Schulfach-Wünsche Glück und Graffiti auf den Stundenplan!

Lobbyisten fordern immer neue Schulfächer, von Erster Hilfe bis Verbraucherschutz. Lehrer und Politiker stöhnen, dabei stehen Zeit, Schach und Weinanbau längst auf Stundenplänen - oder nicht? Testen Sie Ihr Wissen im Schulfach-Quiz.

S-Bahn in Frankfurt (Archiv): Graffitis sind manchmal lustig, aber soll Sprühen deshalb Schulfach werden?
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S-Bahn in Frankfurt (Archiv): Graffitis sind manchmal lustig, aber soll Sprühen deshalb Schulfach werden?

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Für ganz Eilige: Hier geht's direkt zum Schulfächer-Quiz!


Es kommt immer drauf an, wie man fragt. "Wünschen Sie sich wirtschaftliche Bildung als Unterrichtsfach in der Schule?", fragte vor ein paar Wochen TNS Emnid im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Das Ergebnis: 86 Prozent der Befragten antworteten mit "Ja". Ein bisschen Wirtschaftswissen kann schließlich nicht schaden, mögen sie sich gedacht haben.

Informatik-Kenntnisse sind allerdings auch nicht zu verachten, findet der Branchenverband Bitkom und hörte sich unter Eltern mit schulpflichtigen Kindern um. "Sollte es an den weiterführenden Schulen zusätzlich verpflichtenden Informatikunterricht geben?" 63 Prozent waren dafür, 19 Prozent würden sogar ein bestehendes Pflichtfach streichen - welches das sein soll, wurde allerdings nicht gesagt.

Der Verbraucherverband Bundeszentrale (vzbv) schließlich hat auch Wünsche an den Schulunterricht. "Verbraucherbildung gehört verbindlich bundesweit auf den Lehrplan", fordert vzbv-Vorstand Klaus Müller. "Nur so lernen Schülerinnen und Schüler frühzeitig, wie sie richtige Entscheidungen treffen und Fallstricke umgehen." Würde man eine entsprechende Umfrage starten - die Mehrheit für ein zusätzliches Fach dürfte sicher sein.

Energiewissen, Ernährung und Gesundheit, Datenschutz - die Liste der Fächer, die nach Meinung von Interessenvertretern unbedingt unterrichtet werden muss, ist lang. "Wer ein neues Schulfach will, muss auch sagen, auf welches alte Fach er dafür verzichten will", sagt Sylvia Löhrmann, grüne Schulministerin in Nordrhein-Westfalen und amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK). Sie kennt die Rituale mit Forderungen nach neuem Unterrichtsstoff schon: Würden Löhrmann und ihre Kollegen allen Wünschen nachgeben, wären die Stundenpläne schnell 24 Stunden an sieben Tage pro Woche gefüllt.

Erste Hilfe ist jetzt Pflicht

Zumindest zum Teil haben die Kultusminister die Debatte um die Schulfächer in den vergangenen Wochen selbst noch einmal angeheizt: Im Juli beschlossen sie, ab der siebten Klasse bundesweit Erste-Hilfe-Unterricht in den Lehrplan zu integrieren - allerdings nur mit zwei Schulstunden pro Jahr. Der Beschluss geht unter anderem auf die Initiative von Ärzten und auf ein Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern zurück, bei dem 43.000 Schülern an Puppen beigebracht worden war, wie sie im Notfall lebensrettende Maßnahmen ergreifen können.

Trotzdem bleibt die Frage: Welche Fächer sind wirklich nötig? Welche könnte es geben, welche sollte man auf jeden Fall verhindern? Und welche skurrilen Themen stehen längst auf deutschen Stundenplänen? Testen Sie Ihr Wissen bei unserem Schulfach-Quiz - von A wie Astronomie bis Z wie Zeit.

Quiz: Das Fach gibt's nicht. Oder doch?

mit Material von dpa

insgesamt 68 Beiträge
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merapi22 27.08.2014
1. Ein Schulfach Wirtschaft wäre wirklich nützlich.
Wenn man bedenkt wie viele nicht mit dem eigenen Geld umgehen können, dann wäre das Erlernen der doppelten Buchführung ein Lernen für das Leben! Dann würde es weniger Schuldnerberatung und weniger Trickbetrüger, weniger Anlagebetrug ec. geben. Dann würden die Bürger mehr Transparenz in der Wirtschaft und ein Ende der Steuerprivilegien und Oasen fordern.
DerSponner 27.08.2014
2. Was bleibt hängen?
Ich bin auch der Meinung daß ganz andere Dinge wichtig wären als vieles was heutzutage auf dem Lehrplan steht. Die im Artikel genannten Vorschläge sind gar nicht schlecht - Wirtschaftskenntnisse an oberster Stelle! Und sogar "Lebensglück", eigentlich wird ja immer behauptet die Schüler lernen für (ihr) Leben. In Wahrheit lernen sie für die Bedürfnisse der Industrie. Mehr für die eigenen Bedürfnisse lernen wäre sehr sinnvoll. Ein glückliches Leben wünschen sich doch eigentlich alle. Zur Titelfrage: jeder Frage sich an welchen Stoff aus der Schulzeit er sich noch erinnert. Vieles was Vergessen wird war vielleicht auch nicht so wichtig.
hirlix 27.08.2014
3.
So Fächer wie Grundlagen der Mikro und Makroökonomie, Grundlagen des Rechts oder Rechtskunde sollten Pflichtfächer sein. C++ und java brauch man heute auch überall, daher sollte Informatik auch ein Pflichtfach sein. Dafür kann man Kunst, Musik, Philo und ähnliche Fächer streichen oder zumindest den Schülern und Eltern die Wahl überlassen, ob die Schüler lieber was fürs Leben lernen sollen oder nutzloses Zeug.
women_1900 27.08.2014
4. viel mehr Sprachen
als Einwanderungsland müssten wir doch viele Sprachen können. Rumänisch, bulgarisch, türkisch, serbisch, arabisch, kurdisch und viele mehr. Einsparen könnten wir doch bei den Naturwissenschaftlichen Fächern. Dann merkt die nachfolgende Generation gar nicht mehr wenn sie von Wirtschaft und / oder Politik übern Tisch gezogen wird.
Ontologix II 27.08.2014
5. Wertekanon
Ich bin für Rechtschreibung, Hochdeutsch, Geschichte und Kopfrechnen.
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