Sonnenfinsternis Schulen drehen am Sonnenrad

SoFi-Schutzbrillen-Zwang, heruntergelassene Rollos, Schulhofverbot: In den Lehrerzimmern der Republik ist die Sonnenfinsternis das Top-Angstthema. Motto: Bloß keine Fehler machen.
Blick Richtung Sonne: Der Schüler macht es richtig und benutzt Sonnenschutzfilter

Blick Richtung Sonne: Der Schüler macht es richtig und benutzt Sonnenschutzfilter

Foto: AP/dpa

Fehlende Fürsorge kann man der Schulleiterin aus Münster ganz sicher nicht vorwerfen. Weil am Freitag ab 9.30 Uhr die Sonnenfinsternis ansteht, informierte sie am Dienstag per Brief die "lieben Eltern und Erziehungsberechtigten", dass sie gleich mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen ihre Schüler schützen wird.

Dazu gehören nicht nur die Vorverlegung der großen Pause ("9:00 - 9:20 Uhr") und eine Schulhofsperrung in der zweiten großen Pause, sondern auch die Verdunkelung der Klassenräume: "Wir werden die Fenster mit Gardinen verschließen, sodass kein Kind von diesen Lichtstrahlen bestrahlt werden kann", verspricht die eifrige Pädagogin den Eltern.

Die SoFi-Angst hat die Lehrerzimmer erreicht - befeuert durch entsprechende Hinweise der zuständigen Ministerien. "Die Lehrkräfte führen aktiv Aufsicht, geben den Schülerinnen und Schülern Hinweise zur Benutzung des Sichtschutzes und informieren über die Gefahren", ordnete etwa das NRW-Schulministerium unter der Überschrift "Folgende Punkte sind zu beachten" an.

Kein Wunder, dass sich viele Schulen alle Mühe geben, nur ja nichts falsch zu machen:

  • Weil die Rektorin der Grundschule Tönisvorst (NRW) nicht gewährleisten kann, "dass die Kinder die Brillen anlassen", wird die Pause sicherheitshalber in die SoFi-freie Zeit verlegt. Auch eine Stuttgarter Grundschule kündigte diesen Schritt an.
  • Die Krefelder Grundschulen geben die Verantwortung lieber gleich ganz ab: Eltern sollen selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken - ganz so, wie das auch bei anderen Naturkatastrophen, starkem Schneefall oder Sturmwarnungen gemacht wird.
  • Am Gymnasium Gröbenzell (Bayern) wird es strikte Kontrollen an allen Ausgängen zum Schulhof geben, kündigte der Schulleiter an: Wer keine Spezialbrille vorzeigen kann, muss drinnen bleiben. Eine ähnliche Regelung gibt es auch an der Elisabethschule Osnabrück - schließlich sind die Schutzbrillen mittlerweile so rar, dass nicht alle Schüler eine bekommen haben.
  • "Die Behörde hat ein Schreiben zur morgigen Sonnenfinsternis herausgegeben, das ich Ihnen im Detail ersparen möchte", schreibt eine Hamburger Lehrerin an die Eltern ihrer Schüler: "Fakt ist, dass wir angehalten sind, dafür zu sorgen, dass die Kinder sich keine Verletzung der Netzhaut zuziehen. Ich werde mit der Klasse die Sonnenfinsternis über das Smartboard im Fernsehen ansehen. Ich möchte aus Gerechtigkeitsgründen darum bitten, dass diese Regelung für alle Kinder gilt und keine Ausnahmen mit irgendwelchen Schutzbrillen gemacht werden."
  • Ähnlich geht das Duisburger Steinbart-Gymnasium vor: Dort können die Schüler das seltene Himmelsereignis live im Fernsehen verfolgen - bei heruntergelassenen Jalousien.
  • An etlichen Schulen mussten die Eltern per Unterschrift zustimmen, dass ihre Sprösslinge das Sonnenspektakel verfolgen dürfen oder dass sie die Kinder über die Gefahren beim direkten Blick in die Sonne informiert haben. "Belehrung Sonnenfinsternis, zur Abheftung in der Schülerakte" heißt das entsprechende Formular etwa an der Freiherr-vom-Stein-Schule Kassel.
  • Die Hammer Schule "Im grünen Winkel" hat den für Freitag geplanten Lehrerausflug abgesagt. Sonst wäre der Unterricht nach der dritten Stunde zu Ende gewesen - und die Schüler hätten just während der Sonnenfinsternis den Heimweg antreten müssen.

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Zappenduster: Historische Sonnenfinsternisse

Foto: Corbis
Hinweis für Eltern: Wo am Freitag ein unbedeckter Himmel droht

Hinweis für Eltern: Wo am Freitag ein unbedeckter Himmel droht

Foto: SPIEGEL ONLINE

Doch längst nicht überall herrscht SoFi-Panik. Deutlich entspannter geht es am Wuppertaler Carl-Fuhlrott-Gymnasium zu: Die Schule verfügt über eine eigene Sternwarte, in der die Sonnenfinsternis gefahrlos verfolgt werden kann. Außerdem hatte Schul-Astronom Michael Winkhaus rechtzeitig 250 SoFi-Schutzbrillen geordert - jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen.