Fotostrecke

Alina auf dem Weg in die USA: Gasteltern, wo seid ihr?

Foto: Daniel Noglik

Austausch-Log USA Auf Wiedersehen, deutsche Windmühlen

Auf ihr Auslandsjahr ist Alina Buxmann, 16, bestens vorbereitet: Sie liest amerikanische Zeitungen und hört englische Bücher. Dabei fehlt ihr noch das Entscheidende: eine Gastfamilie. Allmählich fragt sie sich: Liegt es an mir, dass ich noch keine habe?

Wäre mein Austauschjahr eine Zwiebel, so habe ich bislang nur die Schale gesehen. Patriotismus, Fastfood, High School Spirit, American Way of Life, ich kenne bislang vor allem das Bild, das Journalisten zeichnen.

Ende August fliege ich für zehn Monate in die USA. Ich reise als deutsche "Völkerverständigerin", so nennen sich die Schüler meiner Austauschorganisation. "You will be a student of American culture at the same time you are a teacher of your own culture." So steht es in dem "Passport to the USA" , den ich bekommen habe.

Wahrscheinlich werde ich an der Westküste leben oder in den Südstaaten. Wo genau, weiß ich nicht. Denn ich habe noch keine Gastfamilie. Sollte meine Organisation nicht bald eine finden, wird mein Abflugtermin auf Anfang September verschoben. Jetzt muss ich warten.

Das große Rätsel: Zu wem, wann, wohin?

Komme ich zu streng gläubigen Mormonen? Zu einem freiheitlich orientierten homosexuellen Ehepaar? Habe ich Gastgeschwister oder ein Haustier? Oft wurde ich gefragt, was ich mir wünschen würde. Dabei möchte ich mir möglichst wenig wünschen, um später nicht enttäuscht zu sein. Ich freue mich über jede Familie, die mich aufnimmt.

Natürlich zweifle ich: Warum haben die meisten Austauschschüler längst eine Familie - nur ich noch nicht? Meine Organisation versicherte mir zwar am Telefon, dass es nicht an mir läge. Und trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass ich etwas falsch gemacht habe. Vielleicht wirkt mein Gastfamilienbrief unsympathisch? Vielleicht rede ich in der Voice-Mail unschönes Englisch?

Gern hätte ich meiner Gastfamilie schon geschrieben. Es wäre leichter, Gastgeschenke zu finden, wenn ich wüsste, wen ich beschenken will. Endlich hätte ich ein konkretes Ziel. Mein Austauschjahr wäre greifbar. Aber es kann jeden Tag soweit sein, dass mich im Briefkasten eine Überraschung erwartet.

Endspurt

Immerhin fühle ich mich gut für das Austauschjahr gerüstet: Ich habe die einwöchige vorbereitende Tagung besucht, anschließend las ich die "Gebrauchsanweisung für die USA" von Adriano Sack und den "Kulturschlüssel USA" von Uwe Kreisel. Dann lud ich mir die Nachrichten-Apps "Washington Post"  und "New York Times"  auf mein Smartphone. Auch beim Joggen unterhalten mich seit einigen Wochen amerikanische Hörbücher.

Und ich lasse mein Leben in Deutschland allmählich ausklingen: Ich verbringe viel Zeit mit den Menschen, die mir lieb sind, jobbe zwei Wochen bei einer Regionalzeitung, starte mit meiner Fußballmannschaft in die neue Spielsaison und fotografiere. Ich halte fest, woran ich mich erinnern möchte. Insgesamt fällt es mir schwer, Abschied zu nehmen - auch wenn es nur auf Zeit ist.

Ich kann das Leben nicht anhalten wie einen Film. Wenn ich nach Hause komme, werde ich mich verändert haben, und auch hier wird nicht alles so sein wie zuvor. Doch mir wird niemand nehmen können, was ich in den USA erlebe.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.