Schulfach Ehrenamt Tu Gutes und bekomm eine Note dafür

Manche Fächer tragen sonderbare Namen. Glück zum Beispiel, Erwachsenwerden - oder "Helping Hands". Dieses Wahlpflichtfach können Bremer Gesamtschüler wählen und soziale Arbeit leisten. Luca, 16, findet's gut. Und die Lehrer versprechen sich viel vom Projekt.


Zwei kleine Mädchen stehen dicht neben Luca Schubert und schauen interessiert auf ein Blatt Papier vor ihm. Der 16-Jährige hockt zwischen bunten Malstiften, Kleber, Papierfliegern und Prinzessinnenbildern. Um ihn herum am Arbeitstisch tummeln sich zwölf Grundschulkinder unterschiedlichen Alters. Für die Kleinen ist es ein Spiel, für Luca selbst Schulunterricht.

Malen für Noten: Luca, 16, hat das Wahlpflichtfach Ehrenamt belegt
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Malen für Noten: Luca, 16, hat das Wahlpflichtfach Ehrenamt belegt

Luca gehört zu den "Helping Hands". Unter diesem Titel bietet die Bremer Gesamtschule Mitte ihren Schülern ein Wahlpflichtfach an. Das Ziel: Jugendliche für soziale Arbeit zu begeistern und an eine ehrenamtliche Tätigkeit heranzuführen.

Bei den Grundschulkindern kommt das Projekt schon gut an. "Warum bist du nicht immer hier?", will ein Sechsjähriger von Luca wissen. Er hilft seit einem Jahr in der Grundschule im Bremer Stadtteil Hemelingen bei der Spielbetreuung - jeden Donnerstag von halb drei bis vier.

Ehrenamt statt Mathe und Chemie

Im Projektunterricht des 9. und 10. Schuljahrs wird "Helping Hands" als eines von mehreren Wahlflichtfächern angeboten. Die Schüler können Computerkurse, Theater oder Kunst wählen - meist Fächer, die ganz normal innerhalb der Schule unterrichtet werden.

Oder sie machen bei "Helping Hands" mit. "Mein erster Gedanke war: Na ja, besser als Schule", sagt Luca. Selbstständig und eigenverantwortlich sollte er sich eine soziale Einrichtung suchen, in der er mithelfen kann.

"Helping Hands" wird benotet wie alle anderen Fächer auch. Aber darum geht es den Lehrern und dem Projektinitiator Andreas Kraatz-Röper nicht: "Wir wollen mit diesem besonderen Wahlfach eine Brücke schlagen zwischen der Schule und dem realen Leben. So geben wir den Schülern eine Möglichkeit, sich in verschiedenen selbst gewählten Rollen auszuprobieren. Dadurch sollen sie erfahren, wie man für sich und auch andere etwas erreichen kann." Die helfenden Hände reihen sich damit ein in die Liste gutgemeinter Schulfächer wie "Erwachsenwerden" in der bayerischen Kleinstadt Neumarkt oder "Glück" in Heidelberg.

Luca Schubert, 16: Der Schüler mit den helfenden Händen
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Luca Schubert, 16: Der Schüler mit den helfenden Händen

Die Jugendlichen lebten heute immer mehr in einer abgeschotteten Welt, fürchtet Kraatz-Röper. Immer weniger Kinder seien aktiv in einem Sportverein oder politisch engagiert. Sie würden sich zwar mit dem Internet auskennen, aber die Wirklichkeit um sich herum bekämen viele nicht mehr mit.

Durch das außerschulische Projekt werde ihnen eine Tür geöffnet, sie sammelten Erfahrungen, wie sie sonst so nicht möglich wären. "Das verschafft Anerkennung und gibt ihnen Selbstwertgefühl", sagt Kraatz-Röper. Deshalb würde er dieses Unterrichtskonzept gern bundesweit sehen. Immerhin war Bundeskanzlerin Angela Merkel schon mal da und hat das Projekt gelobt.

Mit den schwierigen Kindern kann Luca am besten

Luca kommt am besten mit Kindern klar, von denen die Lehrer sagen, sie seien etwas schwierig. Während seiner Arbeit bekommt er viel mit von ihren Ängsten und Befürchtungen. Oft drehen sich ihre Probleme um die Einschulung in die nächste und noch unbekannte Schulstufe.

Ein Vorbild für die Kleinen? So würde Luca sich nicht bezeichnen. Aber er ist überzeugt, dass seine Arbeit für ihn und die Grundschüler sinnvoll ist.

Projektinitiator Kraatz-Röper sieht es so: "Die Schüler gehen da nicht als Ehrenamtsexperten raus, sondern sie bleiben ganz normale Kids, die aber eine andere Erfahrung gemacht haben, als wenn sie nur in der Schule gesessen hätten."

