Schultest Prämien bei Pisa - Schüler bekamen 50 Dollar

Finanzieller Anreiz fürs Mitmachen: In den USA haben Schüler nach Informationen des SPIEGEL bis zu 50 Dollar erhalten, damit sie am Pisa-Test teilnahmen. Auch in Europa flossen Prämien - Wissenschaftler sind entsetzt.


Hamburg - Mehrere Länder haben ihre Schüler mit Geld und Geschenken angespornt, damit sie beim internationalen Leistungsvergleich Pisa mitmachten. Nach SPIEGEL-Informationen erhielten amerikanische Schüler im vergangenen Jahr bis zu 50 Dollar pro Kopf, wenn sie die Pisa-Fragebögen ausfüllten - das geht aus einem internen Papier des Pisa-Konsortiums Deutschland hervor. In den Niederlanden bekamen Schüler 10-Euro-Gutscheine fürs Mitmachen. In Großbritannien floss Geld, wenn bestimmte Teilnehmerquoten erreicht wurden. In Slowenien wiederum gab es einen Tag schulfrei.

Schülerin beim Pisa-Test
AP

Schülerin beim Pisa-Test

Die Wissenschaftler des Pisa-Konsortiums, das für den Ablauf der Tests in Deutschland verantwortlich ist, zeigten sich entsetzt. In einer Analyse äußerten sie "Bedenken hinsichtlich der gewissenhaften Einhaltung der Pisa-Standards". Sie kritisierten die Zahlung von Geld für die Testteilnahme: "Sie könnte gegebenenfalls die Repräsentativität der Stichprobe verzerren."

Schüler, die aufgrund "materieller Anreize" bei Pisa mitmachten, könnten "in ihrer Eigenschaft als Test-Teilnehmer systematisch abweichen" von denen anderer Länder. "Denkbar ist, dass eine Verschiebung von der durchschnittlichen Leistung zur Bestleistung erfolgt", heißt es in dem Papier mit dem Titel "Bewertende Stellungnahme zu den Maßnahmen zur Steigerung der Rücklaufquoten".

In der Bundesrepublik wurden laut Konsortiums-Bericht nur Stifte mit dem Aufdruck "Pisa" als Souvenirs an die Schüler verteilt. Der Bericht bezieht sich auf den aktuellen Test 2006.

Schon in den vergangenen Tagen war der Pisa-Test in die Kritik geraten. Politiker monierten, dass erste Ergebnisse vor der offiziellen Veröffentlichung bekannt wurden. Massive Vorwürfe erhoben die Kultusminister der unionsgeführten Bundesländer gegen den internationalen Pisa-Koordinator Andreas Schleicher. Er verfolge mit Pisa nur ein Ziel: die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems in Deutschland.

Ausrichter des Pisa-Tests ist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Sie wies die Vorwürfe gegen Schleicher vehement zurück. Schleicher sei "ein weltweit anerkannter Bildungsforscher", der das "uneingeschränkte Vertrauen" der Organisation genieße.

Die bisher bekannt gewordenen Pisa-Ergebnisse zeigen, dass deutsche Schüler in den Naturwissenschaften besser geworden sind. Unverändert schlecht sind dagegen die Mathe- und Leseleistungen. Hier liegen deutsche Schüler nur im Mittelfeld, berichtet die "Stuttgarter Zeitung". Das Blatt beruft sich auf den Abschlussbericht des deutschen Pisa-Koordinators Manfred Prenzel. Dennoch komme der Forscher zu einem positiven Gesamturteil: Die deutschen Schulen seien in den letzten sechs Jahren stetig besser geworden.

