Schulschwänzer Berliner Bittbrief an die Kaufhäuser

Zu viele Jugendliche gehen auf "Schuldistanz", heißt es in einer Studie der Berliner Stadtverwaltung. Im Klartext: Sie schwänzen. Berlins Bildungssenator Klaus Böger will die Jugendlichen nun zurück in die Schule schicken - und schreibt dafür einen Bittbrief an die Kaufhäuser.


Berlin: Schicken Verkäufer Schulschwänzer bald in die Schule zurück?
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Berlin: Schicken Verkäufer Schulschwänzer bald in die Schule zurück?

In dem Schrieb sollen die Mitarbeiter von Kaufhof, Karstadt & Co. aufgefordert werden, selbst auf auffällige Jugendliche zu achten und sie eventuell auch anzusprechen. "Wir wollen den Schülern die Lust am Schwänzen ein bisschen vermiesen", sagt Thomas John, Pressesprecher des Berliner Senats für Bildung, Jugend und Sport.

Erst am Wochenende hatte sich die bildungspolitische FDP-Sprecherin Mieke Senftleben im "Berliner Kurier am Sonntag" darüber ereifert, dass jeder dritte Berliner Hauptschüler im vergangenen Jahr notorisch den Unterricht geschwänzt habe. Das hatte eine Studie des Senats festgestellt, die allerdings schon seit Monaten bekannt ist. Auch Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) klagte im Gespräch mit der Zeitung "Die Welt" über große Probleme an deutschen Hauptschulen.

Offenbar leicht mit der Schule zu verwechseln: Der Kaufhof am Berliner Alexanderplatz
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Offenbar leicht mit der Schule zu verwechseln: Der Kaufhof am Berliner Alexanderplatz

Nach den langen Diskussionen über das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler in der internationalen Bildungsstudie Pisa sprach sich Bulmahn dafür aus, nationale Bildungsstandards nicht nur für Gymnasien, sondern schulübergreifend anzuwenden. So könne die Situation der schwächeren Schüler besser analysiert werden, sagte sie.

Die Wirtschaftsverbände beschweren sich häufig über den Bildungsstand von Hauptschülern. Nur schwer seien für viele von ihnen geeignete Ausbildungsplätze zu finden. Die Bundesministerin macht dagegen die Perspektivlosigkeit der Schüler angesichts des Lehrstellenmangels für deren schlechte Schul-Performance mitverantwortlich. Es sei Aufgabe der Wirtschaft, genügend Ausbildungsplätze zu schaffen, sagte Bulmahn.



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