Der Lehrer ist davon überzeugt, dass Luca und die anderen Schüler damit persönliche Fortschritte machen. Und auch Luca sagt: "Ich weiß jetzt besser, was ich will, und kann zielgerichteter lernen."

Von Julika Solf, ddp



insgesamt 255 Beiträge
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Seite 1
ADie 19.11.2008
1. Fehlerhafte Darstellung!
Zitat von sysopMit viel Aufwand ist zum ersten Mal untersucht worden, in welchen Regionen sich die Deutschen besonders stark fürs Ehrenamt engagieren. Besonders aktiv sind die Menschen demnach in Osthessen, Lüneburg und Franken - ganz anders sieht es in der Hauptstadt aus. Wie halten Sie es?
Aber die Ergebnisse sind nicht richtig dargestellt. Der Landkreis Gifhorn ist zweimal vertreten, dafür die Stadt Braunschweig überhaupt nicht.
Sgt_Pepper, 19.11.2008
2. Hm...
Zitat von sysopMit viel Aufwand ist zum ersten Mal untersucht worden, in welchen Regionen sich die Deutschen besonders stark fürs Ehrenamt engagieren. Besonders aktiv sind die Menschen demnach in Osthessen, Lüneburg und Franken - ganz anders sieht es in der Hauptstadt aus. Wie halten Sie es?
Zählt als Ehrenamt auch, wenn man das Klassenzimmer seiner Kinder selbst streichen muss, weil die Stadt dafür kein Geld zur Verfügung stellt, weil lieber in eine überdimensionierte Elb-Philharmonie investiert wird?
Günter Stalinski 19.11.2008
3. Ganz schön übertrieben
Ich bin in mehreren Vereinen/Organisationen aktiv. Die Hauptprobleme sind der Nachwuchs und die Bequemlichkeit der gesunden Alten. Jüngere Leute sind heute beruflich so eingespannt (fexible Schichtarbeit, Sonntagsarbeit), dass für ein Ehrenamt keine Zeit bleibt. Ältere Bürger haben zwar die Zeit, lassen sich aber lieber bedienen ("ich hab' in meinem Leben genug gearbeitet"). Die für diese Statistik Befragten haben wohl eher an ihre "Ehre" als an ihr wirkliches Engagement gedacht. Wer gibt schon zu, dass er auf ein Ehrenamt keinen Bock hat.
MonaM 19.11.2008
4. West-Ost-Gefälle
Zitat von sysopMit viel Aufwand ist zum ersten Mal untersucht worden, in welchen Regionen sich die Deutschen besonders stark fürs Ehrenamt engagieren. Besonders aktiv sind die Menschen demnach in Osthessen, Lüneburg und Franken - ganz anders sieht es in der Hauptstadt aus. Wie halten Sie es?
Auffallend ist das West-Ost-Gefälle. Die Klage vieler Ostdeutscher, die zu DDR-Zeiten praktizierte Solidarität sei abhanden gekommen, scheint sich hier zu bestätigen. Die Frage ist nur, warum? Wer hindert die Ossis, sich für ihre Mitmenschen zu engagieren?
dasky 19.11.2008
5. Dito
Zitat von sysopMit viel Aufwand ist zum ersten Mal untersucht worden, in welchen Regionen sich die Deutschen besonders stark fürs Ehrenamt engagieren. Besonders aktiv sind die Menschen demnach in Osthessen, Lüneburg und Franken - ganz anders sieht es in der Hauptstadt aus. Wie halten Sie es?
Das liest sich stark nach Täter - Opfer Perversion. Ganz so einfach ist es nicht. Eine nennenswerte Einwirkung und Auswirkung waren doch auch so im Mittel etwa 90.000.000.000 EUR p.a., die seit 1990 von Westen nach Osten geflossen sind. Damit wurde gewissermaßen die Einwirkung von Neubürgern erkauft, die sich mit ihrer Individuation, Sozialisation, Erziehung und Ausbildung in einem kommunistischen System im Westen Deutschlands dann bemerkbar gemacht haben, indem sie dort nach der Devise, gelernt ist gelernt, alles, was an der freien Marktwirtschaft pervertiert werden kann, pervertiert haben. Natürlich können Sie sich mit fast jeder Medizin umbringen. Sie können auch jedes Gesellschaftsssystem mit Unmaß ruinieren: Es ist eben immer nur eine Frage der Menge und des Maßes. Die Ostdeutschen, die mit solchem Betreiben keinen 'Erfolg' hatten, sind voll ostalgischer Gefühle und Reumut in den wärmenden, das heisst, den vom Westen angewärmten, Schoss des Ostens zurückgekehrt. Wahrscheinlich wären alle besser dort geblieben, wo sie sind. Ich fand die Hysterie schon 1989 tief befremdlich. Lieber ein halbes Deutschland ganz, als ein ganzes Deutschland halb, auch so fasse ich diese Landkarte (http://www.spiegel.de/img/0,1020,1359575,00.jpg) auf...
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