Senioren auf der Rennbahn Rente, steady, go!

Die letzte Wettfahrt bestritten sie noch mit der Seifenkiste, jetzt starten die Rentner Ekkehard, 69, und Rainer, 57, auf der Kartbahn durch. Für das Jugendmagazin "Spiesser" gibt das Rentnerkompetenzteam Vollgas. Aber wo ist bloß der Sicherheitsgurt?

André Forner

Diesmal geben Rainer, 57, und Ekkehard, 69, auf der Kart-Bahn Gas. Und erzählen von ihren motorisierten Jugendsünden.

Motorengeräusch dröhnt durch die Halle, Benzingeruch liegt in der Luft: Gokart-Bahn. Hier kann Rentner Rennfahrer sein. Bammel vor der Fahrt?

Rainer: Ein bisschen aufgeregt, aber Angst habe ich keine.

Ekkehard: Na, erstmal gucken, wie es läuft.

Rainer: Wir haben ja in meiner Kindheit Seifenkisten gebaut. Das Untergestell war von einem Kinderwagen. Das haben wir dann verkleidet, mit Pappe oder Holz - sah nicht schön aus.

Klingt abenteuerlich. Rainer erzählt, wie er damit die Piste runter ist.

Rainer: Wir haben sogar Rennen veranstaltet. Konnte gar nicht verrückt genug sein. Könnte man heute gar nicht mehr machen, ist wahrscheinlich viel zu viel Verkehr dafür.

Ekkehard: Wettkämpfe bin ich nicht gefahren, aber ich hab auf einer Rennstrecke heimlich mit meinem Bruder für die richtige Fahrerlaubnis geübt. Das haben die lieben Genossen von der Volkspolizei nicht so gerne gesehen. Einmal haben sie uns erwischt. Da gab's ein "Du Du", aber das wars dann auch.

Es folgt eine Fachsimpelei über Stundenkilometer, Kubik und Innenausstattung. Schluss mit reden! Rainer zieht die Fahrermaske über den Kopf.

Rainer: Wo ist die nächste Bank, die ich überfallen kann?

Nix da, jetzt wird gefahren! Den Helm aufsetzen, die Jacke zumachen und rein in den Kart. Rainer und Ekkehard wundern sich noch, dass es keinen Anschnallgurt gibt, da schwenkt der Streckenposten schon die Fahne: Start. Vorher hatte Rainer noch angekündigt:

Rainer: Ich will heute mindestens Zweiter werden.

Ekkehard hat Start-Schwierigkeiten, Rainer gibt Vollgas. Ein ums andere Mal überholt Rainer den Senior-Kollegen. Auch wenn Ekkehard irgendwann in Fahrt kommt: Rainer lässt seinen Konkurrenten alt aussehen und saust weiter durch die Kurven. Der Streckenposten kommentiert:

Streckenposten: Also, ich würd' nicht sagen, dass sie die Typen sind, die sich hier hin und her schubsen auf der Strecke. Wenn das Ganze aber doch ausarten sollte, kommt die Hupe. Der, der Mist gemacht hat, weiß dann schon Bescheid.

Dann wird die schwarz-weiß-karierte Fahne geschwungen, das Rennen ist zu Ende. Rainer wird nicht nur Zweiter - klarer Sieg.

Rainer: Wow, hat das Spaß gemacht. Ein Adrenalinschub, das solltest du unbedingt mal machen!

Ekkehard: Ich konnte gar kein Rennen fahren. Hab nur mitgekriegt, wie Rainer mich immer wieder überholt hat. Aber ansonsten natürlich ein Riesenspaß.

Der nächste Männerabend dann also in der Kart-Bahn?

Ekkehard: Das kann ich mir schon ganz lustig vorstellen. Aber warum bloß Männer? Könnte durchaus sein, dass ich auch meine Enkelin mal mit hierher nehme.

Wie war das denn früher? Auch das ein oder andere Mal zu schnell gefahren?

Rainer: Wir sind natürlich auch mal übermütig geworden. Ja, aber mein Gott, man ist ja trotzdem verkehrssicher gefahren. Mein erstes Auto war ein VW Käfer, den hab ich mir zusammen mit meiner damaligen Freundin gekauft. War schon toll.

Ekkehard: Damals war nicht soviel Verkehr, da war alles ein bisschen ruhiger und nicht so hektisch. Also ich staune manchmal, was die jüngeren PKW-Fahrer da so loslassen. 50 oder so in der Stadt, das ist sowieso schon sehr hoch.

Verschmitzt, wie kleine Jungs, grinsen sie bei der Erinnerung an ihre "Übeltaten". Da wurde doch sicher auch ordentlich an den Karren rumgeschraubt, oder?

Ekkehard: Bei Autos war das damals noch nicht so eine verwirrende Technik. Ich hab auf dem Roller eine Kindersitzkonstruktion zwischen die Beine gebaut. Eine kleine Familienkutsche: vorne Sohnemann, hinten Frau und damit an die Ostsee. Die 450 km-Fahrt war eine Tagesreise.

Von Coline Erdmann, Jugendmagazin "Spiesser"



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