Shorts-Verbot 17-jähriger Rebell darf im Rock zur Schule

Michael Coviello ist ein großer Freund von kurzen Hosen. Aber seine Schule im US-Bundesstaat New Jersey erlaubt Shorts nur im Sommer. Jetzt zeigt Coviello, 17, trotzdem Bein: Er erstritt das Recht, im Rock zur Schule zu kommen.


Michael Coviello hat eigentlich nichts gegen Jeans. Und auch nichts gegen seine High School in Hasbrouck Heights, New Jersey. Der Teenager singt im Schulchor, spielt Schlagzeug in der Schulband und ist Mitglied des Golfteams. Aber er fühlt sich diskriminiert. Und deshalb protestiert er.

Der Schüler hatte nach einer Knieverletzung lange Zeit Shorts getragen - weil es mit Schienen an beiden Beinen nicht anders ging, wie seine Mutter dem Internetportal Northjersey.com sagte. Er habe sich so an die kurzen Hosen gewöhnt, dass er ganz vergessen habe, dass seine Schule das Tragen von Shorts in der Zeit zwischen dem 1. Oktober und dem 15. April verbietet. Grundsätzlich sieht man in der Hasbrouck Heights High School kurze Hosen nicht als angemessene Kleidung für den Unterricht an - sie werden nur deshalb während der wärmeren Monate akzeptiert, weil nicht alle Räume der Schule klimatisiert sind.

Zum ersten Schultag nach dem Erlass dieser Regel, am 12. Oktober 2005, kam Michael in Shorts. Er wurde nach Hause geschickt und war ziemlich wütend. Am nächsten Tag sei Michael im Mechanikerpullover gekommen, am nächsten Tag trug er ein Fred-Feuerstein-Kostüm, erzählte seine Mutter. Er wolle darauf aufmerksam machen, sagte der Teenager, "dass das Shorts-Verbot keinen Sinn ergibt".

Schließlich landete er vor dem Bezirksschulrat und erklärte, warum er den "Keine-Shorts"-Grundsatz ungerecht findet. Sein Argument: Schließlich dürften seine Klassenkameradinnen das ganze Jahr im Rock erscheinen und ihre Beine zeigen. "Wenn du dich benachteiligt fühlst, kannst du ja auch Röcke tragen", soll Joseph Luongo gesagt haben. Michael kaufte sich prompt drei, mit Blümchenmuster oder Schottenkaro.

Als er in einem der neu erworbenen Stücke zum Unterricht erschien, wurde er gleich zum Schuldirektor zitiert. Er stifte Unruhe mit seiner Kleidung, hieß es, mit dem Rocktragen sei es jetzt vorbei. Da schaltete seine Mutter die Bürgerrechtler "American Civil Liberties Union" (ACLU) ein, die Coviellos Bekenntnis zum Rock unterstützten und nach eigenen Angaben mit der Schulleitung einen Kompromiss aushandelten: Fortan darf der Rebell Bein zeigen. Nur auf die geliebten Shorts muss er weiterhin bis Mitte April warten.

In einem ähnlichen Fall hatte ein anderer US-Schüler sich kürzlich ebenfalls durchgesetzt: In der Kleinstadt Jackson in Missouri hatte ein Schulleiter dem 18-jährigen Nathan Warmack den Rauswurf angedroht, weil er mit einem Kilt bekleidet zum Schulball erschienen war. Nach Protesten erboster Schotten musste der Direktor sich entschuldigen.

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