2. Platz Reportage Tabea Herbst: "Unter Tauben"


Rabenpost: Corvinianum, Northeim

Begründung der Jury:

Bei der Autorin Tabea Herbst "blitzt" es, wenn jemand vor der Haustür steht und klingelt. Der Wecker ist ein heller Strahl ins Gesicht, ohne Ton. Ein Telefon gibt es nicht. In ihrem Text "Unter Tauben" nimmt die Autorin den Leser mit in ihren Alltag mit gehörlosen Eltern. Sie beschreibt Szenen aus ihrem Leben, die zeigen, wie es ist, wenn die Kassierer bei McDonald's immer lauter werden, um eine Bestellung aufzunehmen - unnötigerweise. Sie erzählt aus ihrer Kindheit, von einem Mädchen, das nie schreit, wenn ihm etwas auf den Fuß fällt, weil die Mama es sowieso nicht hören würde. Und Eltern, die laute Musik nicht stört, nie. Wir erfahren, wie sie ihr "Timing optimiert", um anderen Menschen zu sagen, dass die eigenen Eltern anders sind. Der Autorin ist ein sehr berührender, schlauer Text gelungen, der in keiner Zeile um Mitleid fleht, ihre starke Haltung zeigt und ihren Humor. Tabea Herbst beweist mit ihrem Text vor allem ein Gespür für Themen, die eine gelungene Reportage ausmachen: den Leser in eine fremde Welt mitzunehmen, die er nicht kennt oder einfach nicht sieht, sogar wenn sie vor der eigenen Haustür liegt. Oder wussten Sie, dass es bei Gehörlosen blitzt, wenn Sie klingeln?

Autorin: Tabea Herbst (13)

Preis: 400 Euro, die sich die Autorin mit der Redaktion teilt, und ein verlängertes Wochenende in Hamburg.

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Tabea Herbst: "Unter Tauben"PDF-Größe: 1012 kB
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