Schutz vor Amokläufen Finnische Schulen bekommen Fluchttüren

Kameraüberwachung, Einlasskontrollen, Nottüren: Um Schüler und Lehrer besser vor Amokläufern zu schützen, sollen Schulgebäude in Finnland künftig anders aussehen. Eine Arbeitsgruppe der Regierung will die Schulen am liebsten in Hochsicherheitstrakte verwandeln.
Schule in Finnland: Zwei Türen für Klassenzimmern sollen Vorschrift werden

Schule in Finnland: Zwei Türen für Klassenzimmern sollen Vorschrift werden

Foto: DDP

In Finnland soll an Schulen der Schutz vor Amokläufern verstärkt werden: So sollen Neubauten zusätzliche Fluchttüren bekommen. Eine Arbeitsgruppe mehrerer Ministerien hat dies empfohlen, sagte der zuständige Sprecher des Innenministeriums in Helsinki, Alpo Nikula, am Mittwoch. Finnland hat in den vergangenen zehn Jahren vier Amokläufe mit insgesamt 33 Toten erlebt, zwei davon in Schulen.

Die Arbeitsgruppe hatte bereits im vergangenen Jahr Vorschläge ausgearbeitet, berichtet die finnische Zeitung "Vasabladet", die Regierung beschäftigte sich aber erst in der vergangenen Woche damit. Noch sei nicht entschieden, welche Vorschläge tatsächlich zur Vorschrift werden, zitiert die Zeitung eine Sprecherin. "Wir hatten bislang erst ein Treffen, deswegen will ich nicht spekulieren, wie der Zeitplan aussehen wird."

Zumindest von der Idee des Fluchtweges ist die Regierung wohl überzeugt: Demnach sollen bei Neubauten künftig stets eine Verbindungstür zwischen Klassenzimmern oder ein anderer zusätzlicher Ausgang eingeplant werden. Außerdem empfehlen die Regierungsexperten vermehrte Kameraüberwachung in Schulen und Gebäudeteile sollen in unterschiedlichen Farben gestaltet werden, damit bedrohte Schüler per Handy schnell ihre Position übermitteln können.

Ausweiskontrollen nicht umsetzbar

Auch sollen beispielsweise Boxen mit Lageplänen angebracht werden, die nur für Polizei und Feuerwehr zugänglich sind. So sollen sie sich bei Hilfseinsätzen schneller orientieren können. Die Arbeitsgruppe habe zudem Ausweiskontrollen empfohlen, schreibt "Vasabladet". Davon halte das Innenministerium aber nichts, sagte Nikula. "Das funktioniert nicht, weil unsere Schulen dafür zu offen angelegt sind."

Bei schon bestehenden Schulen wolle man zusätzliche Fluchtwege durch eine zweite Tür nur dann empfehlen, wenn das baulich gut machbar sei. Eine obligatorische Bestimmung für alle Klassenräume sei schlicht zu teuer.

Im September 2008 hatte ein 22-Jähriger in einer Berufsschule in Kauhajoki acht Mitschülerinnen, einen Mitschüler und einen Lehrer erschossen. Ende 2007 tötete ein 18-jähriger Abiturient in einem Schulzentrum der Ortschaft Tuusula sechs Mitschüler, eine Krankenschwester und die Schulleiterin. Bei zwei Amokläufen in finnischen Einkaufszentren 2002 und 2009 starben 13 Menschen.

Auch in Deutschland wurde nach Gewalttaten in Schulen immer wieder diskutiert, wie man Kinder und Jugendliche besser vor Amokläufern schützen kann. Dabei lehnen es Politiker und Lehrerverbände überwiegend ab, Schulen mit Videokameras, Eingangskontrollen und Metalldetektoren zu Festungen auszubauen.

fln/dpa
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