Schritt für Schritt So klappt's mit dem Austausch

Rund 50 Organisationen buhlen um das Vertrauen von Austauschschülern, doch nicht alle sind gleich gut. SchulSPIEGEL beantwortet die wichtigsten Fragen, gibt einen Überblick über die Veranstalter und jede Menge Tipps, worauf man achten sollte.

Jedes Jahr wagen bis zu 13.000 Jugendliche in einem High-School-Programm den Blick über den Tellerrand in ein anderes Land. 50 Anbieter von Austauschprogrammen werben um ihr Vertrauen - da fällt die Wahl schwer. Denn von ihnen hat sich nur ein Teil der Völkerverständigung verschrieben, andere mischen im High-School-Geschäft mit, weil sich damit gutes Geld verdienen lässt.

Während manche Organisationen also ihre zukünftigen Austauschschüler und die Gasteltern scharf unter die Lupe nehmen, wittern andere Veranstalter nur ein großes Geschäft. Wie findet man den Weg durch den Austausch-Dschungel? Das richtige Alter, die Schwarzen Schafe unter den Veranstaltern, die Kosten - eine SchulSPIEGEL-Übersicht.

Welches Alter ist am besten?

Die meisten Austauschschüler sind 16 oder 17 Jahre alt, denn ein Auslandsjahr ist nach der zehnten Klasse am sinnvollsten. In Bundesländern mit 13 Schuljahren kann ein Auslandsjahr auch in der zwölften Klasse eingeplant werden. Wer nicht durch die Wiederholung einer Stufe ein Jahr "verlieren" möchte, kann sich auch für ein Halbjahresprogramm entscheiden - dann kehrt man zum zweiten Halbjahr in seine alte Klasse zurück.

Was für Anforderungen gibt es an die Schüler?

Die meisten Austauschschüler besuchen ein Gymnasium, doch das ist keine Zugangsvoraussetzung. Auch Haupt- und Realschüler können sich nach Schulabschluss um einen Austausch bemühen. Die Zensuren spielen in der Regel keine Rolle, solange die Versetzung nicht gefährdet ist. Viele Veranstalter verlangen sprachliche Vorkenntnisse des Bewerbers und Ernsthaftigkeit, was den Willen zum Austausch angeht. Über die Motivation machen sie sich in Auswahlgesprächen ein Bild.

Muss man das "ausgefallene" Schuljahr nachholen?

Wegen der verschiedenen Fächer und Arbeitsweisen ist es so gut wie unmöglich, den Stoff des deutschen Jahrgangs an einer Schule im Ausland zu absolvieren. Wer trotzdem ein Schuljahr überspringen will, sollte das frühzeitig mit seiner Schulleitung klären. Grundsätzlich gilt: Je besser die Noten, desto größer die Chancen, ein Jahr zu überspringen. Eine einheitliche Regelung oder einen Anspruch auf Anerkennung gibt es nicht. Die meisten Teilnehmer wiederholen das Schuljahr, denn der Leistungsdruck, den Stoff eines Jahr aufzuarbeiten, ist groß. Wer jedoch die elfte Klasse wiederholt, hat erst einmal einen gehörigen Vorsprung.

Wohin soll es gehen?

Mittlerweile kann man in mehr als 35 Ländern auf allen Kontinenten ein Schuljahr verbringen. Wohin es einen zieht, hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Nach wie vor sind die USA das beliebteste Austauschziel, aber auch in europäische Länder wird gerne getauscht. Zunehmend etabliert sich der Austausch mit Osteuropa. Einige Anbieter berücksichtigen in den USA Gebietswünsche gegen Aufpreis. Allerdings garantiert ein Gebietswunsch aus touristischen oder familiären Gründen nicht den Erfolg eines Austauschjahres.

Wie wähle ich eine Organisation aus?

Beim Jahresaustausch in die USA sollte man darauf achten, dass die Partnerorganisation in der CSIET-Advisory List aufgeführt ist, einer Art TÜV für Austauschorganisationen. Für alle anderen Länder gilt: Ein Veranstalter sollte nur die Leistungen erbringen, die man sich auch wünscht. Wenn nur Flug, Schule und Familie organisiert werden sollen, kann ein kommerzieller Anbieter ausreichen. Wer Wert darauf legt, dass der Austausch ausgiebig vor- und nachbereitet wird, wer motiviert werden möchte und Kontakt zu anderen Austauschschülern und Ehemaligen sucht, ist eventuell bei gemeinnützigen Organisationen besser aufgehoben. Die stellen allerdings nur eine begrenzte Zahl von Plätzen zur Verfügung und wählen die Teilnehmer nach strengen Kriterien aus. Mit der Suchmaschine von Ausgetauscht.de  kann man nach Organisationen für bestimmte Gastländer suchen.

Gibt es eine "schwarze Liste" fragwürdiger Organisationen?

