Sehr späte Einschulung 85-jähriger Grundschüler bei UN-Gipfel

Kimani Maruge ist der älteste Grundschüler der Welt. Der Kenianer, 85, wirbt jetzt beim UN-Gipfel in New York für die kostenlose Bildung, die ihm den Schulbesuch erst ermöglichte. Und Bill Clinton trifft Großvater Maruge auch.


Grundschüler Maruge (im Film "Hoffnung auf Afrikanisch" von Walter Heinz, bei Phoenix und ZDF): Erstklassiger Erstklässler
Phoenix / ZDF

Grundschüler Maruge (im Film "Hoffnung auf Afrikanisch" von Walter Heinz, bei Phoenix und ZDF): Erstklassiger Erstklässler

"Ich fühle mich, als ob ich in den Himmel komme", sagte Maruge kurz vor dem Start nach New York zum UN-Gipfeltreffen. Zum ersten Mal sollte er in einem Flugzeug sitzen. Den afrikanischen Kontinent hatte der 85-Jährige noch nie hinter sich gelassen. Doch er hat in seinem Leben trotzdem viel erlebt. Zu viel. Im Freiheitskampf gegen die britischen Besatzer wurde er gefoltert. Die Kolonialherren durchstachen sein Trommelfell.

Inzwischen trägt Kimani Maruge ein Hörgerät, das ihm das "Forum Besser Hören" im Mai dieses Jahres in Nairobi anpasste. Die deutsche Organisation meldete sich nach einem SPIEGEL-ONLINE-Beitrag über den 30-fachen Großvater und seine Hörprobleme. Mit dem Gerät ist er wieder ganz der alte und Primus der zweiten Klasse an der Schule von Kapkenduiywa - außer im Sportunterricht. Die Grundschule im Westen Kenias besuchen auch zwei seiner Enkel.

Seine ersten Prüfungen in Englisch und Mathematik habe Maruge mit Bravour bestanden, erklären seine Lehrer. Mit der reifen Schulleistung steht er auch im Guiness Buch der Rekorde.

Auf der Suche nach einer reichen Amerikanerin

Vor drei Jahren hatte die neue Regierung in Kenia Schulgebühren abgeschafft. Seitdem gehen nicht nur 1,3 Millionen mehr Kinder zur Schule als vorher, sondern auch Maruge - eingeschult wurde er mit 84 Jahren. Um dafür zu werben, dass weltweit alle Menschen die Chance auf kostenlose Bildung bekommen, ist er über den Atlantik nach New York geflogen. Auf dem UN-Gipfeltreffen Mitte September wird er seinen Fall schildern.

Geplant ist außerdem ein Treffen mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Maruge hat sich darauf schon vorbereitet: "Ich werde ihn bitten, ein Krankenhaus in Kenia zu bauen, in dem Aids-Patienten kostenlose Medikamente bekommen", sagte er.

Doch Maruge ist in Amerika auch in eigener Sache unterwegs: In den USA würde er gerne eine reiche Amerikanerin heiraten, damit er seinen Kindern Geld geben könnte, sagte Maruge. Er selbst hat noch große Pläne und will ein Buch über Freiheitskämpfer schreiben und Tiermedizin an der Universität studieren.



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