Schulvergleich Wirbel um die Pisa-Luder Berlin und Hamburg

Weil Berlin und Hamburg bei der Pisa-Erhebung geschlampt haben, sollten beide Stadtstaaten einen Nachtest machen. Doch dazu wird es nicht mehr kommen. Die Pisa-Organisatoren von der OECD in Paris sehen die Schuld allein bei den beiden Ländern - wollten die den Nachtest verschleppen, sich gar drücken?

Der 27. Juni bereitet den Bildungspolitikern in den Bundesländern offenkundig gewaltige Kopfschmerzen: Dann soll endlich veröffentlicht werden, wie die Länder bei der Pisa-Studie abgeschnitten haben. Schon die Ergebnisse des internationalen Schulvergleichs hatten im vergangenen Dezember für Katerstimmung gesorgt - Deutschlands Schüler belegten einen miserablen 21. Platz unter 31 Nationen.

Zum Gesamtergebnis haben Hamburg und Berlin nichts beigetragen, denn die beiden größten deutschen Städte wurden wegen Schlamperei disqualifiziert. Um beim Test berücksichtigt zu werden, hätten mindestens 80 Prozent der Schüler teilnehmen müssen. Doch in Berlin machte nur die Hälfte aller Schüler mit, in Hamburg waren es immerhin 70 Prozent.

Um diese Scharte auszuwetzen, sollten Hamburg und Berlin nachsitzen. Doch statt wie andere Länder direkt im Anschluss an den Haupttest gleich eine Wiederholung zu organisieren, passierte in den beiden Stadtstaaten zwei Jahre lang erst mal gar nichts. In den letzten Wochen folgte dann ein seltsames Verwirrspiel: Am 15. Mai 2002 beantragten die beiden Stadtstaaten offiziell einen Nachtest bei der OECD in Paris, die Pisa koordiniert. Die OECD leitete den Antrag an die Mitgliedstaaten weiter, denn die müssen einen Nachtest einstimmig genehmigen.

"Die OECD hat uns reingelegt", schimpft der Senator

Am 28. Mai verweigerten zunächst drei Länder aus "technischen Gründen" ihre Genehmigung, willigten dann aber am 4. Juni doch noch ein. Einzige Bedingung: Die Ergebnisse dürften nicht unter dem Namen Pisa veröffentlicht werden. Denn die Testbedingungen seien heute andere als vor zwei Jahren, ein Teil der Testaufgaben bereits im Internet und in Zeitungen veröffentlicht worden. Das alles beeinträchtige die Qualität des Tests, wodurch das Pisa-Projekt insgesamt in Verruf geraten könne.

Zu diesem Zeitpunkt hatten Berlin und Hamburg die Nachtests allerdings bereits abgesagt. Begründung: Bis zu den Sommerferien seien sie nicht mehr vernünftig zu organisieren.

Seitdem beschuldigen sich die OECD auf der einen, Berlin und Hamburg auf der anderen Seite gegenseitig, den Nachtest verhindert zu haben. Der Berliner Bildungssenator Klaus Böger (SPD) gab sich stinksauer: "Die OECD hat uns reingelegt, ich bin tief verärgert", ließ er die versammelte Presse wissen. Gemeinsam mit seinem Hamburger Kollegen Rudolf Lange (FDP) hatte er zuvor erklärt: "Wir sind tief verbittert und empört über den fahrlässigen Umgang der OECD mit unseren ernsthaften Bemühungen."

Diese Vorwürfe weist Pisa-Koordinator Andreas Schleicher als "absurd" zurück. Bereits im Sommer 2000 seien beide Behörden über die mangelnde Teilnehmerzahl informiert worden, so Schleicher. Direkt im Anschluss hätten Hamburg und Berlin einen Nachtest machen können. "Das Pisa-Konsortium in Deutschland hat das Problem schlicht zu spät erkannt", sagt Schleicher. Mangelnde Organisation und Fahrlässigkeit lässt er sich jedenfalls nicht vorwerfen. Immerhin sei es eine enorme Leistung gewesen, in dieser kurzen Zeit die Zustimmung aller Mitgliedstaaten zu einem Nachtest zu erhalten.

Eine Sorge jedenfalls sind Hamburg und Berlin durch die Absage los: Auf dem letzten Platz können sie nicht mehr landen. Unterdessen kramen die Kultusminister der Länder, denen schlechte Platzierungen drohen, bereits hektisch nach Erklärungen und Entschuldigungen. Und nachdem die beiden anderen Stadtstaaten aus dem Rennen sind, gilt jetzt Bremen als heißer Kandidat für das Schlusslicht beim innerdeutschen Ländervergleich.

Stefan Locke

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