1. Platz Reportage Julia Kluttig: "Sie wollen eine reale Chance"


Wooling: Oberland-Gymnasium, Seifhennersdorf

Begründung der Jury:

Die klassische Geschichte über Flüchtlinge spielt in einem Asylheim, irgendwo in Deutschland, hinter Stacheldraht, mit Gemeinschaftstoiletten, geregelten Bettwäsche-Zeiten, abgeschirmt, abgestellt, am Rande der Gesellschaft. Die Autorin Julia Kluttig wählt einen anderen Ort, um die Lage der Asylbewerber in Deutschland zu beschreiben. Er liegt mitten in der deutschen Hauptstadt: der Pariser Platz, direkt am Brandenburger Tor. In ihrer Reportage treffen hier zwei Welten aufeinander, die einen, die nach Berlin kommen, um das perfekte Foto vom Brandenburger Tor zu machen, die anderen, die kommen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Es ist nicht nur die Wahl des Schauplatzes, die die Autorin auszeichnet, sondern die Tatsache, dass sie spürbar viel Zeit vor Ort verbringt, ihre Protagonisten nicht nur interviewt, sondern begleitet, beobachtet, während etwas geschieht. Sie beweist ein Auge fürs Detail, indem sie die Ablehnung der Vorbeigehenden aufschnappt und dies an der richtigen Stelle in ihren Text einfließen lässt. Die Reportage ist ein gelungener Kameraschwenk, hinein in einen Protest von Menschen, der dort stattfindet, "wo sie eigentlich nicht hingehören" - von Menschen, die eine "reale Chance" wollen, denen Julia Kluttig auf wenigen Zeilen ein Gesicht gibt, sie nicht als klassische Opfer darstellt, sondern sie bei ihrem Kampf begleitet.

Autorin: Julia Kluttig (18)

Preis: 600 Euro, die sich die Autorin mit der Redaktion teilt, und ein verlängertes Wochenende in Hamburg.

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