G8-Urteil Kein Realschulabschluss nach Klasse 9

Schüler, die nach der 9. Klasse das Gymnasium verlassen, erhalten weiterhin nur den Hauptschulabschluss. Das entschied der hessische Verwaltungsgerichtshof. Ein betroffener Schüler hatte versucht, sich einen Realschulabschluss zu erstreiten.

Schüler bei einer Prüfung: Neun Schuljahre sind nicht genug
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Schüler bei einer Prüfung: Neun Schuljahre sind nicht genug


G8-Schüler haben nach der 9. Klasse auf dem Gymnasium noch keinen Realschulabschluss. Dies hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in einem Urteil (Az: 7 A 2057/12) entschieden.

Geklagt hatte ein Schüler eines Gymnasiums im verkürzten gymnasialen Bildungsgang (G8). Der Junge aus dem Main-Taunus-Kreis wollte durchsetzen, dass Schüler, die das Gymnasium nach der 9. Klasse verlassen, einen Realschulabschluss und nicht nur einen Hauptschulabschluss in der Tasche haben.

Der Schüler wollte nach neun Schuljahren ein Zeugnis mit dem Vermerk "Dieses Zeugnis ist dem mittleren Abschluss/Realschulabschluss gleichgestellt." Diesen Antrag lehnte das Land Hessen ab. Zu Recht, befand nun der Senat am VGH.

Zuvor hatte das zuständige Schulamt dem Schüler bereits mitgeteilt, dass es die Mittlere Reife erst nach zehn Schuljahren gebe. Ausnahmen seien nicht vorgesehen. Die Mittlere Reife wird deutschlandweit nach einer Vereinbarung der deutschen Kultusminister von 1993 erst nach Klasse 10 vergeben.

Mittlere Reife erst nach einem Jahr gymnasiale Oberstufe

Für Schüler in Hessen, die das Abitur nach Klasse 12 anstreben, ist das ein Problem: Für sie endet die Mittelstufe bereits mit Klasse 9, danach beginnt die gymnasiale Oberstufe. Nach Ansicht des Gerichts ist nur ein Zeugnis einem Realschulabschluss gleichgestellt, mit dem G8-Schüler zur gymnasialen Oberstufe zugelassen werden.

G8-Schüler könnten eine Gleichstellung mit dem Realschulabschluss also erst nach einem Jahr in der gymnasialen Oberstufe erreichen. Die Lehrergewerkschaft GEW kritisierte die VGH-Entscheidung, genauso wie die Opposition, die das Urteil zur Kritik am hessischen Schulsystem nutzte.

Nach Ansicht der obersten hessischen Verwaltungsrichter werde mit diesem Urteil jedoch gewährleistet, dass ein in Hessen erworbener Realschulabschluss auch in anderen Bundesländern Anerkennung findet. Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen.

