Schulchancen Bildung der Eltern wichtiger als Einkommen

Die Bildungschancen eines Kindes in der Schule werden entscheidend davon geprägt, wie gebildet seine Eltern sind. Ob die Familie reich oder arm ist, spielt dagegen eine Nebenrolle, zeigt eine aktuelle Studie.


Im Mathematik-Unterricht an die Tafel: Soziale Herkunft entscheidet über Chancen
AP

Im Mathematik-Unterricht an die Tafel: Soziale Herkunft entscheidet über Chancen

Der Geldbeutel der Eltern entscheidet nicht so stark darüber, welche Chancen ein Kind in der Schule hat. Das wäre die gute Nachricht. Die schlechte: Auch durch erhöhte Transferleistungen an Familien, etwa durch ein aufgestocktes Kindergeld, lassen sich die Chancen von Kindern ungebildeter Eltern kaum verbessern.

Beide Schlussfolgerungen lassen sich aus einer Studie ableiten, die der Soziologe Thorsten Schneider vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin veröffentlicht hat. Für die Schulkarriere eines Kindes ist nämlich weniger das Familieneinkommen entscheidend als vielmehr die formale Bildung der Eltern.

Haben die Eltern eine hohe Bildung, besuchen ihre Kinder auch dann eher das Gymnasium, wenn das Haushaltseinkommen niedrig ist. Fällt die formale Bildung der Eltern niedrig aus, landen auch die Kinder oft auf der Hauptschule. Nur die Realschule sei in der sozialen Herkunft der Kinder recht ausgewogen, schreibt der Soziologe, der sich vor allem auf die "sensible Phase" des Übergangs von der Grundschule in das gegliederte Schulsystem konzentrierte.

Staatliche Geldspritzen gehen ins Leere

Wenig Erfolgsaussichten räumt der Wissenschaftler den Versuchen von Bildungspolitikern ein, über eine Erhöhung des Familieneinkommens, etwa durch staatliche Transferleistungen, die Bildungschancen von Kindern aus Unterschichtsfamilien zu heben.

Schüler beim Rechnen: Bildung wichtiger als Einkommen
DDP

Schüler beim Rechnen: Bildung wichtiger als Einkommen

"Die Benachteiligung von Kindern kann nur dann stärker korrigiert werden, wenn das Bildungssystem sich ändert", schreibt Schneider.

Die Analyse beruht auf Längsschnittdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus den Jahren 1984 bis 2003 und erschien in Heft 6/2004 der "Zeitschrift für Soziologie". Das SOEP ist eine jährliche Wiederholungsbefragung von Haushalten, bei der auch nach der Betreuung und dem Schulbesuch von Kindern gefragt wird.

Schon die beiden PISA-Studien hatten aufgezeigt, dass in kaum einem anderen Industriestaat der Welt der Bildungserfolg eines Kindes so stark von der sozialen Herkunft abhängt wie in Deutschland. Die Iglu-Studie hatte bemängelt, dass die soziale Herkunft eines Kindes auch die Schulempfehlung der Lehrer für die weiterführende Schule beeinflusst: Kinder aus sozial schwächeren Familien werden dabei systematisch benachteiligt.

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