"Sebastian-Vettel-Gymnasium" Ein Gruß an den König der Raser

Seit Sonntag ist Sebastian Vettel der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Das freut auch seine früheren Lehrer - sie tauften das Gymnasium in Heppenheim kurzerhand auf den Namen ihres Abiturienten. In der Woche vor dem Triumph trafen Schüler den Pisten-Primus noch an der Frittenhütte.

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Auch vier Jahre nach dem Abi bleibt Sebastian Vettel, 23, ein Vorzeigeschüler: Sein Gymnasium in Heppenheim ist so stolz auf den Formel-1-Weltmeister, dass es sich umbenannt hat. "Ja - wir sind das Sebastian Vettel Gymnasium", ruft die Schule ihren Homepage-Besuchern quasi entgegen. Und zur Untermalung saust alle paar Sekunden ein Rennwagen über die Seite. Zum Bild eines jubelnden Sebastian Vettel schreibt die Schule: "Wenn man ganz fest an etwas glaubt, ist alles möglich. Wir sind Weltmeister!!"

"Es gibt schon einen kleinen Fan-Club an der Schule", sagt die Direktorin Elin Ganter. Einige Kollegen hätten Zeitungsartikel ausgeschnitten und im Lehrerzimmer aufgehängt. Ein Kollege war es auch, der die Schule am Sonntag umtaufte. Irgendwann in den nächsten Tagen, wenn alle genug gefeiert haben, wird aus der Sebastian-Vettel-Schule wieder das alte Starkenburg-Gymnasium. Genau wie damals, im September 2008, als sich die Schule zum ersten Mal umbenannte. Zuvor hatte Vettel bei einem inzwischen legendären Regenrennen in Monza überraschend den Großen Preis von Italien gewonnen.

Auf dem Schulhof habe am Montag jeder über den neuen Weltmeister geredet, sagt Schülersprecher Bernard Serdani, 18: "Es gab kein anderes Thema." Nur zu einer große Feier sei es, leider, bislang nicht gekommen.

Vettels Namensschild: Zerkratzt vom vielen Draufzeigen

Auch wenn alle zu ihm hielten und Vettel die Daumen drückten - von Formel-1-Hysterie ist das Gymnasium weit entfernt. "Wir sind es schon gewöhnt, dass er gewinnt", sagt die Schulleiterin und lacht. Darum keine Weltmeister-Feier, deswegen schmücken auch keine Poster oder Fahnen die Schule. Nur ein silbernes Metallschild in Din-A3-Größe auf dem Schulgelände weist auf den berühmten Schüler hin. Alle Abiturienten eines Jahrgangs werden auf einem solchen Schild namentlich erwähnt. "Die Stelle mit seinem Namen ist schon ganz zerkratzt, weil alle da drauf zeigen", so die Schulleiterin.

Per Brief hat die Direktorin ihm schon gratuliert, aber der Handschlag soll schon noch folgen: "Wir warten, dass er kommt. Wenn er uns tatsächlich besucht, begrüßen wir ihn mit einem großen Poster."

Auch der Schülersprecher, selbst großer Formel-1-Fan, hofft auf einen Besuch. In der vergangenen Woche hat Serdanis Vorgänger Nicholas Marshall, 18, den Rennfahrer noch zufällig in einem Imbiss getroffen. "Er war selbst mit Freunden dort, deswegen haben wir ihn nicht angesprochen", sagt Marshall. "Aber er ist überhaupt nicht abgehoben und ein ganz normaler Mensch geblieben."

Vor vier Jahren verließ Vettel das Starkenburg-Gymnasium im hessischen Heppenheim, einem 26.000-Einwohner-Städtchen, mit der Abi-Note 2,8. "Ganz okay eigentlich", sagte er den Kinderreportern des Magazins "Dein Spiegel". Die Fächer "Sport, Mathematik, Physik habe ich immer gemocht. Alles, was man sich logisch erklären kann."

