Schulbeginn Acht Uhr ist zu früh

Schüler müssen viel zu früh am Morgen zum Unterricht antreten, haben Schlafforscher herausgefunden: Jugendliche kommen nämlich später in Schwung als Erwachsene, nach ihrer inneren Uhr ist es noch mitten in der Nacht. Folgen sind Konzentrationsmängel und Leistungsabfall.

Neue Argumente für Anhänger der Ganztagsschule liefert eine Studie, die diese Woche im Fachblatt "Pediatrics" erscheint. Danach sind Schüler nachmittags wesentlich leistungsfähiger als morgens. Der Unterrichtsbeginn gegen acht Uhr führt außerdem zu einem chronischen Schlafmangel der Heranwachsenden, fanden Forscher von der US-amerikanischen Northwestern University in Chicago heraus.

Rund 60 High-School-Schüler führten über Monate ein detailliertes Schlaftagebuch. Zudem mussten sie zu verschiedenen Tageszeiten Tests ablegen, bei denen zum Beispiel ihre Reaktionsfähigkeit untersucht wurde. Ergebnis: Zu Schulzeiten schliefen die Jugendlichen rund zwei Stunden weniger als in den Ferien oder am Wochenende.

Bei den Leistungstests nach elf Uhr schnitten alle Probanden besser ab als bei jenen, die am frühen Morgen stattfanden - zudem fühlten sie sich bei den früheren Prüfungen weniger fit und konnten sich schlechter auf die Aufgaben konzentrieren.

"Der Stundenplan zwingt die Schüler, gerade dann akademische Leistungen zu erbringen, wenn sie dazu am wenigsten in der Lage sind", so Martha Hansen, eine der Autorinnen. Wenn sich schon der Schulbeginn nicht nach hinten verschieben lasse, fordern die Forscher, sollten wenigstens wichtige Klausuren nicht schon morgens um acht beginnen.

Für einen späteren Schulbeginn setzen sich auch deutsche Wissenschaftler ein. Der Münchner Chronobiologe Till Roenneberg etwa hat herausgefunden, dass Jugendliche morgens einfach später in Schwung kommen als jüngere Kinder oder Erwachsene. "Unsere Schüler werden heute praktisch mitten in ihrer subjektiven Nacht unterrichtet", kritisiert Roenneberg.

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