Schulzuweisung Eltern wollen Schule selbst aussuchen

Wer entscheidet, auf welches Gymnasium ein Schüler geht? In Baden-Württemberg klagen einige Eltern, weil die Behörden zum Ausgleich der Klassengrößen Kinder auf zwei Schulen verteilen will - doch das Lehrangebot ist nicht überall gleich.


Grundschüler mit Zeugnissen: Eintrittskarte für die weiterführende Schule
DPA

Grundschüler mit Zeugnissen: Eintrittskarte für die weiterführende Schule

Bilingualer Zweig, altsprachliche oder naturwissenschaftliche Ausrichtung - das Profil ist für weiterführende Schulen zum Zauberwort geworden. Kaum ein Gymnasium, das nicht mit einem speziellen Angebot um Schüler wirbt. Doch manchmal geht die Werbung nach hinten los: wenn sich die Anmeldungen häufen und die künftigen Klassen überfüllt sind. In den Schulgesetzen der Länder gibt es für diesen Fall eine Klausel. Um die Klassengrößen auszugleichen, können Schüler jenen Schulen zugewiesen werden, die zu wenig Anmeldungen haben - oder zumindest noch freie Kapazitäten.

Im baden-württembergischen Schwäbisch Gmünd kämpfen nun fünf Elternpaare gegen eine solche Zuweisung. Ihr Gegner: das Regierungspräsidium Stuttgart, das die Schüler aus Kapazitätsgründen gleichmäßiger verteilt hatte. "Am Hans-Baldung-Gymnasium hätten vier Klassen eingerichtet werden müssen. Dafür gibt es aber gar nicht genügend Räume, geschweige denn Lehrer", erklärt Frank Buth vom Regierungspräsidium gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Doch das Argument der Eltern trifft die Schulbehörden an ihrem wunden Punkt. Das Schulprofil der Gymnasien sei unterschiedlich, eine willkürliche Zuweisung daher nicht zumutbar, so die Eltern. Schließlich fördere der Bildungsplan Baden-Württembergs ausdrücklich die Profilbildung der Schulen. Die Zuweisungen liefen diesem übergeordneten Ziel zuwider.

Gleichwertig oder einzigartig?

Das Regierungspräsidium jedoch hält dagegen. "Da sind wir anderer Meinung", sagt Frank Buth. "Das Angebot beider Gymnasien ist schon ab der fünften Klasse gleichwertig. Beide bieten eine naturwissenschaftlichen und eine sprachliche Ausrichtung." Zudem lägen beide Schulen auch räumlich nahe beieinander.

Der Schulstreit beschäftigt nun das Verwaltungsgericht Stuttgart, bei dem die Eltern eine Sammelklage eingereicht haben. Damit könnten sie Erfolg haben. Denn bereits 1999 hat das Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim über einen ähnlichen Fall entschieden.

Damals hatte die Schulverwaltung sieben Schülern die Aufnahme an einem altsprachlichen Gymnasium in Konstanz verweigert: zu volle Klassen. Die Eltern klagten und verwiesen darauf, dass das Gymnasium Latein schon ab der fünften und Griechisch ab der neunten Klasse anbot - einzigartig in ganz Konstanz.

Die Richter entschieden damals zugunsten der klagenden Eltern. Die Unterschiede im Angebot des Gymnasiums seien "gravierend", das altsprachliche Angebot gelte als Besonderheit von "erheblichem Gewicht", die das Gymnasium von allen anderen unterscheide.

Die Eltern in Schwäbisch Gmünd hoffen nun auf ein ähnliches Urteil. In einem Eilverfahren beschäftigt sich das Verwaltungsgericht Stuttgart momentan mit dem Fall, eine mündliche Verhandlung gibt es dabei nicht. Bis zum Ende kommender Woche rechnet Gerichtssprecher Raphael Epe mit einer Entscheidung. Schließlich ist Eile geboten: Das Schuljahr in Baden-Württemberg beginnt am 12. September.

Jens Radü



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.