Schüler benoten Politiker Guido Westerwelle bleibt sitzen

Der Außenminister wird nicht versetzt, die Kanzlerin ist Klassenbeste: Für das Jugendmagazin "Yaez" haben Schüler Politiker benotet und entschieden, wer in die nächste Legislaturperiode darf. Bei manchen Ministern mussten die Jugendlichen allerdings passen - sie waren ihnen unbekannt.

Außenminister Westerwelle: Schüler verwehren ihm eine zweite Amtszeit
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Außenminister Westerwelle: Schüler verwehren ihm eine zweite Amtszeit


In der Schule werden Schüler für ihre Leistung benotet, jetzt geben sie der Bundesregierung Noten. Das Jugendmagazin YAEZ hat 919 Schüler befragt, wie sie die Leistung der Bundeskanzlerin und ihren Ministern in den Bereichen "Mitarbeit", "Fachwissen", "Ausdruck" und "Betragen" bewerten. Die Ergebnisse sind ein politisches Stimmungsbild der Schüler in Deutschland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Familienministerin Kristina Schröder lagen bei der Zeugnisvergabe vorn, sie bekamen beide eine 2,6 im Durchschnitt. Klassenschlusslichter sind Außenminister Guido Westerwelle mit einem Durchschnitt von 3,3 und Bildungsministerin Annette Schavan mit einer 3,4. Alle anderen haben zumindest besser als 3,0 abgeschnitten.

Um einen Politiker benoten zu können, mussten die befragten Schüler zuerst angeben, ob sie ihn überhaupt kennen. Am bekanntesten ist Bundeskanzlerin Angela Merkel: 99,7 Prozent der befragten Schüler kennen sie. Aber nur rund jeder zweite Schüler kennt Umweltminister Norbert Röttgen (48 Prozent), auch Verbraucherministerin Ilse Aigner (51 Prozent) und Bildungsministerin Annette Schavan (56 Prozent) sind weniger bekannt.

Annette Schavan hat Schüler gegen sich

Das Fach, in dem die Politiker am besten abschnitten, ist "Betragen", hier gab es eine Durchschnittsnote von 2,7. Am schlechtesten fielen die Noten beim "Ausdruck" aus, hier wurde im Schnitt eine 2,9 verteilt. Mit den aus den Schulzeugnissen bekannten Begriffen "Betragen" wurde das Verhalten der Politiker abgefragt und mit "Ausdruck" die Verständlichkeit.

Die Schüler sollten die Politiker nicht nur benoten, sie wurden auch gefragt, wen sie in die nächste Legislaturperiode versetzen würden und wen nicht. Ergebnis: 67 Prozent der Schüler gewähren Finanzminister Wolfgang Schäuble und 61 Prozent Angela Merkel eine weitere Amtszeit. Annette Schavan und Guido Westerwelle müssen dagegen sitzen bleiben - eine Mehrheit der Befragten stimmte gegen ihre Versetzung.

So sind die Ergebnisse zustande gekommen: Das Jugendmagazin "Yaez" rief online zur Teilnahme an der Umfrage auf. Es wurden 919 Fragebögen vollständig ausgefüllt und nach wissenschaftlichen Methoden ausgewertet. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer beträgt 15,6 Jahre, es nahmen Schüler aus ganz Deutschland an der Umfrage teil. 61 Prozent der befragten Schüler besuchen ein Gymnasium, 20 Prozent eine Realschule.

