Schülerflucht Privatschulen wachsen kräftig weiter

Sie sind enttäuscht vom staatlichen Schulsystem, wünschen sich anderen Unterricht, bessere Lehrer oder einen religiösen Einschlag. Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder auf private Schulen, die schon seit Jahren im Aufwind sind.


Die Privatschulen in Deutschland bekommen weiter Zulauf. Über zwölf Millionen Schüler gibt es ingesamt, davon besuchten knapp 900.000 im Schuljahr 2006/07 Schulen in privater Trägerschaft, wie des Statistische Bundesamt mitteilte. Davon gehen allerdings nur 656.000 auf allgemeinbildende Schulen, die restlichen 236.000 auf berufliche Schulen.

Privatschüler (in Frankfurt): Eltern schauen sich nach Alternativen um
DPA

Privatschüler (in Frankfurt): Eltern schauen sich nach Alternativen um

In den letzten Jahren suchen viele Eltern nach einer Alternative für die schulische Ausbildung ihrer Kinder, auch weil sie durch die mäßigen bis schlechten Pisa-Ergebnisse der staatlichen Schulen abgeschreckt wurden. Dass die privaten den öffentlichen Schulen generell überlegen sind, bezweifeln aber viele Bildungsexperten.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Privatschüler erneut um gut zwei Prozent, alle Schultypen zusammengenommen. Damit liegt ihr Anteil an der Gesamtzahl der Schüler in Deutschland bei 7,3 Prozent. Obwohl die Zahl der Kinder im Land insgesamt sinkt, haben die Privatschulen stetig seit 1992 mehr Schüler. Damals gab es 574.000 Privatschüler.

Jeder zehnte Gymnasiast lernt an einer Privatschule

Auch die Zahl der Privatschulen hat zugelegt. Inzwischen sind es über 4700, davon knapp 2900 allgemeinbildende Schulen. Von allen Schulen in privater Trägerschaft sei das Gymnasium am beliebtesten, so die Statistiker: Etwa jeder zehnte Gymnasiast in Deutschland wurde im Schuljahr 2006/07 an einer Privatschule unterrichtet.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern sind beträchtlich. Die Spanne reicht von zwei Prozent privater Gymnasiasten in Schleswig-Holstein bis zu 16,5 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Mädchen besuchen mit rund zwölf Prozent häufiger private Gymnasien als Jungen mit neun Prozent. Vier Fünftel aller allgemeinbildenden Privatschulen sind konfessionelle Schulen.

Im europäischen Vergleich ist diese Zahl allerdings nicht mehr so beeindruckend: Europaweit gehen etwa 20 Prozent aller Schüler in eine Privatschule - fast dreimal so viele wie in Deutschland.

maf/dpa/AP



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