Medienkonsum von Kindern Gar kein Smartphone ist auch keine Lösung

Diese Studie dürfte viele Eltern aufatmen lassen: Wenn Kinder einige Stunden am Tag mit Tablet und Co. verbringen, kann das ihre Konzentration sogar fördern - doch es gibt eine klare Grenze.

Tablet und Smartphone: Sie könnten die Konzentrationsfähigkeit von Kindern fördern
Peter Cade/ The Image Bank/ Getty Images

Tablet und Smartphone: Sie könnten die Konzentrationsfähigkeit von Kindern fördern


Weniger ist mehr: Diese Faustformel gilt laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nicht, wenn es um den Medienkonsum von Kindern geht. Die Studie untersuchte den Einfluss der Mediennutzung von Grundschülern auf ihre sozialen Kompetenzen und die Konzentrationsfähigkeit - und kam zu einem verblüffenden Ergebnis: Kinder, die keinen Umgang mit Medien hatten, schnitten schlechter ab als Gleichaltrige, die bis zu zwei Stunden täglich vor Fernseher oder Computer saßen.

"Wir konnten eine deutliche Korrelation feststellen", sagte Studienautor Wido Geis-Thöne dem SPIEGEL. "Sowohl die sozialen Fähigkeiten eines Kindes als auch seine Konzentrationsfähigkeit werden von der Nutzung von Medien beeinflusst", so Geis-Thöne vom arbeitgebernahen IW.

Für die Studie schätzten Lehrer die Fähigkeiten ihrer Schüler im Vergleich zu Gleichaltrigen ein. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Nur knapp die Hälfte der Schüler, die laut eigenen Angaben gar keine Medien nutzten, lag in den Feldern "Soziale Fähigkeiten" und "Konzentrationsfähigkeit" über dem Altersdurchschnitt.
  • Bei den Schülern, die bis zu zwei Stunden täglich Medien nutzten, waren es dagegen knapp zwei Drittel.
  • Am schlechtesten schnitten Kinder ab, die über vier Stunden am Tag fernsahen oder Computer spielten: Die Konzentrationsfähigkeit lag bei 40 Prozent der Schüler in dieser Gruppe unter dem Altersdurchschnitt.

"Mediennutzung ist Teil des Alltags auch von Kindern", sagte Geis-Thöne. Für die Studie wertete er gemeinsam mit seiner Kollegin Ruth Maria Schüler die Daten von rund 4000 Viertklässlern aus, die im Rahmen des Nationalen Bildungspanels befragt wurden.

"Wer eine bestimmte Sendung nicht gesehen hat oder ein bestimmtes Computerspiel nicht spielen darf, der kann oft nicht mitreden." So könnte die Mediennutzung etwa die soziale Interaktionsfähigkeit von Kindern beeinflussen. Die Konzentrationsfähigkeit von Kindern könne durch einen geregelten Konsum bestimmter Computerspiele gefördert werden. Die Gründe seien aber noch nicht ausreichend untersucht, so Geis-Thöne.

Wichtig sei, so der Studienautor, dass Mediennutzung nicht verteufelt werde. "Die Entwicklung digitaler Fähigkeiten ist eine zentrale Kompetenz. Eine langsame Heranführung in der Grundschulzeit ist nötig", sagte der Wissenschaftler.

Auch in einem anderen Bereich sei es möglich, die Kompetenz seines Kindes zu fördern: Kinder, die mindestens einmal in der Woche schweißtreibenden Sport machten, schnitten auch im Rechnen, Lesen und Rechtschreiben besser ab.