"Wir sind mächtig stolz auf ihn, auch wenn wir nicht so viel zu diesem Erfolg beigetragen haben", sagte der stellvertretende Schulleiter Karl-Heinz Diedrich damals nach Vettels Sieg in Monza. Allerdings habe die Schule immer versucht, ihm "seinen Nebenjob zu ermöglichen".



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
titurel 17.11.2010
1. Immer noch besser....
Zitat von sysopSeit Sonntag ist Sebastian Vettel der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Das freut auch seine*früheren Lehrer - sie tauften das Gymnasium in Heppenheim kurzerhand auf den Namen ihres Abiturienten. In der Woche vor dem Triumph trafen Schüler den Pisten-Primus noch an der Frittenhütte. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,729493,00.html
als die lange historische Praxis, Schulen, Straßen, Brücken und Plätze nach irgendwelchen Massenmördern und Kriegstreibern zu benennen! Herr Vettel ist - glaube ich - ein anständiger Kerl und hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. Außerdem hat er etwas erreicht: Warum deshalb nicht eine Schule nach ihm benennen, zumal der Bezug zeitnah ist. Da wissen die jungen Leute wenigstens, wer gemeint ist. Darüber hinaus haben die Vettels und Schumachers doch eine wirklich gute Eigenart: Sie rasen in speziell dafür vorgesehenen Gebieten und nicht auf deutschen Landstraßen oder Autobahnen und nicht unter dem Einfluß von Cannabis, Extasy oder Alkohol. Insofern sind sie doch durchaus geeignet, Vorbilder zu sein.
mailschlucker, 17.11.2010
2. Hirnrissig ...
... Habe das zuerst für einen Witz gehalten, aber es scheint ja kein verspäteter Aprilscherz zu sein. Nichts gegen Vettel, der kommt ja sehr sympathisch rüber. Aber was ist, wenn er in den nächsten Jahren mal - vielleicht allzu draufgängerisch - einen seiner Kollegen über den Haufen fährt? Wird dann die Schule wieder umbenannt? Mit einer derartigen Ehrung hätte man bis zum Abschluß der Karriere warten sollen.
Mitsch, 17.11.2010
3. Mi deucht,
Zitat von mailschlucker... Habe das zuerst für einen Witz gehalten, aber es scheint ja kein verspäteter Aprilscherz zu sein. Nichts gegen Vettel, der kommt ja sehr sympathisch rüber. Aber was ist, wenn er in den nächsten Jahren mal - vielleicht allzu draufgängerisch - einen seiner Kollegen über den Haufen fährt? Wird dann die Schule wieder umbenannt? Mit einer derartigen Ehrung hätte man bis zum Abschluß der Karriere warten sollen.
Sie haben den Artikel nicht ganz gelesen. Es geht nur um ein paar Tage und ein bischen Eigenwerbung für die Schule. Man fragt sich zwar, ob das ne Meldung bei SPON wert ist (allerdings muss ich mich dann auch fragen, obs meinen Kommentar im Forum wert ist :-)), ist jedenfalls ne nette Geste.
PeteLustig, 17.11.2010
4. Respekt.
Das können die Deutschen gut - schnell im Kreis fahren...
malm02 17.11.2010
5. Armes Deutschland
Zitat von sysopSeit Sonntag ist Sebastian Vettel der jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Das freut auch seine*früheren Lehrer - sie tauften das Gymnasium in Heppenheim kurzerhand auf den Namen ihres Abiturienten. In der Woche vor dem Triumph trafen Schüler den Pisten-Primus noch an der Frittenhütte. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,729493,00.html
Diese Aktion zeigt, wie es mit der Bildung in Deutschland steht. Lehrer benennen - wenn auch nur vorübergehend- eine Schule nach einem Autorennfahrer, der auf Kosten der deutschen Steuerzahler dort sein Abitur vor einigen Jahren machte. Dieser Rennfahrer gibt aber dem Staat nichts zurück, sondern zahlt heute seine Steuern in der Schweiz. Armes Deutschland.
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