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29. Juli 2015, 11:25 Uhr

Jugend und Politik

Was wir ändern wollen

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Umweltschutz, Ehe für alle, Gleichberechtigung, faires Wirtschaften - wie genau könnte eine bessere Welt aussehen? Sechs Jugendliche aus aller Welt erklären, was ihr größter politischer Wunsch ist.

Nada, 15, Italien: "Armut ist das größte Problem"

"Eine gerechtere Wirtschaft ist für mich eine Wirtschaft, in der die Menschen würdig leben können: ausreichend ernährt, mit Gesundheitsvorsorge und einer Bildung, durch die sie ihre Stellung in der Gesellschaft verbessern können. Armut und die wachsende Ungleichheit sind die größten aktuellen Probleme, insbesondere in der westlichen Welt. Trotzdem finde ich, dass besonders fähige Menschen oder solche mit besonderer Qualifikation ein höheres Einkommen verdienen. Die aktuelle Krise hat ihre Ursache in einer ungenügenden Regulation der internationalen Märkte. Deshalb sollten Regierungen die Märkte stärker überwachen und kontrollieren.

Ich möchte mich auch für ein besseres Bildungssystem einsetzen. Gerade durch Bildung kann Demokratie gestärkt werden. Besonders wichtig ist das im Moment, weil radikale Parteien immer mehr an Einfluss gewinnen durch die Stimmen von Menschen, die die Komplexität der Probleme selbst nicht durchschauen können."

Célia, 16, Frankreich: "Der Klimawandel betrifft uns alle"

"Der Klimawandel ist für mich die wichtigste Herausforderung, mit der wir uns politisch, aber auch als einzelne befassen müssen. Denn wenn wir diesen Planeten zerstören, ist niemand mehr da, um über diese Themen zu reden. Worauf warten wir also? Es gibt viele Lösungsansätze, um unsere Welt zu einem wunderbaren Ort zum Leben zu machen und trotzdem weiter zu produzieren: durch Innovation und durch die Verbreitung von Wissen. Viele umweltfreundliche Initiativen werden rund um den Globus ins Leben gerufen, aber leider nicht zentral koordiniert. Die Mehrheit der Menschen interessiert sich gar nicht dafür, weil sie nicht versteht, dass auch sie direkt betroffen sind. Deshalb wollen wir, die junge Generation, dass die Menschen als Einzelpersonen und als Gemeinschaft für Klimaschutz handeln. Es geht um unsere Zukunft."

Nombuso, 19, Südafrika: "Krisen entstehen, weil Menschenrechte verletzt werden"

"Transparenz in staatlichen Institutionen halte ich für besonders wichtig: Nur so können die Menschen ihrer Regierung vertrauen und über die Dinge diskutieren, die sie betreffen. Transparenz ist der beste Schutz gegen Korruption und die Basis für eine friedliche Zusammenarbeit zwischen Volk und Regierung - und damit eine der Säulen von Demokratie.

Ich setze mich leidenschaftlich für Menschenrechte ein, weil ich glaube, dass Menschen vor allem respektiert und mit Ehre und Würde behandelt werden sollten. Ich denke, dass die meisten Krisen durch die Unzufriedenheit der Menschen entstehen - und weil elementare Menschenrechte nicht eingehalten werden."

Melanie, 16, Puerto Rico: "Frauen sollen Schlüsselrollen übernehmen"

"Wenn ich gefragt werde, welches politische Thema ich am wichtigsten finde, ist meine Antwort klar: die Gleichberechtigung der Geschlechter. Frauen spielen eine entscheidende Rolle für Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Entwicklung. Die Gleichberechtigung voranzutreiben, ist deshalb ein großer Schritt in Richtung einer besseren Zukunft. Egal, um welches Gebiet es geht - Frauen können eine Schlüsselrolle spielen, in Unternehmen und Regierungen genauso wie beim Heranwachsen einer global denkenden Generation von Kindern und Jugendlichen."

David, 15, Deutschland: "Wir dürfen Flüchtlinge nicht ignorieren"

"Für mich ist der Umgang mit Flüchtlingen und Migranten ein wichtiges Thema. Viel zu lange haben wir das Leid von Hunderttausenden ignoriert und weggesehen, wenn Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Hunger im Mittelmeer ertranken. Wir Europäer sind hier moralisch in der Pflicht. Europa, das war einmal ein Kontinent der eingerissenen Mauern und überwundenen Grenzen. Aus Sorge um unseren Wohlstand ist eben dieses Europa zu einer Festung geworden, gesichert mit Stacheldraht, mit Flüchtlingslagern, die an Gefängnisse erinnern.

Wir müssen legale Wege in die EU schaffen, damit niemand mehr gezwungen ist, lebensgefährliche Meeresüberfahrten auf sich zu nehmen. Ich wünsche mir auch einen fairen Welthandel, in dem jeder von seinem Lohn leben kann, denn eine der größten Fluchtursachen bleibt weiterhin Armut. Ich will in einem Europa leben, das Schutzsuchende willkommen heißt und ihnen eine Chance gibt, in einem offenen, herzlichen und menschlichen Europa."

Emma, 17 Jahre, Irland: "Irland macht Fortschritte als moderne Gesellschaft"

"Im Mai hat Irland als erstes Land der Welt die gleichgeschlechtliche Ehe durch einen Volksentscheid legalisiert. Es war toll, die Begeisterung der Menschen für diesen Schritt zu sehen. 18-Jährige standen um 7 Uhr morgens an den Wahllokalen, um noch vor der Schule abzustimmen. Universitäten organisierten Busse voller Studenten, die ihrer Stimme Gewicht verleihen wollten. Im Ausland lebende Iren kamen in ihre Heimat, um an der Abstimmung teilzunehmen. Die Zeit, in der Homosexualität kriminalisiert wurde, ist lange vorüber, und dieses Referendum ist ein Beweis für die Macht junger Menschen, ihre Zukunft selbst zu gestalten.

Es gibt aber noch andere antiquierte Werte, die unsere Verfassung bestimmen. Ich wünsche mir, dass das strikte Abtreibungsgesetz verändert wird, besonders der achte Zusatzartikel. Abtreibung ist in Irland nur dann zulässig, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Abtreibung aus anderen Gründen kann eine 14-jährige Haftstrafe nach sich ziehen. Wir machen große Fortschritte als moderne und tolerante Gesellschaft, aber es gibt noch viel zu tun. Ich möchte, dass Irland ein sicherer und gerechter Platz für alle wird."

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