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20. September 2007, 18:56 Uhr

Schüler-Mobbing

Gerüchte und Beleidigungen via ICQ

An den Schulen ist Mobbing ein massives Problem: Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen wird einer Landauer Studie zufolge geärgert, bedroht oder attackiert. Ab der achten Klasse piesackt man Mitschüler vor allem per Instant Messenger.

Beleidigt, geschlagen, terrorisiert: In Schulen scheint Mobbing ein immer krasseres Problem zu werden. Das zeigen erste Ergebnisse einer Untersuchung Landauer Forscher, die online knapp 2000 Schüler befragten. Mehr als die Hälfte (54,3 Prozent) gab an, innerhalb von zwei Monaten mindestens einmal Opfer von direktem Mobbing gewesen zu sein.

Mobbing in der Schule: Mal mit Fäusten, mal mit Worten
DPA

Mobbing in der Schule: Mal mit Fäusten, mal mit Worten

Während in der Grundschule vor allem beleidigt, geärgert, ausgegrenzt und Gewalt angewendet werde, gebe es bei älteren Schülern mehr "Cyber-Mobbing", heißt es in der Studie. Zu den ersten Ergebnissen, sagte Projektleiter Reinhold Jäger vom Zentrum für empirische pädagogische Forschung (Zepf) der Uni Koblenz-Landau: "Selbst wenn man bedenkt, dass vermutlich Betroffene eher an der Befragung teilgenommen haben als Nicht-Betroffene, müssen diese Zahlen bedenklich stimmen."

Die Teilnehmer der Online-Befragung sollten zwei Hauptfragen beantworten: Wie oft bist du in den vergangenen zwei Monaten in der Schule Opfer von direktem Mobbing geworden? Und wie oft bist du in den vergangenen zwei Monaten Opfer von Cyber-Mobbing geworden?

Beim Cyber-Mobbing werden vor allem über Instant Messaging - also über einen Internet-Chat wie ICQ - Gerüchte in Umlauf gebracht oder systematisch Beleidigungen ausgesprochen. Meistens wird das von Mitschülern angezettelt. Darunter leiden ab der achten Klasse besonders viele Schüler - fast 20 Prozent der Befragten.

Reinhold Jägers Rat: Schulen sollten das Thema Mobbing behandeln und mit Tätern und Opfern darüber reden. "Erst wenn unsere Gesellschaft begreift, welches Ausmaß das Mobbing angenommen hat und entsprechend handelt, wird das Phänomen gezielt angegangen werden können", so Jäger. Einen ausführlicheren wissenschaftlichen Bericht zum Mobbing-Problem soll es Anfang 2008 geben. An der Untersuchung des Zepf arbeitete die Aktion "Seitenstark" mit.

kat/AP/dpa

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