Ob der Veranstalter gemeinnützig oder kommerziell organisiert ist, sagt über die Qualität wenig aus. Eine Liste mit fragwürdigen Austauschorganisationen gibt es nicht, aber die Aktion Bildungsinformation  warnt in ihren Mitteilungen gelegentlich vor Organisationen, die negativ auffallen. Der Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustauschorganisationen (AJA)  hat außerdem Kriterien für einen gute Veranstalter festgelegt. Auch der Deutsche Fachverband Highschool , ein Zusammenschluss von acht kommerziellen Anbietern, arbeitet nach bestimmten Qualitätsrichtlinien. Dazu zählen zum Beispiel die Auswahl der Programmteilnehmer, die Betreuung der Schüler vor, während und nach dem Austausch, die Vorbereitung der Eltern sowie die Erreichbarkeit der Partnerorganisationen.

Wie wichtig ist die Partnerorganisation?

Mit der Partnerorganisation im Zielland kommt man erst relativ spät in Kontakt. Obwohl ihre Arbeit für den Erfolg des Austauschjahres sehr wichtig ist, wird sie bei der Auswahl des Programms oft übersehen. Die Partner kümmern sich um die Suche der Gastfamilie und Gastschule und betreuen die Schüler während des ganzen Jahres. Sie beschaffen Unterlagen für die Beantragung eines Visums, organisieren den Aufenthalt in der neuen Umgebung und begleiteten den Integrationsprozess. Dabei arbeiten sie sehr eng mit der deutschen Austauschorganisation zusammen.

Können Schüler zurückgeschickt werden?

Es kommt vor, dass Schüler, die sich über ihre US-Gastfamilien beschweren, einfach zurückgeschickt werden, ohne dass die Kosten für die Vermittlung erstattet werden. Um das zu verhindern, sollte man sich auch die Verträge zwischen den deutschen Veranstaltern und ihren US-Partnerorganisationen ansehen: Wichtig ist, dass der US-Partner Schüler nicht ohne Einwilligung des deutschen Partners zurückschicken darf.

Was kostet ein Austausch?

Jedes gute Austauschprogramm hat seinen Preis. Nicht nur die Organisation des Austausches, Reise und Versicherungen kosten Geld, auch Gebühren für Behörden und Telefon oder ein höheres Taschengeld stehen an. Die Preise der Organisationen unterscheiden sich nicht nur nach Anbietern, sondern auch nach den Gastländern: Kostet ein Austausch nach Osteuropa rund 3000 Euro, sind für Kanada oder Neuseeland bis zu 17.000 Euro Grundpreis einzuplanen. Ein Jahr in den USA kostet je nach Anbieter zwischen 3800 bis 7500 Euro. Dazu kommen noch rund 250 US-Dollar Taschengeld im Monat und eventuell Geld für Reisen im Land. 12.000 Euro Gesamtpreis für einen Jahresaustausch in die Vereinigten Staaten sind so keine Seltenheit.

Gibt es finanzielle Unterstützung?

Zwei Drittel der Austauschorganisationen im deutschsprachigen Raum bieten auf Anfrage Stipendien an. Für den Jahresaustausch in die USA können Schüler eines von 300 Stipendien des Parlamentarischen Patenschaftsprogramm (PPP)  des Deutschen Bundestages und des US-amerikanischen Kongresses beantragen. Der Bewerbungsschluss ist jeweils etwa der 10. September im Jahr vor dem Austausch.

Unter bestimmten Bedingungen können Schüler zur Aufbesserung der Reisekasse auch Auslands-Bafög beantragen. Die Förderhöhe richtet sich immer nach dem Einkommen der Eltern und kann maximal 348 Euro monatlich plus 64 Euro für Mietkosten betragen. Im Gegensatz zum Studenten-Bafög muss dieses Bafög nicht zurückgezahlt werden.

Wo gibt's noch mehr Infos?

Bei Aktion Bildungsinformation  kann man werktags von 11 bis 12 Uhr Experten bei einer Telefon-Sprechstunde zum US-Highschool-Jahr ausfragen (0711/2270073). Diese Verbraucherschutzorganisation gibt außerdem jährlich die Broschüren "Schuljahresaufenthalte USA" und "Schulbesuch weltweit" heraus. Ein guter Ansprechpartner in der Hauptstadt ist der Verein Berliner Austauschschüler. Er vertritt die Austauschorganisationen Youth for Understanding (YFU) und den American Field-Service (AFS). Der AFS wurde einst unter dem Eindruck des Blutvergießens im Ersten Weltkrieg gegründet und verfolgt bis heute das Ziel der Völkerverständigung. Thomas Terbeck, Autor des "Handbuch Fernweh", bietet eine kostenpflichtige Beratung rund um den Schüleraustausch an und hilft bei der Wahl des individuell besten Anbieters. Nähere Informationen zum Beratungsangebot gibt es beim Weltweiser Bildungsberatungsdienst .