Händedruck-Verweigerer in der Schweiz Muslimische Schüler wollen notfalls vor Gericht ziehen

Zwei muslimische Schüler weigern sich hartnäckig, den Vorgaben der Schulbehörde nachzukommen und ihrer Lehrerin die Hand zu geben. Nun könnte der Fall vor Gericht kommen.

Muslimische Brüder verweigern Handschlag
Matthias Willi

Muslimische Brüder verweigern Handschlag


Zwei Brüder aus Syrien wollen ihrer Lehrerin in der Schweiz nicht die Hand geben - und sind offenbar bereit, den Streit auch gerichtlich auszutragen.

Die 14 und 15 Jahre alten Teenager, die in Therwil in der Nähe von Basel die Schule besuchen, hatten den Handschlag aus religiösen Gründen verweigert.

Die zuständige Schulbehörde hatte daraufhin beschlossen: Im Kanton Basel-Landschaft dürfe es kein Schüler aufgrund seiner Religion ablehnen, seinen Lehrern die Hand zu geben.

Gegen diese Handschlagpflicht wollen die Brüder nun offenbar vorgehen. Sie seien dazu bereit, auf ihrem Standpunkt zu beharren, sagte Janina Rashidi vom Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS). "Sollte dies bedeuten, bis vor das Bundesgericht ziehen zu müssen, werden sie das tun."

Der IZRS, der die Familie bereits seit einigen Wochen begleitet habe, werde sie auf diesem Weg unterstützen. Ob der Rechtsweg notwendig werde, hänge allerdings auch davon ab, ob die Schule nun versuche, den Händedruck zu erzwingen, sagte Rashidi.

Doch die Fronten sind in dem Streit bereits verhärtet. Die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kantons Basel-Landschaft hatte schon am vergangenen Freitag mitgeteilt, dass die Schule die beiden Jungen sanktionieren werde, da sie den Händedruck weiterhin verweigerten: "Die Schule akzeptiert das Verhalten der beiden muslimischen Schüler nicht und fordert den Händedruck ein."

Die Sanktionen müssten "erzieherisch wirken, geeignet, erforderlich und verhältnismäßig sein". Genauer äußerte sich die Behörde dazu nicht.

Um zu vermeiden, dass die Situation eskaliert, hatte der Schulleiter den Jungen zunächst gestattet, die Lehrerin nicht mit Handschlag begrüßen und verabschieden zu müssen. Diese Entscheidung hatte im April zu zahlreichen Protesten geführt. Politiker, Lehrer und Muslime kritisierten das Vorgehen des Schulleiters.

Die zwei Brüder hatten ihre Weigerung damit begründet, dass sie dem weiblichen Geschlecht Respekt zollen wollen. "Niemand kann uns zwingen, Hände zu berühren", sagten sie im April der "Sonntagszeitung". Sie wollten lediglich ihren Glauben leben: "Wir haben ja auch unsere eigene Kultur. Die können wir nicht einfach löschen, so wie man das etwa mit einer Festplatte tun kann." Die Jungen fühlten sich von Medien und Politikern schlecht behandelt. Ihr Fall werde benutzt, um Stimmung gegen Muslime zu machen.

kha/lov

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