Spanien Schülerin darf doch mit Kopftuch in den Unterricht

Unterricht ja, aber nur ohne Schleier: So hatte eine Schule in Spanien auf eine Hijab-tragende Muslimin reagiert. Jetzt musste das Verbot aufgehoben werden - die Schülerin darf mit Kopftuch kommen.

Schülerin mit Hijab (Archivbild)
REUTERS

Schülerin mit Hijab (Archivbild)


Mit einem Kopftuchverbot wollte eine Berufsschule, das Instituto Educación Secundaria Benlliure, im spanischen Valencia vergangene Woche für Klarheit sorgen: Kopfbedeckungen seien im Unterricht verboten, hatte die Schulleitung verkündet. Ausnahmen könne es nur aus hygienischen Gründen geben.

Eine Entscheidung, die Takwa Rejeb ärgerte: Die 22-jährige Muslimin trägt den Hijab, ein locker um den Kopf gewickeltes Tuch. Sie fühlte sich durch das Verbot diskriminiert und legte Beschwerde bei der Schulaufsicht ein, weil das Kopftuch Teil ihrer Identität sei.

Mit Erfolg: Die regionale Erziehungsbehörde hat die Schule am Dienstag angewiesen, das Kopftuchverbot wieder zu kippen. Takwa Rejeb, die in Valencia eine Ausbildung als Tourismusmanagerin absolviert, darf damit ab sofort wieder mit Hijab zum Unterricht kommen.

Der Streit hatte auch zu einer Online-Petition geführt, mit der die 22-Jährige bei ihrem Protest unterstützt wurde. Die Behörden haben jetzt angekündigt, bei entsprechenden Verboten der Schulen genauer hinzuschauen. Mònica Oltra, regionale Gleichstellungsministerin, sagte der Zeitung "El País", man müsse "sehr vorsichtig sein mit religiöser Freiheit, kultureller Unterschiedlichkeit und der Freiheit des eigenen Auftretens".

In Deutschland dürfen Schülerinnen und prinzipiell auch Lehrerinnen im Unterricht ein Kopftuch tragen. Seit rund einem Jahr darf es an Schulen für Lehrerinnen kein pauschales Kopftuchverbot mehr geben, frühere Verbote von Bundesländern oder Schulen hatten vor Gericht keinen Bestand.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, sagte zu dem Thema im Tagesspiegel: "Jeder Schüler und jede Schülerin in Deutschland hat das Recht auf freie Ausübung der Religion. Kopftuchverbote sind deshalb rechtswidrig."

him/AP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.