Schnupperstudium für Schüler Rein in den Hörsaal, ran an den Prof

Besonders begabte Schüler können an vielen Hochschulen nebenher studieren. Und schneiden manchmal verblüffend gut ab: An der Uni Düsseldorf zum Beispiel übertrumpfte ein Achtklässler alle Informatikstudenten und schrieb die beste Klausur.


Schüler mit Uni-Rektor (in Bochum): Test ohne Risiko

Schüler mit Uni-Rektor (in Bochum): Test ohne Risiko

Zu spät, zu lange, zu alt - so klingen die Strophen des ewigen Klageliedes, wenn es um Deutschlands Studenten geht. Dass diese im Vergleich zu anderen Ländern erst spät an die Hochschule gehen, dort lange bleiben und somit in einem Alter ins Arbeitsleben einsteigen, in dem Briten oder Spanier schon mehrere Jahre Berufserfahrung haben, gilt als eines der Hauptprobleme des deutschen Bildungssystems. Abhilfe schafft zumindest in Einzelfällen eine Idee, die in immer mehr Hochschulen Einzug hält: ein Studium für Schüler.

Besonders begabte Schüler können dabei an Hochschulveranstaltungen teilnehmen, Prüfungen ablegen und somit bereits Scheine sammeln und in manchen Unis sogar Zwischenprüfung oder Vordiplom machen. "In erster Linie ist das gedacht, um den Wissensdurst der Schüler zu stillen", erklärt Ulrich Halbritter von der Universität Köln, die zu den Vorreitern beim Schülerstudium zählt. Aber ein wertvoller Nebeneffekt ist die Tatsache, dass solche "Juniorstudenten" früher mit ihrem Studium fertig werden.

Denn was sie sich bereits während der Schulzeit an der Hochschule erarbeiten, spart ihnen später Zeit: Sie können gleich ins zweite oder dritte Semester oder sogar direkt ins Hauptstudium einsteigen. Stellt jemand bei seinem "Schülerstudium" fest, dass ihm ein bestimmtes Fach doch nicht gefällt, spart er sich verlorene Semester nach dem Abi.

"Sie nehmen was mit fürs Leben"

Und selbst wenn die Schüler keine Prüfung ablegen oder nach einer Zeit wieder aussteigen, sei dies auf alle Fälle ein Gewinn, sagt Halbritter: "Sie nehmen was mit fürs Leben, nämlich den Eindruck, dass die Gesellschaft sie fördert. Und wem geholfen wird, der ist später auch eher bereit, anderen zu helfen." Ein Prinzip, auf dem die amerikanischen Elite-Unis mit ihren Sponsorbeiträgen früherer Absolventen gründen.

In Köln bietet die Uni zusammen mit der Hochbegabtenstiftung der Kreissparkasse seit dem Wintersemester 2000/01 die Möglichkeit des Schülerstudiums in Mathematik, Physik, Chemie und Informatik an. Seit Sommersemester 2004 nehmen auch ausgewählte Fächer der philosophischen Fakultät eine begrenzte Zahl begabter Schüler auf, etwa die Ägyptologie oder die klassische Philologie.

Drehte bei einer Klausur auf: Anna Fischer

Drehte bei einer Klausur auf: Anna Fischer

Teilnehmen konnten ursprünglich nur Schüler der Klassen 11 bis 13, inzwischen bei Eignung auch jüngere. Da diese hoch begabten Schüler oft auch Klassen überspringen, trat laut Halbritter die bisher jüngste Teilnehmerin in Köln mit 13 Jahren als Schülerin der 11. Klasse in das Projekt ein. "Die beste Informatikklausur an der Universität Düsseldorf wurde im Sommersemester 2003 von einem Schüler der 8. Klasse geschrieben", berichtet er. Ein ähnliches Kunststück war an der Ruhr-Universität Bochum einer Schülerin 2002 gelungen: Während viele Informatikstudenten bei der Abschlussklausur einer Vorlesung durchfielen, bestand Anna Fischer, 18, mit "sehr gut" - als einzige.

Gab es in Köln anfangs 26 Teilnehmer, sind es inzwischen im Kölner Raum bis zu 600 Schüler. Auch andere Universitäten in Nordrhein-Westfalen wie Bochum, Bonn oder Aachen bieten inzwischen Studien für Schüler an. Seit vergangenem Jahr gibt es im Landeshochschulgesetz einen entsprechenden Passus.

Viel Bewegung an den Unis

Teilnehmer der Schüler-Uni werden von ihren Schulen vorgeschlagen und von einer Kommission ausgewählt. Sie geben eine Verpflichtungserklärung ab, dass sie den ausgefallenen Unterrichtsstoff selbstständig nacharbeiten. Der Besuch der Uni-Veranstaltungen gilt formal als Schulveranstaltung. Die Leistungen der Schüler an der Uni werden später beim Studium nur auf Antrag anerkannt. Falls also jemand mit seiner Note nicht zufrieden ist oder durchfällt, wirkt sich das nicht auf das spätere Studium aus.

"Die Uni Köln ist gerne anderen Hochschulen behilflich, die solche Programme einrichten wollen", bietet Halbritter an. Und an vielen Unis tut sich auch schon länger etwas: Rheinland-Pfalz hat im September 2003 ebenfalls die Förderung von Schülerunis ins Hochschulgesetz aufgenommen, an allen vier Unis des Landes gibt es entsprechende Projekte. Auch Hannover, Saarbrücken, Jena, Kiel oder Frankfurt am Main lassen Schüler studieren.

Die hessische Landesregierung hat gerade ebenfalls beschlossen, dass besonders begabte Schüler Univeranstaltungen besuchen und sich diese anrechnen lassen können. Außerdem plant man dort, dass in Ausnahmefällen Schüler, die in einem Fach genial sind, in anderen aber nicht, auch ohne Abitur ihr Begabungsfach studieren dürfen. Bisher ist das nur an Musik- oder Kunsthochschulen möglich.

Von Mirjam Mohr, AP

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