Schulzwist in der Union Bayern poltert gegen Schavan

Prompte Antwort aus dem Süden: Kaum hatte Bildungsministerin Schavan (CDU) den Plan zur Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen verteidigt, feuerten die Traditionalisten in der Union zurück. Bayerns Ministerpräsident Seehofer und sein Kultusminister wollen die Reform unbedingt verhindern.

Hin und her mit der Hauptschule: Der Streit in der Union entflammt erneut
dapd

Hin und her mit der Hauptschule: Der Streit in der Union entflammt erneut


"Wir zetteln ja keine Revolution an", sagte Bildungsministerin Annette Schavan (CDU), als sie im Interview mit SPIEGEL ONLINE das neue bildungspolitische Konzept ihrer Partei verteidigte. Doch einige in der Union sehen das anders, jedenfalls lässt darauf der Furor der Reaktionen schließen.

Schavans Plan sieht unter anderem vor, Haupt- und Realschulen zu sogenannten Oberschulen zusammenzulegen. "Wenn die Schülerzahl um ein Drittel sinkt, kann es nicht immer mehr Schularten geben", sagte sie. Sie wolle jedoch keine erfolgreichen Schulen schließen, sondern diese weiterentwickeln. "Manche Hauptschule wird in wenigen Jahren kaum noch Schüler haben", sagte die Ministerin.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erklärte den Erhalt der Hauptschule prompt zum "Kernthema" der Union. Er werde beim CDU-Parteitag im Herbst, der sich vor allem um das Thema Bildung drehen soll, darauf dringen, dass an der Hauptschule festgehalten werde. "Sie können Schularten abschaffen, aber die Unterschiedlichkeit der Kinder nicht", sagte er.

Ihm sekundierte sein Kultusminister Ludwig Spaenle (ebenfalls CSU), der die CDU-Pläne für eine Schulreform scharf angriff. Einen "strategischen Fehler zu Lasten der jungen Menschen", nannte er die vorgesehene Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen. Er habe den Eindruck, dass Teile der CDU dem Gedanken der "Einheitsschule" auf den Leim gingen.

Einheitsschule, das ist der Kampfbegriff konservativer Bildungspolitiker für die Gemeinschaftsschule, in der Kinder länger gemeinsam lernen und wo sie zum Teil nicht nur den Haupt- und Realschulabschluss erreichen können sollen, sondern auch das Abitur. Allerdings hatte auch Schavan gesagt: "Die CDU will keine Einheitsschule, sondern ein differenziertes Schulsystem." Ihr Konzept, das von der CDU-Spitze verabschiedet wurde, sieht laut Schavan vor, dass die neue Oberschule maximal zum mittleren Schulabschluss führt, nicht aber das Abitur anbietet. Die Oberschule solle Kinder weiterhin auf einen Haupt- und einen Realschulzweig aufteilen: "Für eine Übergangszeit finde ich das richtig", so Schavan.

Vom Koalitionspartner FDP kam Kritik am Streit in der Union. Der liberale Bildungspolitiker und Bundestagsabgeordnete Patrick Meinhardt sagte, er habe den Verdacht, hier werde eine "Stellvertreterdebatte" geführt und dass "manch einer den Hauptschulabschluss als solchen abschaffen" wolle.

Schon zuvor hatte es heftige Diskussionen in CDU und CSU gegeben. Ihren Kritikern hatte Schavan im Interview entgegengehalten, wichtiger als Strukturdebatten seien Lerninhalte und pädagogische Konzepte. "Wie die Schule dann heißt, ist mir egal", sagte die CDU-Politikerin.

Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann (Grüne) sieht in dem Bidlungsstreit einen Beleg dafür, dass die Union nach ihrem Kurs sucht. "Dafür ist die Opposition gut geeignet, um diesen Kurs zu finden", sagte Kretschmann.

otr/dapd

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
heuwender 12.07.2011
1. abwarten
Zitat von sysopPrompte Antwort aus dem Süden: Kaum hatte Bildungsministerin Schavan (CDU) den Plan zur Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen verteidigt, feuerten die Traditionalisten in der Union zurück. Bayerns Ministerpräsident Seehofer und sein Kultusminister wollen die Reform unbedingt verhindern. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,774010,00.html
Poltergeist Seehofer ist wieder im Element,lospoldern beherrscht der Bazi,aber dann,was wohl????
Kalaharry 12.07.2011
2. ohne Konzept kann man leicht wettern
Zitat von heuwenderPoltergeist Seehofer ist wieder im Element,lospoldern beherrscht der Bazi,aber dann,was wohl????
Richtig. Und Seehofer hat auch kein alternatives Konzept. Es gibt nur noch ein einziges Land, das die Hauptschule wirklich braucht: Bayern. Ehe Bayern die Hauptschulen schließt, schließen sie dort lieber die Universitäten, weil dort werden ja kritische Geister rangezogen und keine blinden Fähnchenschwenker. Deshalb ist es schon ok, wenn Bayern seine Hauptschule behält. Wo sollen die Bayern auch sonst hin?
selberlehrer 12.07.2011
3. Bayern
Zitat von KalaharryRichtig. Und Seehofer hat auch kein alternatives Konzept. Es gibt nur noch ein einziges Land, das die Hauptschule wirklich braucht: Bayern. Ehe Bayern die Hauptschulen schließt, schließen sie dort lieber die Universitäten, weil dort werden ja kritische Geister rangezogen und keine blinden Fähnchenschwenker. Deshalb ist es schon ok, wenn Bayern seine Hauptschule behält. Wo sollen die Bayern auch sonst hin?
Naja, man kann den Bayern nun wirklich viel vorwerfen: Einen Fußballverein, der den Neuer kauft, einen Ministerpräsidenten, den man schwerlich ernst nehmen kann. Aber eine schlechte Schulpolitik kann man ihnen nun wirklich nicht vorwerfen. Selbst PISA- und sonstige Test, die ja stets von eher links stehenden Einheitsschul-Befürwortern durchgeführt und interpretiert werden, kommen ja nicht umhin, den bayerischen Schulen einen Spitzenplatz sowohl deutschland- als auch sogar weltweit zuzuerkennen. Wenn wir alle anderen 15 Kultusminister zum Teufel jagen würden und das bayerische Schulsystem deutschlandweit ausdehnen würden, dann könnten wir uns unsere ganzen Diskussionen hier sparen, dann hätten wir nämlich keine "Bildungskrise", keinen Reformbedarf, sondern alles wäre in bester Ordnung. Hoffentlich bleibt Seehofer diesmal standfest.
selberlehrer 12.07.2011
4. Einschränkung
Mit einer Einschränkung: Das G8-System, das Ede damals rein aus Kostengründen (ausgeglichener Haushalt) eingeführt hat, ist in Bayern genauso ein Verbrechen wie in allen anderen Bundesländern. Leider gibt es meines Wissens leider nur in Schleswig-Holstein einen Kultusminister, der sich traut zu versuchen, diesen Irrsinn rückgängig zu machen. Nur leider ist dieser Herr Klug von der FDP, die ansonsten ja mittlerweile unwählbar geworden ist (Danke, Frau Koch-Mehrin...).
alfredjosef 12.07.2011
5. Diie Doofen werden geschlachtet
die Welt wird klug. So etwa wie das bayrische Schulsystem: Jeder Achte (!) wird hinausgeworfen, ohne Abschluss. Klar, dass die verbleibenden 7/8tel dann besser als der Durchschnitt sind. So einfach ist Mathematik. aj
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