Indien Der wohl dreisteste Prüfungsschwindel der Welt

Abschlussprüfungen in der Schule sind Familiensache, jedenfalls für etliche Inder: Im Bundesstaat Bihar versorgen Eltern die Schüler mit Spickzetteln - mit einer waghalsigen Aktion.

Illegale Schülerhilfe (Archivbild): Eltern und Verwandte von indischen Prüflingen versuchen zu helfen
AP

Illegale Schülerhilfe (Archivbild): Eltern und Verwandte von indischen Prüflingen versuchen zu helfen


Zu Dutzenden hängen sie an den Häuserfassaden, schauen durch die Fenster, rufen den Kindern im Schulgebäude etwas zu und werfen Papiere hinein. Es sind Spickzettel. In indischen Schulen laufen gerade Prüfungen, und die sind nicht nur für die Leistungsfähigkeit der Schüler eine Herausforderung - sondern auch für die artistischen Fähigkeiten ihrer Verwandten.

Damit die illegale Hilfe bei den Prüflingen ankommt, sind Dutzende Inder an mehreren Schulgebäuden hochgeklettert und haben die Jugendlichen durch die Fenster mit Spickzetteln versorgt, berichtet unter anderem die BBC. Ein örtlicher Fernsehsender strahlte Bilder aus, auf denen zu sehen ist, wie sich waghalsige Unterstützer an einer Gebäudewand festklammern. Andere Fotos zeigten Polizisten und Lehrer, die untätig dabeistehen. Nur vereinzelt seien Eltern an der verbotenen Hilfe gehindert worden.

Massen-Schummelei mit Tradition

Fotos von den illegalen Klettertouren wurden auch bei Twitter verbreitet und sorgten für Schlagzeilen. Bihars Bildungsminister P. K. Shahi wies jede Verantwortung zurück: "Sagen Sie uns, was die Regierung tun soll, um Schummeln zu verhindern, wenn Eltern und Verwandte nicht kooperieren?", sagte er vor Journalisten. "Soll die Regierung befehlen, sie zu erschießen?"

In Bihar müssen derzeit 1,4 Millionen Jugendliche ihre Abschlussprüfungen schreiben. Mit dem massenhaften Schummeln hat der Bundesstaat Erfahrung: Vor zwei Jahren wurden 1600 Schüler von den Prüfungen ausgeschlossen, nachdem ähnliche Bilder aufgetaucht waren. Die Polizei nahm damals zudem mehrere Erwachsene fest, die ihnen geholfen hatten.

him/AFP

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insgesamt 48 Beiträge
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henrik-flemming 19.03.2015
1. Das ist doch auch in Deutschland so
Ich erinnere mich, dass an deutschen Unis sogenannte "Kofferklausuren" geschrieben werden, wo jedermann seine Bücher mitbringen kann. Meisten ist das Richtige dabei und man besteht. Andernfalls kann man mobile Geräte zwischen die Bücher legen und spicken. Und je reicher die Eltern, um so besser die Bücher, die man in die Klausuren mitschleppen darf.
nick999 19.03.2015
2.
Bihars Bildungsminister P. K. Shahi wies jede Verantwortung zurück: "Sagen Sie uns, was die Regierung tun soll, um Schummeln zu verhindern, wenn Eltern und Verwandte nicht kooperieren?" Wahrscheinlich war er selber Schummler. Mögliche Antworten: - Durchfallen lassen - Prüfung anullieren lassen und ohne Fenster wiederholen.
franziskus.2 19.03.2015
3. Qualifizierte Zuwanderer
Wir sollten schon mehr Abschlüsse anerkennen, um den Zuwanderer den Zugang zu erleichtern. Es dürfte doch hinlänglich bekannt sein, dass in sehr vielen Ländern der dokumentierte Abschluss nichts aussagt. Für einen Posten in der Baubehörde reicht das allemal, man muss ja keine Brücke bauen, sondern nur überwachen. Für die eigentliche Arbeit sind ja externe Experten da, wie in so vielen Behörden. Warum schickt die Wirtschaft so viele Experten in die Ministerien? Damit sie den größten Blödsinn verhindern.
breakthedawn 19.03.2015
4. Das sind dann die zukünftigen indischen
Da kommt was auf uns zu.
bebelon 19.03.2015
5. Die Produkte
eines solchen Bildungssystems sind dann letzten Endes die hochqualifizierten Experten, die wir so dringend importieren müssen.
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