Schülerin Naina legt Twitter-Pause ein "Ihr widert mich an"

Sie spricht von "Hass" und legt ihren Twitter-Account vorläufig still: Die Kölner Schülerin Naina wurde für ihre schulkritischen Aussagen gefeiert, aber auch beschimpft. Doch was war überhaupt der Anlass für ihren vielbeachteten Tweet?
Riesige mediale Aufmerksamkeit: Schülerin Naina in der Sendung "TV total" mit Moderator Stefan Raab

Riesige mediale Aufmerksamkeit: Schülerin Naina in der Sendung "TV total" mit Moderator Stefan Raab

Foto: BRAINPOOL/Steffen Z. Wolff

"Dieser Hass hier auf Twitter ist so heftig, ihr widert mich an. Sagt Bescheid wenn ihr wieder normal seid. Bis dann", teilte Naina heute über ihren Twitter-Account @nainablabla mit. Die 17-jährige Schülerin aus Köln will sich offenbar vorerst nicht mehr via Twitter mitteilen - nachdem sie vor knapp einer Woche mit einem Tweet einen großen Wirbel verursacht hatte.

"Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen", hatte die Schülerin des Kölner Ursulinen-Gymnasiums am vergangenen Samstag gepostet. Dass ihre Kritik, wonach Unterrichtsinhalte nicht genügend auf das Alltagsleben vorbereiten, derart viele Reaktionen hervorrufen würde, hatte sie sicherlich nicht erwartet.

Sie habe festgestellt, dass sie und ihre Freundinnen keine Ahnung hätten, "wie das funktioniert mit der Miete oder welche Versicherungen man braucht, wenn wir nach der Schule zusammen in eine WG ziehen wollen", teilte Naina in einem Text auf "Zeit Online " mit. Daraufhin habe sie binnen zwei Minuten den Tweet verfasst. "Ich hätte nie gedacht, dass darauf so eine riesige Reaktion folgt. Das ist einfach ein Thema in unserer Generation, dass wir nach dem Abi da stehen und sagen: Uff. Und was machen wir jetzt?", so die Schülerin.

Innerhalb weniger Tage wurde die Nachricht auf Twitter zehntausendfach geteilt, mehr als 17.000 Follower hat Nainas Account inzwischen, zahlreiche Medien griffen das Thema auf. Auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) und Lehrerverbände äußerten sich zu dem kritischen Tweet.

Insbesondere Schüler äußerten häufig Verständnis für Nainas Kritik an zu wenig alltagstauglichem Schulwissen. Der 17-Jährigen war aber auch heftige und zum Teil beleidigende Kritik entgegengeschlagen - unter anderem, weil sie in ihrem ursprünglichen Tweet "Gedichtsanalyse" geschrieben hatte. "Update: Ich hab jetzt 'ne Ahnung von Miete, Steuern und Versicherungen und kann Gedichtanalysen ohne S schreiben. Immer noch auf 4 Sprachen", hatte sie darauf noch am Mittwoch geantwortet. Andere hätten ihren Eltern vorgeworfen, ihren Erziehungsauftrag wohl nicht erfüllt zu haben.

Fotostrecke

Alltagsfähigkeiten: "Ich will lernen, was eine Kreditkarte ist"

Foto: privat

Naina sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger " jetzt, sie werde auf ihrem Account nicht mehr twittern, bis sich "die ganze Sache wieder gelegt hat". Sie habe viele Kommentare erhalten, die weit unterhalb der Gürtellinie lägen. "Diesem Stress will ich mich nicht auch noch aussetzen."

Allerdings wolle sie den Kontakt zu Politik und Presse weiter aufrechterhalten - die Frage des richtigen Schulstoffs sei schließlich ein wichtiges Thema.


Was Schüler schreiben, wenn Sie nicht weiterwissen, lesen Sie in unserer Stilblütensammlung:

Was schreiben Ihre Schüler so?

Sind Sie Lehrer? Haben auch Ihre Schüler schon Stilblüten oder unfreiwillige Witze verzapft?

Haben Kinder - oder deren Eltern - unverschämte oder lustige Ausreden präsentiert, warum sie zu spät bzw. gar nicht zur Schule kommen können oder eine Aufgabe nicht erledigt haben?

Haben Schüler besonders dreist oder skurril geschummelt?

Schicken Sie uns Ihre Stilblüten und Anekdoten.  (Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.)

him/dpa
Mehr lesen über Verwandte Artikel