Schweinegrippe Frankreich plant Schulunterricht per Internet

Die Schweinegrippe macht Menschenansammlungen zum Risikofaktor - somit auch Klassenzimmer in Schulen. Frankreich hat sich vorbereitet: Lehrprogramme für Internet, Fernsehen und Radio sollen im Fall einer Pandemie Schüler zuhause mit Lernstoff versorgen.


Bei einer umfassenden Schweinegrippe-Epidemie plant Frankreich die Schließung der Schulen und Fernunterricht. Die Lehrprogramme würden dann über das Internet und öffentliche Sender verbreitet, sagte Bildungsminister Luc Chatel der Pariser Zeitung "Le Figaro".

"Das Nationale Bildungszentrum hat im Sommer bereits Lehrprogramme vorbereitet. Sie würden über France 5, Radio France und das Internet verbreitet", so Chatel. Er betonte jedoch, dass bisher nicht einmal festgelegt sei, ab welcher Verbreitungsstufe einzelne Schulen geschlossen würden. Über solche Einzelfälle von Schulschließungen sollen künftig die Schulleiter mit den Präfekten, den Staatsvertretern in den Départements, entscheiden.

Vor den Sommerferien waren bereits einzelne Schulen geschlossen worden, weil Schüler sich mit den neuartigen H1N1-Viren infiziert hatten. Eine Impfung aller Schüler steht laut Chatel derzeit nicht zur Debatte. "Die Herstellung der Impfstoffe liegt gut im Plan, aber sie sind im Moment nicht für eine systematische Impfung eines bestimmten Bevölkerungsteils vorgesehen." Das könne jedoch je nach Entwicklung der Grippe geändert werden.

Die Sommerferien enden in ganz Frankreich am 1. September. Der Generaldirektor der französischen Gesundheitsbehörde, Didier Houssein, werde am 25. August alle Rektoren des Landes über die Situation und die Planung informieren, sagte Chatel. Zudem würden zum Schulanfang zwölf Millionen Broschüren zum Verhalten bei Schweinegrippe an den Schulen verteilt

In nahezu ganz Europa war zuletzt über eine Schließung von Schulen diskutiert worden. In Deutschland hatte das am schwersten betroffene Bundesland Nordrhein-Westfalen am Dienstag eine Verlängerung der Sommerferien wegen der Schweinegrippe abgelehnt.

Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

bim/dpa



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