Studie zu Schulleistungen Wer als "süß" gilt, schneidet bei Tests besser ab

Wer hübsch ist, schneidet besser in der Schule ab - und startet eine längere Bildungskarriere, zeigt eine Studie. Dafür musste das Aussehen von Kindern aber erstmal Kategorien zugeordnet werden.

Studie: Wer nur für etwas hübscher gehalten wird als der Durchschnitt, geht fast fünf Monate länger zur Schule
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Studie: Wer nur für etwas hübscher gehalten wird als der Durchschnitt, geht fast fünf Monate länger zur Schule


Ein schönes Gesicht ist nützlich, um bei Mitmenschen besser anzukommen - egal ob bei Vorstellungsgesprächen, Gehaltsverhandlungen - oder wenn es darum geht, gute Noten zu bekommen. Das haben Forscher schon vor vielen Jahren festgestellt. Nun gibt es laut einer US-Studie Hinweise darauf, dass für hübsch gehaltene Kinder auch besser lernen als andere.

Sie erzielten in Tests bessere Leistungen, wie amerikanische Ökonomen um Daniel Hamermesh vom Barnard College in New York herausfanden. Weitere Erkenntnis: Wer gut aussieht, entscheidet sich später auch mit größerer Wahrscheinlichkeit für eine weiterführende Ausbildung, zum Beispiel einen Uniabschluss.

Aber wer legt fest, wer "hübsch" ist und wer nicht?

Für die Studie werteten die Forscher den Datensatz einer nationalen Studie (SECCYD) aus, für die mehr als 1300 Kinder in den USA ab dem 6. Monat bis zum 15. Lebensjahr begleitet wurden. Studierende schauten sich Videos der Kinder an - und sollten dann bewerten, ob sie "sehr süß und sehr attraktiv" bis hin zu "auf keinen Fall süß und sehr unattraktiv" aussehen würden.

Die Forscher arbeiteten zudem mit Erkenntnissen aus der britischen U.K. National Child Development Study. Darin sind Daten von 17.000 Briten, alle geboren in einer bestimmten Woche im Jahr 1958, erfasst. Dazu wurden auch Lehrer zum aussehen von Schülern befragt. Sie diese vier Kategorien zuordnen: "attraktiv", "unattraktiv", "abnormale Eigenschaft" oder "unterernährt, ungepflegt und schmutzig."

Anschließend werteten die Forscher standardisierte Tests in Fächern wie Mathematik oder Lesen aus, um festzustellen, ob es zwischen der zugeschriebenen Attraktivität der Kinder und deren schulischen Leistungen einen Zusammenhang gibt.

Wer als attraktiv gilt, geht fast fünf Monate länger zur Schule

Die Erkenntnisse sind den Forschern zufolge robust: Schüler, die für hübscher gehalten werden, verbesserten ihre Leistungen in der Schule schneller als andere - und erzielten langfristig eher einen hohen Bildungsabschluss. Wer nur für etwas hübscher gehalten wird als der Durchschnitt, geht fast fünf Monate länger zur Schule als ein "ansonsten identisch durchschnittlich aussehender Mensch", teilten die Forscher mit.

Warum hübschere Kinder besser in der Schule abschneiden, darüber stellten die Wissenschaftler allerdings nur Mutmaßungen an: Schenken Lehrer und Eltern attraktiveren Kindern mehr Aufmerksamkeit und Zeit als weniger attraktiven? Behandeln Mitschüler die Gutaussehenden anders als andere? Verleiht das Aussehen den hübscheren Kindern mehr Selbstbewusstsein, nicht zuletzt weil ihnen oft mehr zugetraut wird?

"Schön ist gleich gut"

"Wenn jemand gut aussieht, gehen wir intuitiv davon aus, dass er intelligenter, fleißiger, kreativer, zuverlässiger und vieles mehr ist als seine weniger attraktiven Zeitgenossen", wird der Attraktivitätsforscher Ulrich Rosar von der Universität Düsseldorf

in der "Welt" zitiert.Rosar hatte im Jahr 2012 untersucht, wie sich das Aussehen auf die Noten von 77 Fünft- und Neuntklässlern eines Gymnasiums in Nordrhein-Westfalen auswirkt. Die hübscheren Schüler schnitten dabei besser ab - wobei unklar blieb, ob sie tatsächlich bessere Leistungen zeigten. Sie wurden jedenfalls besser von ihren Lehrern bewertet.

Experten sagen, gutaussehende Schüler wirkten auf Klassenkameraden und Lehrer sozialer und leistungsfähiger. Denn laut einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 2001 aktiviert der Anblick eines attraktiven Gesichts das Belohnungssystem im Gehirn des Betrachters. Ganz im Sinne der Rechnung: "schön ist gleich gut".

Damit Kinder nicht aufgrund ihres Aussehens, sondern ihrer tatsächlichen Leistung beurteilt werden, fordern Forscher ein anonymisiertes Bewertungssystem: Lehrer, die die Schüler nicht kennen, könnten Klassenarbeiten zumindest stichprobenartig überprüfen. Statt Namen könnten außerdem Nummern über den Klassenarbeiten stehen - so wie es heute schon an vielen Unis der Fall ist.

Große Augen, zartes Kinn, kleine Nase

Wer als attraktiv gilt und wer nicht, fasst die "Attractiveness Consenus"-Theorie zusammen, die auf das Mehrheitsprinzip setzt: Lässt man zwei Dutzend Menschen das Aussehen einer Person auf einer Skala von eins bis sieben bewerten, fällt das Ergebnis meist eindeutig aus. Demnach gelten bei Mädchen große Augen, ein zartes Kinn und eine kleine Nase als hübsch. Bei Jungen kommen ein kräftiges Kinn und markante Wangenknochen gut an, Pluspunkt ist ein breites Lächeln.

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