Misshandlungen an schwedischem Elite-Internat Anklage gegen Schüler erhoben

Verbrennungen zur Begrüßung: Neun Schüler eines schwedischen Elite-Internats sollen jüngere Mitschüler mit einem Bügeleisen bedroht und verletzt haben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben - die Jugendlichen müssen jedoch nicht die Schule verlassen.

Lundsberg-Internat: Schüler sollen andere mit Bügeleisen misshandelt haben
AP

Lundsberg-Internat: Schüler sollen andere mit Bügeleisen misshandelt haben


Die Staatsanwaltschaft in Karlstad hat nach dem Mobbing-Skandal in einem schwedischen Elite-Internat nun Anklage gegen neun Schüler und einen Hausvorstand erhoben.

Zwei der angeklagten Schüler werden beschuldigt, einem Jungen Verbrennungen mit einem Bügeleisen zugefügt zu haben. Allen neun wirft die Staatsanwaltschaft vor, vier jüngere Schüler damit bedroht zu haben. Dem Hausvorstand wird vorgeworfen, den Schülern erlaubt zu haben, das Bügeleisen zu benutzen.

Die jüngeren Opfer seien alle neu an der Privatschule gewesen, teilte der stellvertretende Chefankläger Niclas Wargren mit. "Meiner Meinung nach war die Bedrohung derart, dass die Kläger ernsthaft um ihre persönliche Sicherheit fürchten konnten", sagte er.

Die neue Rektorin der Schule, Helena L'Estrade, vermutet, Gruppendruck habe die Schüler veranlasst, so weit zu gehen. Die Jugendlichen dachten demnach, es werde von ihnen erwartet - auch von Erwachsenen. Sie glaubten, sie müssten die neuen Schüler auf irgendeine Weise im Internat begrüßen. Es gebe aber keine Entschuldigung für das, was passiert ist, sagte sie der schwedischen Zeitung "Dagens Nyheter". "Nun arbeiten wir hart daran, dass die Schule einer positiven Zukunft entgegen sehen kann."

Jahrelange Demütigungen und Misshandlungen

Das Lundsberg Internat in Stofors, 300 Kilometer westlich der schwedischen Hauptstadt Stockholm, hatte im Sommer kurzzeitig schließen müssen, nachdem die aktuellen Misshandlungsvorwürfe bekannt geworden waren.

Seit Jahren schon sollen sich Schüler dort gegenseitig misshandelt und gedemütigt haben. Ein Bericht der Schulinspektion listete systematische Erniedrigungen, Beleidigungen und Misshandlungen bis hin zu schweren Körperverletzungen auf. Von einem "informellen Regelsystem" schrieb die Behörde: "Es hat sich ein Phänomen normalisiert, das in der übrigen Gesellschaft als unakzeptabel angesehen wird."

In dem Bericht ist von "Sklaven" die Rede, die ältere Schüler sich halten. Sie müssen beispielsweise Hosen bügeln und Toiletten putzen. Manchmal wecken ältere Schüler die jüngeren mitten in der Nacht, um ihnen einen "freundschaftlichen Klaps" zu geben. Es gibt "Darm-Ringkämpfe", bis ein Schüler nicht mehr kann. "Darm", so wurden an der Schule die Jüngsten genannt. Den Bericht schrieben die Inspektoren bereits im Jahr 2011. Seitdem hat sich offenbar nicht viel verändert.

Zum Schuljahresstart sollen dann die neun Schüler andere Jungen misshandelt haben. Mit einem verbrannten Oberkörper meldete sich einer der Jungen im August auf der Krankenstation des Internats, die wiederum alarmierte die Polizei. Vier Tage später verkündete die Schulaufsichtsbehörde die Schließung. Die Schüler mussten vorübergehend andere Schulen besuchen.

Schüler wollen und dürfen an der Schule bleiben

Das Verwaltungsgericht in Stockholm hob das Verbot aber rasch wieder auf - ausschlaggebend war ein juristisches Detail: Es sei unklar, ob die Schulaufsicht für das Internat mit seiner Reichsinternatsschule überhaupt zuständig sei, teilte das Gericht mit.

Auch hatte sich der Vorstand der Eliteschule mit 170 Jungen und Mädchen gegen die Schließung zur Wehr gesetzt. An der Lundsberg-Schule hat auch der schwedische Prinz Carl Philip seinen Abschluss gemacht.

Die Rektorin sagte, sie hätten in der Schule viel über die Vorfälle gesprochen. "Das ist eine kleine Schule und jeder kennt jeden", sagte sie. "Jetzt fühlt es sich so an, als sei alles untersucht." Alle Schüler hätten sich entschieden, an der Schule zu bleiben, sagte sie. Es habe auch nie einen Zweifel gegeben, dass die nun angeklagten Schüler das Internat verlassen müssten.

lgr/fln/dpa

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