken erwägen ein Volksbegehren

Tatsächlich kommt weiterhin von Befürwortern und Gegnern der Fresken harsche Kritik. Die Koalition zum Schutz öffentlicher Kunst, die sich als Reaktion auf die ursprünglich beschlossene Zerstörung der Bilder gegründet hatte, teilte mit: "Auch wenn es ein Schritt in die richtige Richtung ist, die permanente Zerstörung vom Tisch zu nehmen, werden wir weiterhin entschieden dagegen vorgehen, 815.000 US-Dollar dafür auszugeben, die Wandbilder zu verdecken, sodass niemand sie sehen oder von ihnen lernen kann." Die Organisation erwägt sogar ein Volksbegehren, um die Sichtbarkeit der Gemälde durchzusetzen.

Alison M. Collins, afroamerikanisches Mitglied der Schulbehörde, deren Kinder selbst auf die George Washington Highschool gehen, befürwortet hingegen weiterhin die Übermalung der Fresken. Es sei falsch, dass Akteure von außen entschieden, was die Schüler sehen sollten und was nicht, sagte sie der "New York Times". Über Arnautoffs Bilder sagt sie: "Das ist keine Geschichte. Das ist das Überbleibsel einer vergangenen Ära."

Mark Sanchez, ein anderer Vertreter der Schulaufsicht, der ebenfalls gegen den Kompromiss gestimmt hatte, kritisierte, die Befürworter der Gemälde stellten Kunst über Menschlichkeit. Er sagte: "Wenn die Wandbilder den Holocaust zeigen würden, wären sie nicht in einer öffentlichen Schule."

syd/dpa

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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
AndreasKurtz 18.08.2019
1. Am Besten gar keine Kunst,
keine Geschichtsschreibung, keine Polemik. Irgendeiner stört sich daran immer. Nur noch Dekoration und Harmlosigkeit.
wiesenflitzer 18.08.2019
2. @ 1
Na ja, mit einer Deko ist es wie mit der Kommunikation. Man kann im Grunde nicht Nicht-Kommunizieren. Wenn ich gar keine Deko habe, dann sage ich damit doch auch wieder etwas aus, oder? In dieser Sache gilt quasi das Sprichwort: "Es kann der frömmste nicht in Frieden leben, wenn's dem bösen Nachbarn so gefällt" Da wird es immer jemanden geben, der sich daran anstößt, ob das nun "gute Gründe" sind, oder einfach nur maulen, um des Maulens willen, bleibt im Auge des Betrachters stecken. Passt aber zu den USA.
Kreklova 18.08.2019
3. Glover hat Recht!
Glover hat Recht: Die einen verbrennen Bücher, die anderen vernichten Bilder.
jjkoeln 18.08.2019
4. Verdecken, überstreichen, verbrennen - Man muss G Geschichte aushalten
Geschichte stört und ist in vielen Aspektrn verstörend. Kontext ist heutzutage ja nicht gefragt, die direkte instagrammable emotionale Reaktion ist schnell ein Trauma. Wer sich nicht mit Geschichte auseinandersetzen will verliert den Kontext, der die heutige Gesellschaft ausmacht, und wird unfähig, die Zukunft konkstruktiv zu gestalten. Damit werden die Individuen komplett auf sich und ihre unreflektierten Emotionen zurückgeworfen. Gesellschaft wird so verunmöglicht und durch Mächtige steuerbar. Maggie Thatcher hat dies bereits zu ihrer Maxime erklärt. Wie heißt es so schön: Progressive Neoliberale - Lametta am Weihnachtsbaum der Ausbeutung.
carahyba 18.08.2019
5. Frage ...
Die Gründungsväter der USA waren Sklavenhalter. Will man, dass die Schüler dies nicht mehr wissen sollen?
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