Schulsport Quidditch Harry Potters Steilvorlage

Quidditch in echt - wie soll das denn gehen? An einer walisischen Schule gehört das Spiel aus den "Harry Potter"-Romanen jetzt zum Sportunterricht. Die Schüler reiten dabei nicht auf fliegenden Besen. Aber auch auf grünem Rasen ist Quidditch ein raues Wurf- und Jagdspiel.


Vom Besen wird hier niemand in die Tiefe stürzen: Quidditch nennen die Schüler einer Gesamtschule im walisischen Rhondda Cynon das Spiel, das sie im Sportunterricht spielen. Mit dem waghalsigen Sport Quidditch aus den "Harry Potter"-Romanen und -Filmen hat es allerdings eher entfernt zu tun.

Denn weder reiten die Schüler auf fliegenden Besen noch haben sie es mit Bällen zu tun, die von allein durch die Luft schwirren. Daher fällt auch ein wichtiger Teil des Spiels weg: Es gibt keinen "goldenen Schnatz", also den kleinen geflügelten Ball, der umher saust und gefangen werden muss, um Bonuspunkte zu erhalten und das Spiel zu beenden. Und damit gibt es auch keinen Sucher, in Joanne K. Rowlings Romanen der fliegende Mitspieler, der dem Schnatz nachjagen und ihn fangen muss.

Fliegen ist den walisischen Schülern nicht vergönnt, ihr Spiel ist viel irdischer. Das reale Quidditch ist eine Mischung aus Handball und Völkerball: Zwei Mannschaften treten gegeneinander an, auf beiden Seiten des Spielfelds sind Ringe aufgebaut. Punkte können die Jäger erzielen, indem sie den Ball - im Roman Quaffel genannt - durch die gegnerischen Ringe werfen. Davor steht ein Torwart und soll die Würfe abwehren. Die sogenannten Treiber versuchen mit mehreren Bällen, den Klatschern, die gegnerischen Spieler abzuwerfen.

Dabei kommen die Schüler ordentlich ins Schwitzen. Sie müssen stets in Bewegung bleiben, da sie sonst von den gegnerischen Treibern leicht ausgemacht und erwischt werden können. Verschnaufpausen? Gibt es nicht.

That's not cricket

Warum das muntere Spiel trotz der vielen Abstriche Quidditch genannt wird, liegt auf der Hand: Die Regierung von Wales möchte Kinder für Bewegung und Sport begeistern und hat dafür das "5 mal 60"-Programm entwickelt. Die Schüler sollen fünfmal pro Woche für je eine Stunde Sport treiben, so das Ziel der Initiative. Und wie ginge das besser als mit Harry Potter und mit dieser eigentlich fiktiven Sportart, die neben Fußball und Kricket wohl zu den bekanntesten auf der Insel zählt.

In Großbritannien war die Gesamtschule im walisischen Rhondda Cynon die erste, die das Spiel in den Stundenplan integrierte. Doch das Mutterland der Potter-Romane hat Quidditch auf dem Rasen nicht erfunden.

So trafen sich am Middlebury College im US-Bundesstaat im vergangenen Herbst zwölf Teams von mehreren Universitäten zu einem Quidditch-Turnier, das die Gastgeber souverän gewannen. Das College hatte das Ballspiel zum ersten Mal vor vier Jahren aus der Luft auf die Wiese geholt.

Um sich gegenseitig abzuwerfen, schleudern die Treiber statt schwerer Eisenkugeln Tennisbälle. Und der Quaffel ist meist ein nicht ganz hart aufgepumpter Fußball. Zwar geht es auch bei der erdgebundenen Version des Spiels manchmal recht rüde zu, in den Potter-Romanen ist Quidditch aber viel gefährlicher: Die Spieler werden mit den eisernen Klatschern oft von ihren Besen gefegt, stürzen in die Tiefe und verletzen sich mitunter schwer.

csm

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