Schulzwist Ein Kollegium meldet sich krank

Streiken dürfen Beamte nicht - aber erkranken. Spannungen an einer Grundschule in Ludwigshafen haben jetzt zu einer kollektiven Krankmeldung geführt: Erst schwächelten zwei Drittel der Lehrer gleichzeitig, dann auch die Schulleiterin. Nun gibt es nur noch Not-Unterricht.


Auf der Schul-Webseite bittet Heike Jochim, seit 2006 Leiterin der Ludwigshafener Mozartschule, die Eltern um Unterstützung: "Falls Sie die Möglichkeit haben, Ihr Kind zu Hause zu betreuen, wäre uns sehr geholfen." Und dann wünscht sie ihren "erkrankten Kolleginnen gute Besserung". Ist das besonders mitfühlend oder eher Sarkasmus?

Klar ist: Zwei Drittel der Lehrer der Grundschule haben sich auf einen Schlag krankgemeldet. An einer grassierenden Grippewelle, zum Beispiel, liegt das offenbar nicht, sondern am Reizklima zwischen vielen Lehrern und der Schulleiterin Jochim. Spannungen an der Schule mit knapp 300 Schülern im Stadtteil Rheingönheim gibt es seit längerem. Nun ist der Konflikt eskaliert: Inzwischen ist auch Jochim, so steht es heute auf der Website der Schule, offiziell krank. Ab nächster Woche soll sie von einem Leiter einer anderen Ludwigshafener Schule vertreten werden.

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier kritisierte das Verhalten der Lehrer. "Lehrkräfte sind verpflichtet, ihrem Dienst nachzukommen", sagte eine Sprecherin. "Das sind erwachsene Leute, von denen man eine andere Konfliktbewältigung erwarten kann und muss." Derzeit werde nur in zwei Klassen unterrichtet; die anderen Kinder würden aber zumindest betreut.

Auf der Suche nach Normalität

Die kollektive Krankmeldung erinnert an einen ähnlichen Fall an einer Schule in Pforzheim, der im Februar ein breites Medienecho auslöste. Dort warfen Lehrer ihrer Rektorin autoritären Führungsstil vor. Als sie nach längerer Krankheit in die Schule zurückkehrte, meldeten etliche Lehrer sich krank; über die Hälfte wollte versetzt werden. Kurz darauf berief das Regierungspräsidium die Rektorin ab.

An der Ludwigshafener Mozartschule dagegen gab es bisher keine Rechtsstreitigkeiten, Fernsehauftritte, Stellungnahmen von Landespolitikern. Man versucht, die Sache intern und möglichst leise zu klären.

Holger Förter-Barth vom Elternbeirat der Mozartschule sagte, sein Hauptinteresse sei, "dass an der Schule wieder Normalität einkehrt". Zu den Hintergründen des Konflikts wolle er keine Stellung nehmen. "Dies ist nicht meine Aufgabe."

Wie es weitergeht, ist noch nicht entschieden. Die ADD in Trier versucht, den Betrieb mit Hilfe von Vertretungslehrern aufrechtzuerhalten. "Wir gehen davon aus, dass ab Montag wieder regulärer Unterricht stattfinden wird", sagte die Sprecherin.

Wann und ob Rektorin Jochim zurückkehrt, ist noch nicht bekannt. Die ADD plant eine"Mediation" - eine Vermittlung zwischen den Streithähnen - und hofft, dass der Konflikt mit einer "einvernehmlichen Lösung" beigelegt werden kann.

rge/dpa



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