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12. August 2016, 10:12 Uhr

Lehrerklage

Ihr Smartphone-Eltern seid schuld!

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Lieber chatten als mit den Kindern spielen, lieber surfen statt erzählen: Das Handy hat die Eltern fest im Griff. Mit den Folgen müssen wir Lehrer uns rumschlagen.

Eine Szene aus dem Unterricht: "Lara, was habe ich gesagt?", frage ich. Achselzucken. Kein Wunder.

Lara hat gerade Nachrichten gelesen. Auf dem Smartphone. Schüler schauen im Unterricht ständig aufs Smartphone und haben, wenn man sie aufruft, keine Ahnung. Für die meisten Schüler hat das verheerende Folgen.

Wir Eltern wissen das. Aber was machen wir? Wir züchten eine smartphonesüchtige Generation heran. Es beginnt damit, dass wir das Gerät oft genug missbrauchen, um uns nicht selbst um unsere Kinder kümmern zu müssen.

Eine Szene aus dem Alltag: Ein Ehepaar mit zwei Kindern sitzt im Restaurant. Die Kinder sind etwa acht Monate und zwei Jahre alt. Das Baby ist bei der Mutter auf dem Arm und wischt über das Display des Smartphones, das die Mutter ihm vor die Nase hält. Das andere Kind guckt Minifilmchen. Als das Essen kommt, und der Vater das Smartphone wegnehmen möchte, schreit das Kind. Daraufhin lehnt der Mann das Gerät gegen ein Glas, damit sein Kind weitergucken kann.

Noch eine Szene aus dem Alltag: Ein Ehepaar mit Grundschulkindern reist im Zug. Die Kinder zocken auf ihren Smartphones. Der Vater surft im Internet, die Mutter schreibt und liest Nachrichten. Während der vierstündigen Fahrt spielt die Familie nicht miteinander und redet auch kaum.

Eine App kann einen Ausflug kippen

Gefühlte 99 Prozent aller Erwachsenen halten ihr Smartphone in der Hand, als sei es eine Prothese, die sie nur nachts abnehmen. Ständig locken WhatsApp-Gruppen und Facebook.

Als sich ein Bekannter über die zahlreichen Unsinnsnachrichten ärgerte, fragte ich verdutzt, warum er sich denn nicht einfach abmelde. Wesentlich verdutzter wurde mir erklärt, dass das doch nicht gehe, wenn alle Freunde auch in der WhatsApp-Gruppe seien. So so. Es geht also nicht.

Smartphones sind längst Alltagsmanager. Aber sind sie unverzichtbar? Natürlich kann der Blick auf die Wetter-App nützlich sein. Aber wie oft verpasst man etwas, weil man sich ständig absichert?

Während meines Referendariats in der Prä-Smartphonezeit habe ich mit einer Klasse einen Kanuausflug gemacht. Am Nachmittag zog ein Unwetter auf. Es schüttete. Wir hatten trotzdem jede Menge Spaß. Heute werden Ausflüge abgesagt, wenn die Wetter-App Regen ankündigt.

Smartphones entpuppen sich als Abenteuerverhinderungsmaschinen. Das ist schade für die Kinder und Jugendlichen, die nicht wissen, was ihnen manchmal entgeht. Aber Eltern wollen das so; die meisten würden ihr Kind zwingen, ein Smartphone mit in den Wald zu nehmen. Leider demonstrieren wir den Kindern auf diese Weise, dass man ohne Smartphone verloren ist, weil man nur mit dessen Hilfe alle Restrisiken ausschließen kann.

Allerdings geht es den Erwachsenen nicht mehr ausschließlich um Kommunikation und Organisation. Neulich traf ich eine Bekannte, die auf ihr Smartphone noch hypnotisierter starrte als sonst. Ich fragte, was sie mache. Sie suche Pokémons, sagte sie. Ich dachte: Dass sich Kinder und Jugendliche benehmen wie Kinder und Jugendliche, ist normal. Aber warum lassen sich auch Erwachsene im Smartphonezeitalter derart infantilisieren?

Ein Leben ohne Smartphone ist möglich

Wen wundert's eigentlich noch, dass Kinder und Jugendliche Smartphonejunkies werden, wenn wir Erwachsenen uns wie Idioten verhalten?

Aber ich habe noch Hoffnung: Darauf, dass wir uns wieder mehr auf unsere Vorbildfunktion besinnen und das Gerät manchmal einfach zu Hause oder ausgeschaltet lassen. Darauf, dass wir vorleben, dass ein Dasein ohne Smartphone nicht nur möglich, sondern bereichernd sein kann.

Dann werden auch die Kinder eines Tages nicht mehr hektisch eine Steckdose suchen, sobald der Akku leer ist. Sie werden mehr Zeit haben und deshalb weniger gestresst sein. Sie werden wieder lernen, sich miteinander zu beschäftigen. Sie werden manch ein unvorhersehbares Alltagsabenteuer erleben.

Und dann werden sie das Smartphone im Unterricht einfach in der Tasche lassen.

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