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Markus zurück in Berlin: Sonntagsbrunch statt Shuttle-Service

Foto: Markus Hintze

Austausch-Log Südafrika Neustart in der Heimat

Die Fenster vergittert, selten alleine vor die Tür: Austauschschüler Markus lebte in Südafrika ein bisschen wie im Sicherheitstrakt. Jetzt startet er in seiner alten Heimat Berlin in die neue, alte Freiheit - und findet das nicht nur positiv.

An einem Sonntagmorgen umarmte ich meine Eltern zum ersten Mal seit einem Jahr. Ich kann kaum beschreiben, was ich in dem Moment gedacht habe. Ein bisschen fühlte es sich an, als ob ich von einer Weltreise zurückkommen würde, in meinen eigenen kleinen Hafen - trotzdem hatte ich auch Angst, was die nächsten Tage und Wochen bringen würden. Was hatte sich verändert? Wie würde ich damit klarkommen?

Ich bin wieder zu Hause in Berlin, dort wo ich aufgewachsen bin. Auch wenn ich schon eine Weile zurück bin, fühlt es sich immer noch irreal an. 17 Jahre habe ich hier gelebt, und trotzdem entdecke ich nach meinem Auslandsjahr jeden Tag etwas Neues. Häuser, die neu gebaut wurden, Leute, die sich äußerlich verändert haben. Es ist wie ein Neustart.

In Südafrika war das Fenster zu meinem Zimmer vergittert, ich nutzte nie die öffentlichen Verkehrsmittel, war darauf angewiesen, dass meine Gasteltern oder Freunde mich abholten. Jetzt bin ich wieder unabhängig. Meine Eltern müssen sich nicht nach mir und ich mich nicht nach ihnen richten. Auf der einen Seite ist es schön. Auf der anderen Seite aber steigert das die Gefahr, dass die Familie nebeneinanderher lebt.

In Südafrika habe ich mich mit meinen Gasteltern während der Fahrgemeinschaften über die Schule unterhalten, über Freunde und Familie. Jetzt, in Deutschland, pflegen meine richtigen Eltern und ich dafür wieder unsere Familientradition und treffen uns jeden Sonntagmorgen zum Frühstück, aber sonst unternehmen wir nicht viel miteinander.

Südafrika hat mich geprägt

Vor meinem Auslandsjahr war ich den meisten Menschen gegenüber eher distanziert, offen auf Leute zuzugehen, fiel mir nicht immer leicht. Auch wenn ich mich heute immer noch nicht so schnell öffne, fällt es mir nach Südafrika leichter. Ich konnte herausfinden, wer ich bin und wozu ich in der Lage sein kann. Vielleicht tut es Freundschaften und der Familie ja gut, wenn nicht jeder so sehr sein eigenes Leben lebt und man mehr miteinander macht, als nur unter einem Dach zu wohnen?

Südafrika hat mich geprägt. Im Großen und Ganzen bin ich stolz, in einem so schönen und vielseitigen Land gewesen zu sein. Ich habe viele wundervolle Menschen kennengelernt, von denen ich für die Zukunft gelernt habe. So schnell hätte ich so viele Dinge in Deutschland nicht gelernt. Damit ich das nicht vergesse, habe ich einen Talisman: Um meinen Hals trage ich eine südafrikanische Kette, die mich an das Auslandsjahr erinnern - jedes Mal, wenn ich in den Spiegel schaue.

Markus Hintze hat auch eine Facebook-Seite  und freut sich über Nachrichten.

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