Sohn schwänzte Schule Mutter muss sechs Monate ins Gefängnis

Wenn Kinder nicht zur Schule gehen, kann es bitter für die Eltern werden: In Hessen schickt ein Gericht eine Mutter nun deswegen in den Knast. Die Höchststrafe sei gerechtfertigt, meinen die Richter. Schließlich hätten andere Maßnahmen nicht zum Erfolg geführt.
Frankfurter Richter: Eltern sind dafür verantwortlich, dass ihre Kinder zur Schule gehen

Frankfurter Richter: Eltern sind dafür verantwortlich, dass ihre Kinder zur Schule gehen

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Weil ihr Sohn ständig die Schule geschwänzt hat, muss eine Mutter ins Gefängnis. Das Oberlandesgericht Frankfurt bestätigte in letzter Instanz vorangegangene Urteile des Amtsgerichts Lampertheim und des Landgerichts Darmstadt. Sie hatten die Mutter wegen "hartnäckigen Entziehens ihres Sohnes von der Schulpflicht" zu einer Haft von sechs Monaten verurteilt, teilten die Frankfurter Richter mit (Aktenzeichen 2 Ss 413/10).

Seit 2004 sei der minderjährige Schüler "die meiste Zeit" nicht zur Schule gegangen. Richter versuchten damals, die Mutter, die von ihrem Ehemann getrennt lebt, sanft zu disziplinieren: Sie wurde zu einer Geldstrafe verurteilt, das Sorgerecht wurde ihr teilweise entzogen und im September 2008 wurde sie zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. An ihrem Verhalten änderte das nichts: Allein von November 2008 bis Februar 2009 fehlte ihr Sohn an 37 Schultagen.

Zu diesem Zeitpunkt stand der Sohn auf dem Wissensstand eines Sonderschülers der 4. Klasse, dabei hätte er altersgemäß die 9. Klasse besuchen müssen.

Eltern müssen dafür sorgen, dass Kinder zur Schule gehen

Die allgemeine Schulpflicht diene dem Schutz des Kindes in Bezug auf sein Recht auf Bildung und die Herausbildung zu einem verantwortungsbewussten Staatsbürger, betonten die Richter. Die Eltern hätten dafür Sorge zu tragen, dass ihre Kinder am Unterricht teilnehmen. Wenn die Eltern ihren Kindern die Teilnahme am Unterricht versagen, verstoßen sie aktiv gegen die Schulpflicht. Die Höchststrafe sei gerechtfertigt, urteilten die Richter, da mildere Maßnahmen nicht zum Erfolg geführt hätten.

In Deutschland sehen die Verfassungen der Bundesländer eine allgemeine Schulpflicht vor - deswegen ist Hausunterricht auch untersagt. Erst im Januar wurde in Hessen eine streng religiöse Familie zur einer Geldstrafe verurteilt, weil sie ihre Kinder zu Hause unterrichteten. Andere Länder wie Österreich, Frankreich und Großbritannien kennen nur die Unterrichts- und Bildungspflicht, in den USA gilt Homeschooling sogar als klassisches Elternrecht.

fln/dapd
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.