wal



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_gimli_ 28.11.2007
1.
Ich lebe in Bayern (genau genommen in Erlangen) und meine Tochter besucht der Zeit die 2. Klasse. Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe. Ich bin von 1972-1982 in eine Polytechnische Oberschule der DDR gegangen und muss sagen, dass die dortige Art, Wissen zu vermitteln, der heutigen Didaktik in Bayern um Längen voraus war. Die "Sortierung" der Kinder nach der 4. Klasse finde ich skandalös. Meiner Meinung nach ist dies einer der Gründe, warum wir uns in Deutschland über die im internationalen Vergleich niedrigen Abiturientenzahlen wundern. Der nächste, mindestens genau so schlimme Punkt: das Fehlern von Ganztagsangeboten. Meine Frau würde gern wieder arbeiten gehen, was in Bayern aber ein Ding der Unmöglichkeit ist, wenn man die Bildung der Kinder nicht vernachlässigen will. Denn die Nachhilfe zu Hause ist fest seitens der Schulen einkalkuliert. Ich bin berufliche viel im skandinavischen Raum, besonders in Schweden unterwegs. Vom dortigen Sozial- und Bildungssystem kann Deutschland viel lernen ... Grüße _gimli_
Niobe, 28.11.2007
2.
Zitat von _gimli_Ich lebe in Bayern (genau genommen in Erlangen) und meine Tochter besucht der Zeit die 2. Klasse. Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe. Ich bin von 1972-1982 in eine Polytechnische Oberschule der DDR gegangen und muss sagen, dass die dortige Art, Wissen zu vermitteln, der heutigen Didaktik in Bayern um Längen voraus war. Die "Sortierung" der Kinder nach der 4. Klasse finde ich skandalös. Meiner Meinung nach ist dies einer der Gründe, warum wir uns in Deutschland über die im internationalen Vergleich niedrigen Abiturientenzahlen wundern. Der nächste, mindestens genau so schlimme Punkt: das Fehlern von Ganztagsangeboten. Meine Frau würde gern wieder arbeiten gehen, was in Bayern aber ein Ding der Unmöglichkeit ist, wenn man die Bildung der Kinder nicht vernachlässigen will. Denn die Nachhilfe zu Hause ist fest seitens der Schulen einkalkuliert. Ich bin berufliche viel im skandinavischen Raum, besonders in Schweden unterwegs. Vom dortigen Sozial- und Bildungssystem kann Deutschland viel lernen ... Grüße _gimli_
Tja, dann freuen sie sich mal auf die 3. und 4. Klasse. Mein Sohn, 4. Klasse Grundschule, auch Bayern, hat seit der 3. Klasse Englisch. Hört sich gut an, was? Netterweise durften die Kinder das Heft vom letzten Jahr weiter nehmen. Was eigentlich auch egal ist. Da steht ausser ein paar netten Liedchen und diversen Farben nichts weiter wichtiges drinne. Mich ärgert das. Das sind zwei verhunzte Jahre. Warum wird den Kindern nicht "Englisch" beigebracht? 2 Stunden Englisch die Woche - für nette Lieder und Farben... Also, bringe ich ihm halt Englisch bei.
discipulus, 28.11.2007
3. DDR, alles besser?
Zitat von _gimli_Ich lebe in Bayern (genau genommen in Erlangen) und meine Tochter besucht der Zeit die 2. Klasse. Obwohl sie sich recht gut schlägt, packt mich regelmäßig die Wut, wenn ich die deutschen Unterrichtsmethoden erlebe. Ich bin von 1972-1982 in eine Polytechnische Oberschule der DDR gegangen und muss sagen, dass die dortige Art, Wissen zu vermitteln, der heutigen Didaktik in Bayern um Längen voraus war. Die "Sortierung" der Kinder nach der 4. Klasse finde ich skandalös. Meiner Meinung nach ist dies einer der Gründe, warum wir uns in Deutschland über die im internationalen Vergleich niedrigen Abiturientenzahlen wundern. Der nächste, mindestens genau so schlimme Punkt: das Fehlern von Ganztagsangeboten. Meine Frau würde gern wieder arbeiten gehen, was in Bayern aber ein Ding der Unmöglichkeit ist, wenn man die Bildung der Kinder nicht vernachlässigen will. Denn die Nachhilfe zu Hause ist fest seitens der Schulen einkalkuliert. Ich bin berufliche viel im skandinavischen Raum, besonders in Schweden unterwegs. Vom dortigen Sozial- und Bildungssystem kann Deutschland viel lernen ... Grüße _gimli_
Werter Poster, bitte werden Sie konkreter: Meinen Sie Fahnenapell vs. Stuhlkreis, ggf. doppelter Stuhlkreis nach Klippert?
discipulus, 28.11.2007
4. Englisch in der Grundschule!
Zitat von NiobeTja, dann freuen sie sich mal auf die 3. und 4. Klasse. Mein Sohn, 4. Klasse Grundschule, auch Bayern, hat seit der 3. Klasse Englisch. Hört sich gut an, was? Netterweise durften die Kinder das Heft vom letzten Jahr weiter nehmen. Was eigentlich auch egal ist. Da steht ausser ein paar netten Liedchen und diversen Farben nichts weiter wichtiges drinne. Mich ärgert das. Das sind zwei verhunzte Jahre. Warum wird den Kindern nicht "Englisch" beigebracht? 2 Stunden Englisch die Woche - für nette Lieder und Farben... Also, bringe ich ihm halt Englisch bei.
Verehrte/r Poster/in, was verstehen Sie unter "Englisch beibringen"? Hoffentlich doch nicht banalen englischen Wortschatz, womöglich noch in der Form des Frontalunterrichts? Geht es Ihnen hier um Fach- oder Methodenkompetenz? Bitte liefern Sie nähere Informationen.
ReneMarik 28.11.2007
5.
Zitat von discipulusWerter Poster, bitte werden Sie konkreter: Meinen Sie Fahnenapell vs. Stuhlkreis, ggf. doppelter Stuhlkreis nach Klippert?
Die Sortierung in der 4. Klasse kommt wirklich viel zu früh, gerade für uns Jungs. Meine Wenigkeit hatte z.b bis zur 7 Klasse sehr "durchschnittliche" Leistungen in der Schule. Eine 1 im Sport :) und der Rest alles Note 3 und Schlechter. "Klick" hatts bei mir erst ab Klasse 8 gemacht. Keine Ahnung warum aber meine Noten besserten sich merklich, ich hatte langsam eine Vorstellung von dem, was ich mal später als Beruf machen wollte usw. Im jetztigen System hätte ich maximal mittl.Reife oder den HS-Abschluß weil ich mit 10 Jahren schon auf die Verliererstrasse geschickt worden wäre. Mfg Rene´
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