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Schülertraum: Lernen, wie wir wollen

Foto: Hans Scherhaufer

Schul-Utopie Liebe Lehrer, wollen wir nicht Freunde sein?

Ganz am Anfang gehen Kinder ja noch gern zur Schule. Doch dann schlägt die Freude oft in Stress um, in Angst oder Unlust. Die drei Schülerinnen Alma, Jamlia und Lara-Luna fragen sich, was sich am System Schule ändern lässt.

Vom Prinzip her ist Schule eine prima Sache: Wir Schüler wollen lernen, und die Lehrer haben deshalb den Beruf gewählt, weil sie uns etwas beibringen wollen. Also eigentlich sind das beste Voraussetzungen für einen großartigen Erfolg. Und trotzdem geht es oft nach hinten los: Lehrer und Schüler öden sich gegenseitig an und bekämpfen sich. Das ist so, als freuen sich alle auf eine gute Party, und am Ende ist jeder nur noch froh, sich schnell aus dem Staub machen zu können.

Wir können uns noch genau daran erinnern: an dieses Gefühl, als uns bewusst wurde, bald dürfen wir in die Schule. Wir waren im Kindergarten, und es gab Schokoladensuppe. Also Milch mit Kakao, aber Schokoladensuppe hörte sich besser an. Wir waren so aufgeregt: In drei Wochen würde es losgehen. Mit dem Lesen und dem Schreiben und dem Rechnen. Wir konnten es nicht so richtig fassen, dass wir zu den Großen gehören sollten. Obercool.

Und dann kamen die ersten Schultage. Dass wir eine Tüte mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken bekommen haben, war ganz schön. Und an der Tafel standen unsere Namen und darüber: "Herzlich willkommen". Das war das erste und letzte Mal, dass so etwas an der Tafel stand, bis jetzt jedenfalls. Warum eigentlich ist man nur am ersten Schultag herzlich willkommen?

Denn am zweiten Schultag war die Tafel schon gewischt. Und am dritten Tag wurde es richtig gruselig, die Lehrerin musste einen von uns in die Klasse tragen, weil da plötzlich so eine Angst war. Das klingt komisch, aber wir Kinder fürchteten uns davor, in den Klassenraum zu gehen. Da waren 27 andere Kinder, und man musste still sein. Das war eine ziemliche Umgewöhnung nach dem Kindergarten, wo wir herumtoben konnten. Es ist schon anstrengend, plötzlich 45 Minuten am Stück fast bewegungslos zu bleiben. Still auf einem Stuhl zu sitzen und mit niemandem reden zu dürfen. Nur dann, wenn wir aufgefordert wurden. Wir hatten uns alle so gefreut, und dann so etwas. Kennt ihr das? Wenn aus einer großen Freude eine große Enttäuschung wird?

Wie wäre es mit einem Rollentausch?

Es gibt Momente, da versteht man einfach nicht, was der Lehrer meint. Dann wird es schlimm. Das ist so, wie wenn man in der Fremde ist und keiner begreift, was du willst. Und dann arbeiten Lehrer und Schüler gegeneinander. Das ist wie mit dem Frontalunterricht. Das Wort hat mit Front zu tun und mit konfrontieren: Und dieses Wort spielt ausgerechnet in der Schule eine so große Rolle. Und vielleicht ist es sogar richtig: Es gibt eine Front zwischen Lehrern und Schülern. So, als ob es zwei verschiedene Parteien sind, die nicht zusammenkommen. Die sich vielleicht sogar bekämpfen. Ist es nicht auch so, dass die Schüler über die Lehrer meckern und die Lehrer über die Schüler und alle über alle?

Wie wäre das: Man macht öfter einen Rollentausch. Schüler übernehmen den Unterricht. Und verstehen so, wie herausfordernd es sein kann, so spannend zu erzählen, dass alle zuhören. Und der Lehrer würde verstehen, wie anstrengend es ist, wenn man den ganzen Tag nur zuhören muss. Wenn wir alle lernen, uns besser zu verstehen, und wenn wir uns gut vorstellen können, was der andere fühlt, ist das die halbe Miete. Klassengemeinschaft ist gut und schön, aber wie wäre es mit einer Lehrer-Schüler-Gemeinschaft?

Dies ist ein Auszug aus dem Buch "Wie wir Schule machen. Lernen, wie es uns gefällt" , von Alma de Zárate, Jamila Tressel und Lara-Luna Ehrenschneider in Zusammenarbeit mit Uli Hauser, erschienen im Knaus Verlag. Die drei Schülerinnen lernen an einer Berliner Privatschule, mit der sie recht zufrieden sind.

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