Von Janos Burghardt und Ineke Haug für das Jugendmagazin "Yaez"

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
frubi 14.03.2011
1. .
Zitat von sysopDer Außenminister wird nicht versetzt, die Kanzlerin ist Klassenbeste: Für das Jugendmagazin "Yaez" haben Schüler Politiker benotet und entschieden, wer in die nächste Legislaturperiode darf. Bei manchen Ministern mussten die Jugendlichen allerdings passen - sie waren ihnen unbekannt. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,750848,00.html
Schüler sollte man in einem gewissen Alter besser nicht nach ihrer Meinung nach Politikern fragen. Bei uns wusste damals in der Oberstufe bis auf 2 Personen, ein Juli und ein Juso Mitglied (sehr beliebte Leute), kaum einer etwas über Politiker. Politik wurde in meiner Schule auch kaum thematisiert was eigentlich schade war. Bis auf die Ereignisse rund um den Amoklauf in Erfurt und 9/11 haben wir über kaum etwas aktuelles aus der Politik gesprochen. Die meisten Schüler werden über ihre Eltern und Medien beeinflusst und sind kaum daran interessiert, sich außerhalb dieses Rahmens Gedanken über Politiker zu machen. Daher sind die Ergebnisse für mich auch nicht überraschend. Im Sommer bei 30 Grad im Schatten denkt man eher an die leicht bekleideten Mitschülerinnen oder an die nächste Rhein-Fete aber bestimmt nicht an Hubertus Heil oder Jens Spahn.
kaskisgatan 14.03.2011
2. politische Bildung der deutschen Schüler ?
Zitat von sysopDer Außenminister wird nicht versetzt, die Kanzlerin ist Klassenbeste: Für das Jugendmagazin "Yaez" haben Schüler Politiker benotet und entschieden, wer in die nächste Legislaturperiode darf. Bei manchen Ministern mussten die Jugendlichen allerdings passen - sie waren ihnen unbekannt. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,750848,00.html
Die politische Bildung hat noch immer keinen Einzug in die deutschen Klassenzimmer gehalten. Es drängt sich der Verdacht auf, dass dies von unserer sogenannten Politikerelite auch gar nicht erwünscht ist. Am liebsten wäre Merkel, von der Leyen un Co. vermutlich die Rückentwicklung zum Analphabetismus.
kimba2010 14.03.2011
3. ...
Das mit dem Benoten von Erwachsenen durch Kinder und Jugendliche ist immer so eine Sache. Um etwas benoten bzw. bewerten zu können, muss man auch die Problematik und Thematik überblicken können, das können viele Kinder und Jugendliche aber (noch) nicht. Daher sind auch die "Noten" nur von sehr begrenzter Aussagekraft, sie spiegeln wohl eher Symphatie, Aussehen etc wieder als Kompetenzen. Da ist auch bei der Bewertung von Lehrern durch Schüler zu beobachten. Die Schüler bewerten auch oft eher Aussehen, Lockerheit, Symphatie und nicht nach Kompetenz im Unterricht.
kalumeth 14.03.2011
4. wo sehen Sie
Zitat von kimba2010Das mit dem Benoten von Erwachsenen durch Kinder und Jugendliche ist immer so eine Sache. Um etwas benoten bzw. bewerten zu können, muss man auch die Problematik und Thematik überblicken können, das können viele Kinder und Jugendliche aber (noch) nicht. Daher sind auch die "Noten" nur von sehr begrenzter Aussagekraft, sie spiegeln wohl eher Symphatie, Aussehen etc wieder als Kompetenzen. Da ist auch bei der Bewertung von Lehrern durch Schüler zu beobachten. Die Schüler bewerten auch oft eher Aussehen, Lockerheit, Symphatie und nicht nach Kompetenz im Unterricht.
...einen prinzipiellen Unterschied zu Ü-18 oder Ü-40? (Vgl. Symphatie- versus Leistungs-"Noten" für KTzG)
nebenjobber 14.03.2011
5. Aussagekraft gleich null
wie auch bei vielen anderen studien. generell wäre es wohl von vorteil, wenn grundsätzlich befragte gruppen in mind. 2 kategorien eingeteilt würden, politisch interessiert und völliges desinteresse. das würde für die auswertung zwar eventuell zu kompliziert bzw. aufwendig werden, zumindest wäre diese dann aber nicht völlig sinnbefreit wie die vorliegende studie.
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