Umfrage zu Schulen Lehrer klagen über Schimmel und kaputte Fenster

Deutschlands Schulen sollen digitaler werden, doch oft fehlt es an viel Banalerem. Laut einer aktuellen Umfrage sorgen sich vor allem Pädagogen im Westen - im Osten scheint die Lage besser zu sein.
Schüler mit Tablet

Schüler mit Tablet

Foto: Getty Images/ Maskot

Damit Schüler gut auf eine moderne, digitalisierte Arbeitswelt vorbereitet werden können, sind nach Ansicht vieler Lehrer "größere Umbau- und Sanierungsmaßnahmen" an ihrer jeweiligen Schule notwendig. Das sagten 59 Prozent der Pädagogen in einer Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft  (GEW), die am Montag in Berlin vorgestellt wurde.

Die GEW hatte mehr als 2700 Lehrkräfte zu den Unterrichtsgebäuden und zur Ausstattung mit digitalen Geräten befragt. "82 Prozent der Befragten mahnen die Verbesserung der digitalen Ausstattung der Schulen als sehr wichtig oder wichtig an", sagt GEW-Chefin Marlies Tepe. Das sei für die bisherigen Bemühungen der Politik, Schulen an die digitale Entwicklung anzukoppeln, "ein Armutszeugnis". Die Studie ist nach GEW-Angaben für die eigenen Mitglieder repräsentativ.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Bessere hygienische Bedingungen an den Schulen fordern 70 Prozent der befragten Lehrkräfte. Elf Prozent beklagten zudem unzureichende sanitäre Anlagen, kaputte Fenster, undichte Dächer, Schimmel- und Schadstoffbelastungen, alte Strom- und Wasserleitungen sowie renovierungsbedürfte Böden und Wände.
  • Als notwendige Verbesserungen wurden zudem zusätzliche Funktionsräume genannt, zum Beispiel für Fachunterricht oder Elterngespräche sowie Rückzugsräume für Lehrer und Schüler.
  • Bei den Antworten gab es auffallende Unterschiede zwischen den Bundesländern: Lehrer in den neuen Bundesländern waren deutlich zufriedener mit dem Gebäudezustand als ihre Kollegen in den alten Ländern. Besonders unzufrieden sind demnach Befragte aus Bremen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.
  • Unterschiede gibt es auch bei der Sicht auf die digitale Ausstattung. Hier schnitten Brandenburg und NRW eher schlecht ab, Bayern und Hamburg eher besser.
  • Befragt nach den aktuellen Möglichkeiten, die Schüler auf eine digitalisierte Arbeits- und Lebenswelt vorzubereiten, nannten die Lehrer als größte Herausforderungen die technische Wartung von Computern und Tablets, fehlende Hardware für Lehrer und Schüler, das Fortbildungsangebot für Pädagogen und ein funktionierendes WLAN in den Schulen.

"Fünf Milliarden Euro aus dem Digitalpakt und 3,5 Milliarden Euro für die Schulsanierung - wie im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vorgesehen - reichen bei Weitem nicht aus", sagt Marlies Tepe und fordert mehr Geld für Umbau und Digitalisierung der Schulen.

Digitale Infrastruktur in Deutschland: Elf Schüler müssen sich einen PC teilen
Foto: Bernd Settnik/ dpa

Zu wenig Computer, fehlendes Fachwissen, kein Konzept: Beim digitalen Unterricht sind deutsche Schüler im internationalen Vergleich abgehängt. Das zeigt eine aktuelle Studie. 

Auch der Lehrerverband hatte zuletzt davor gewarnt, dass Deutschland bei zukünftigen Schulleistungsstudien weiter abrutschen könnte, wenn nicht bald massiv in Gebäude und Technik investiert werde. 118 Milliarden Euro sind dafür nach Berechnungen des Lehrerverbands nötig. Der Bundestag berät am Freitag erstmals über die für den Digitalpakt notwendige Grundgesetzänderung.

"Ohne eine Basis-Infrastruktur fällt es vielen Schulen in Deutschland sehr schwer, tragfähige Konzepte für das Lehren und Lernen mit digitalen Medien zu entwickeln", bestätigt Marco Kalz, Professor für Mediendidaktik an der PH Heidelberg. Die Diskussion drehe sich oft nur um Technologie und Geräte - damit aber "werden die Lehrer mit der Frage alleine gelassen, wie denn ein sinnvoller und zielgerichteter digital gestützter Unterricht überhaupt aussehen kann".

Entsprechende Fähigkeiten müssten deshalb im Studium und in Fortbildungen vermittelt werden. Darüber hinaus bräuchten Lehrer aber auch Freiräume, um neue Unterrichtsformen auszuprobieren, so Kalz. Denn gute Ideen und Praxisprojekte gebe es heute schon, die seien aber häufig kaum bekannt und könnten deshalb von Kollegen nicht übernommen werden.

Dass Schulen viel stärker als bisher digital gestützt unterrichten müssen, sei völlig klar, bestätigt auch ein Lehrer aus Hamburg. Es helfe nichts, Kinder auf analog arbeitenden Schulen zu unterrichten, wo doch die Arbeitswelt immer digitaler werde: "Sollten wir dann nicht eher an der Schule etwas ändern?" Schule dürfe nicht verpassen, "beizubringen, was wir im Alltag brauchen".

Die Schulen würden allerdings meist selbst entscheiden, was sie mit dem Geld tun, das sie für die Medienausstattung zugewiesen bekommen, so der Hamburger Lehrer. "In der Praxis hängt es also stark von Schulleitung und Kollegium ab, wie digital der Unterricht ist."