lmd

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insgesamt 19 Beiträge
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blurps11 18.06.2019
1.
Kinder MÜSSEN den Umgang mit den Medien lernen, daran führt gar kein Weg vorbei. Medienkompetenz ist eine absolute Basisfähigkeit, auf der heutzutage jede Menge andere Dinge aufbauen. Wenn ein Kind sie nicht erwirbt, wird es spätestens nach der Grundschule gegen eine Wand laufen. Das funktioniert aber natürlich nicht, indem man die Kinder den lieben langen Tag vor dem Bildschirm parkt. Man muss sich MIT ihnen damit beschäftigen und es braucht klare Regeln, dazu gehört selbstverständlich auch eine Zeitbegrenzung. Das wissen vernünftige Eltern in der Regel aber auch.
Nonvaio01 18.06.2019
2. der Mix macht es
unser Sohn ist haeufig am tablett oder der Xbox online. Er liest aber auch extrem viel, im schnitt mus sich 7-8 buecher jeden Samstag mit Ihm aus der Buecherei holen. Ein Buch mit 500 seiten liest der in 2 tagen. ich hab ihm nun ein Kindle geholt und dazu das unlimited Amazon abo....das ist einfacher als buecher schleppen. Er selber hat ca 60 bucher zuhause. Er ist 10 jahre alt. Wenn es nicht regnet ist er draussen spielt fussball wie alle jungs, ist das wetter mies kann er wenn er will den ganzen Tag X-box spielen und tablett schauen. Wenn ich denke es ist zuviel wird bescheid gesagt. Wird er frech ist die X-box dann einfach mal fuer 2 wochen weg. Genaue regeln und zeitplaene finde ich nutzlos und engen einen viel zu sehr ein. Gesunder Menschen verstand reicht da eigentlich. Handy hat er noch nicht, und wird er auch nicht bekommen in den naechsten jahren, auch wenn einige es in der klasse haben, da handy etwas ganz anderes ist als ein tablett. AUf dem tablett sind FB und der gleichen eh gesperrt, also kein social media.
herkurius 18.06.2019
3. Diese Ideologie geht doch wohl am Thema vorbei!
1. Das Smartphone ist Privateigentum der Eltern und dem Kind überlassen. Es diesem bis nach Schulschluß oder länger zur Strafe wegzunehmen, ist Diebstahl. Man mag mit den vorgesehenen Schulstrafen erreichen, daß es nicht das Tippern dem Unterricht vorzieht. 2. Jedes Kind sollte ein Handy haben, und am besten ein Smartphone (weil ihm dann z.B. eine E-Mail geschickt werden kann, während das Gerät im Unterricht stumm in der Schultasche zu liegen hat). Es sollte um Hilfe rufen können, benachrichtigt werden oder benachrichtigen können ("Oma ist im Krankenhaus, wir kommen Dich abholen") oder auch einfach aufrufen können, ob der Zug nachhause pünktlich fährt oder wann nach einer Verspätung der nächste Bus fährt (hier auf dem Lande fahren ein paar zwischen eins und halb zwei und dann wieder alle zwei Stunden). Ein Verbot einer Schule, überhaupt ein Smartphone mit sich zu führen, sollte als grober Verstoß gegen alle Eigentumsrechte und wegen Kindswohlgefährdung bestraft werden, solche Führungskräfte und Lehrer müssen einem Beruf zugeführt werden, wo sie nichts anrichten können. Nein, ich bin kein Schüler, der unter der Bank tippert, sondern 70 Jahre alt. Ich weiß aber schon noch, wie meine Eltern in höchster Unruhe warteten, als ich eine Stunde "Nachsitzen" hatte, oder wie ich "eigentlich" nach einem Blinddarmdurchbruch nur noch wenige Stunden Lebenserwartung hatte. Bloß gab es da keine Mobiltelefone, und Festnetztelefone mit etwas Glück eines in einer Straße bei einem wohlhabenden oder gewerbetreibenden Nachbarn.
minilux 19.06.2019
4. warum "sollte" ein Kind ein Smartphone haben?
Ganz ehrlich: meine Tochter ist jetzt 12 und geht in die 6. Klasse. und nein: sie hat kein Smartphone (als einzige in der Klasse), sondern ein ganz normales Handy. Nein, sie kann damit keine WhatsApp Nachrichten empfangen. Die meisten ihrer Freundinnen haben das gelernt und schicken ihr wichtige Nachrichten als SMS. Und was sie nicht bekommt, das verpasst sie halt. Dafür ist so ein Smartphone für Kinder und Jugendliche eine einzige Zeitvernichtungsmaschine. Freundinnen meiner Tochter haben eine hoch zweistellige Anzahl an Spielen drauf -- die sie natürlich auch regelmäßig zocken. Die können ihr Smartphone häufig nicht mal zur Seite legen, wenn sie sich im echten Leben mit Freunden treffen! Das Verbot eines Smartphone als "Kindeswohlgefährdung" zu bezeichnen zeugt wohl von echtem Realitätsverlust. Dabei bin ich als Informatiker sicher nicht technikfeindlich, und auch meine Tochter kann durchaus mal mein Tablet benutzen. Btw: das ist meine dritte Tochter, bei den beiden grösseren haben wir es genauso gehalten: ein eigenes Smartphone gibt es ab der 8. Klasse
rainer-rau 19.06.2019
5. Als es noch kein Smartphone gab,
Zitat von blurps11Kinder MÜSSEN den Umgang mit den Medien lernen, daran führt gar kein Weg vorbei. Medienkompetenz ist eine absolute Basisfähigkeit, auf der heutzutage jede Menge andere Dinge aufbauen. Wenn ein Kind sie nicht erwirbt, wird es spätestens nach der Grundschule gegen eine Wand laufen. Das funktioniert aber natürlich nicht, indem man die Kinder den lieben langen Tag vor dem Bildschirm parkt. Man muss sich MIT ihnen damit beschäftigen und es braucht klare Regeln, dazu gehört selbstverständlich auch eine Zeitbegrenzung. Das wissen vernünftige Eltern in der Regel aber auch.
haben Unzählige lieber Comics anstatt Bücher gelesen. Das Smartphone hat seinen eigentlichen Sinn verfehlt, genau wie Auto, Flugzeug, Schiff, Kunststoff usw. Statt notwendiger Kommunikation unsägliches Geschwafel, statt notwendiger Mobilität konsumsüchtiges Hin- und Hergerenne. Mich würde der Anteil der vernünftigen Eltern interessieren, die aus der antiautoritären Erziehungsphase hervorgegangen sind. Die anderen machen mir durch ihre schiere Masse Angst
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