jon/dpa



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miliasi 26.08.2013
1.
Das Urteil geht völlig an der Realität vorbei. Sogar ein 8. Klässler könnte mit leichtigkeit den Hauptschulabschluss kriegen. Mit diesem Urteil wird der Druck der Gymnasiasten nur unnötig verstärkt.
blaaablubbb 26.08.2013
2.
Ich finde das Urteil absolut gerechtfertigt! Es besteht schliesslich kein Recht auf einen "guten" bzw. "hohen" Schulabschluss. Wenn ich mich an der Uni so umsehe vermute ich mal, dass heute ein 10. Klässler schon das Abitur bekommen kann. Wichtiger als die Art des Abschlusses ist die Qualität der Bildung!!! Daran sollte etwas geändert werden. Das ganze Schulsystem müsste überarbeitet und neu strukturiert werden. Es gibt Personen OHNE Schulabschluss die an einer Uni besser aufgehoben wären als mancher Abiturient. Aber das passt alles super in eine Zeit in der die Eltern die Hausaufgaben machen...
brucewillisdoesit 26.08.2013
3. neues Schulsystem
Zitat von blaaablubbbIch finde das Urteil absolut gerechtfertigt! Es besteht schliesslich kein Recht auf einen "guten" bzw. "hohen" Schulabschluss. Wenn ich mich an der Uni so umsehe vermute ich mal, dass heute ein 10. Klässler schon das Abitur bekommen kann. Wichtiger als die Art des Abschlusses ist die Qualität der Bildung!!! Daran sollte etwas geändert werden. Das ganze Schulsystem müsste überarbeitet und neu strukturiert werden. Es gibt Personen OHNE Schulabschluss die an einer Uni besser aufgehoben wären als mancher Abiturient. Aber das passt alles super in eine Zeit in der die Eltern die Hausaufgaben machen...
Hmm ... wir haben doch ein bewährtes prinzipiell funktionierendes, dreigeteiltes Schulsystem. Natürlich sind die Lehrer, sowie deren Verbeamtung, übervorsorgliche Eltern und gestörte Schüler ein Problem, aber das Problem liegt doch in den nicht nur noch rudimentär existierenden Leistungsanforderungen. In jedem der 3 Zweige sind doch in den letzten 30 Jahren die Leistungsanforderungen systematisch auf das Minimum gesenkt worden (und wzar in jedem Bundesland). Erhöht in jedem der 3 System wieder die Anforderungen auf ein vernünftiges Maß und selektiert vernünftig (das beseitigt mittelfristig auch störende, da überforderte Schüler aus dem Unterricht). Die grundsätzlichen Lehrpläne dürften in den meisten Fällen vernünftig sein. Im Gegegsatz zu früher sollte nur sichergestellt sein, daß entsprechend leistungsfähige Schüler auch ohne größere Probleme oder Hindernisse von der Haupt- auf die Realschule, und Schüler dieser Schulform aufs Gymnasium wechseln können. Dann haben wir wieder ein rein leistungsorientiertes Schulsystem, bei dem jeder kriegt, was er sich selbst durch Leistung verdient. Die Abschaffung des Leistungsprinzips ist grundsätzlich gefährlich und führt praktisch immer zu unschönen Sekundäreffekten.
geritw 26.08.2013
4.
Für einen Abschluss sollte ein gewisses Pensum an Leistung erbracht werden. Sich auf das erreichen der 9. Klasse auszuruhen, nur weil man z.b. eine Schule besucht, die geografisch am leichtesten zu besuchen wäre, d.h. in diesem Falle ein Gymnasium, bedeutet nicht, dass dadurch ein höherer Grad an Bildung herausspringt. Am Beispiel Sachsen bedeutet das, dass man entweder die jeweilige Prüfung der Haupt- bzw. Realschule besteht, oder eben die darauffolgende Klassenstufe erfolgreich als Abgangszeugnis meistert, um den nächstniedrigeren Abschluss zu erreichen. Am Schul- bzw. Auswahlsystem für Gymnasien habe ich dennoch Mängel anzugeben: Auf Grund unterschiedlicher Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sehe ich es sehr kritisch, sich bereits in Klasse 4 entscheiden zu müssen, welches weiterführende Schulsystem zu besuchen ist. Gesamtschulen wäre ein guter Anfang, ja Experimente zeigen, dass es sogar förderlich sein kann, Integrativklassen zu bilden.
Katzenliebhaber 27.08.2013
5.
Zitat von sysopDPASchüler, die nach der 9. Klasse das Gymnasium verlassen, erhalten weiterhin nur den Hauptschulabschluss. Das entschied der hessische Verwaltungsgerichtshof. Ein betroffener Schüler hatte versucht, sich einen Realschulabschluss zu erstreiten. http://www.spiegel.de/schulspiegel/schueler-scheitert-mit-klage-gegen-ungerechtigkeit-beim-turbo-abi-a-918687.html
Mit dem G8 wollte man Schüler früher in Beruf/Studium bringen. Es entbirgt jeder Logik, dass dies bei den nachrangigen Schulabschlüssen unabdingbar ist.
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