Kleine Pause - der Bildungs-Newsletter Liebe Leserinnen, liebe Leser, guten Morgen,


und herzlich willkommen bei "Kleine Pause", dem neuen Bildungs-Newsletter des SPIEGEL. Alle zwei Wochen, immer dienstags, stellen Schulexperten aus der SPIEGEL-Redaktion die wichtigsten Nachrichten und Debatten aus der Bildungswelt vor - kurz, kompakt und hoffentlich auch unterhaltsam.

"Kleine Pause" richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer, an Eltern und an alle, die wissen möchten, was Deutschlands Schulen bewegt. Neben einem kurzen Nachrichtenüberblick ("Das ist los") stellen wir unter der Überschrift "Gut zu wissen" neue Erkenntnisse aus der Bildungsforschung vor. In der Rubrik "Debatte der Woche" diskutieren wir eine aktuelle Frage aus dem Alltag von Lehrenden und Lernenden.

Kleine Pause - der Bildungs-Newsletter
News, Debatten und neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft: Hier erfahren Sie an jedem zweiten Dienstag, was Deutschlands Schulen bewegt:

"Kleine Pause" ist Teil von SPIEGEL Ed, einem neuen, kostenlosen Angebot des SPIEGEL, das helfen soll, Schülerinnen und Schülern den richtigen Umgang mit Medien und Nachrichten zu vermitteln. In Zeiten von Überinformation und Fake News ist es wichtiger als je zuvor, sie kompetent zu machen im Umgang mit Medien. Um das zu unterstützen, haben wir zusammen mit der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa SPIEGEL Ed ins Leben gerufen.

Wir möchten Schülerinnen und Schülern ab Klassenstufe acht journalistische Arbeit näherbringen, sie für die Merkmale von qualitativ hochwertiger Berichterstattung sensibilisieren und auf diese Weise helfen, sie zu mündigen und aktiven Teilhabern unserer Demokratie werden zu lassen. Alle Informationen zu SPIEGEL Ed finden Sie hier .

Viel Spaß beim Lesen, Stöbern und Entdecken wünscht

Das Team von "Kleine Pause"

Susmita Arp, Silke Fokken, Armin Himmelrath, Miriam Olbrisch

Feedback & Anregungen?


Das ist los:

1. Mehr Geld für Ganztagsschulen

Ab 2025 haben alle Grundschüler ein Anrecht darauf, bis in den Nachmittag hinein in der Schule bleiben zu können. Die Bundesregierung hat nun einen Milliardenzuschuss beschlossen, um mehr Ganztagsplätze zu schaffen. Im Moment gibt es bundesweit im Schnitt einen Platz für jedes zweite Kind. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern sehr groß: Baden-Württemberg kann derzeit nur 20 Prozent der Kinder eine Ganztagsbetreuung anbieten, die ostdeutschen Flächenländer und die Stadtstaaten führen die Tabelle an. Mehr dazu gibt es hier.

Roland Weihrauch/ DPA

2. Weniger Inklusion

Vor zehn Jahren unterzeichnete Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention. Alle Kinder mit und ohne Behinderungen sollten die Möglichkeit haben, zusammen zu lernen. "Inklusion" nannte man das. Wie Inklusion aussehen soll, interpretieren die Bundesländer sehr unterschiedlich. Während manche Förderschulen schließen wollen, halten andere an der Schulform fest. Nun hat Mecklenburg-Vorpommern in einem neuen Schulgesetz beschlossen, sich mehr Zeit zu lassen, um Kinder mit Behinderungen in die Regelschule zu integrieren. Außerdem sollen manche Förderschulen dauerhaft bestehen bleiben, nämlich für Kinder mit körperlichen Behinderungen, mit Schwierigkeiten beim Sehen oder Hören und mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.

3. Laurent, 9 Jahre, Bachelor in Elektrotechnik

Laurent Simons mag Dinge, die kleine Jungen nun mal so mögen. Er fährt gern Achterbahn, schaut Action-Filme und sammelt Panini-Bildchen. Und dann gibt es noch diese andere Seite des Niederländers - und die ist überhaupt nicht gewöhnlich. Als zwei Redakteurinnen des SPIEGEL ihn im Sommer 2018 zu Hause in Amsterdam besuchten, feierte Laurent gerade sein Abitur. Mit acht Jahren. Nun, gut knapp eineinhalb Jahre später, steht Laurent an der Technischen Universität Eindhoven kurz vor seinem Bachelor-Abschluss in Elektrotechnik. Ihn zu unterrichten, sei "ein Abenteuer", kommentierte sein Professor gegenüber der Presse. "Aber es macht wahnsinnig Spaß."

DPA

4. Anonyme Lehrerbewertungen

Der Name der App klingt leicht martialisch: "Lernsieg" heißt das Programm, das der 17-jährige Wiener Schüler Benjamin Hadrigan entwickelt hat, um Lehrer an Schulen in Deutschland und Österreich anonym bewerten zu können. Das Ganze ist seit vergangenem Freitag online, und nicht nur Gewerkschafter sind entsetzt: Denn bewerten und mitlesen kann jeder - und die Beurteilungen erfolgen anonym. "Wir wollen Schülern im 21. Jahrhundert endlich eine Stimme geben, damit sie mitgestalten können", verteidigt Hadrigan im Gespräch mit dem SPIEGEL seine Idee. Paul Kimberger, Vorsitzender der österreichischen Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer, kündigte dagegen an, die App mit allen rechtlichen Mitteln verhindern zu wollen.

Lukas Beck

Gut zu wissen

Elf Schüler teilen sich in Deutschland einen Computer - diese Erkenntnis löste im Jahr 2014 einen kleinen Bildungsschock aus. Wissenschaftler hatten in der internationalen Vergleichsstudie ICILS festgestellt, wie schwer es Kindern und Jugendlichen in Deutschland fällt, kompetent mit Computern und dem Internet umzugehen. Seitdem ist vermeintlich viel passiert: Die Kultusministerkonferenz legte ein Strategiepapier zur "Bildung in der digitalen Welt" vor, Bund und Länder investieren 5,5 Milliarden Euro in den Digitalpakt. Nur in den Schulen hat sich noch nicht viel bewegt. Vor wenigen Tagen erschien die Nachfolge-Untersuchung der ICILS-Studie. Die Forscher stellen Deutschland darin erneut ein wenig erfreuliches Zeugnis aus, wie der SPIEGEL berichtet. Die Originalstudie (auf Englisch) kann man hier herunterladen.

Getty Images

Debatte der Woche

Hetze im Klassenchat

von Miriam Olbrisch

Klassenchats können wahnsinnig praktisch sein. Im besten Fall diskutieren Schüler dort Mathehausaufgaben oder erinnern sich gegenseitig daran, Turnschuhe für den Ausflug einzupacken. Klassenchats können sehr nervig sein - wenn 30 Schüler immer wieder Belanglosigkeiten in ihre Smartphones tippen, kommen an so einem Schultag gern mal Hunderte Nachrichten zusammen. Klassenchats können die Hölle sein. Dann nämlich, wenn Kinder im virtuellen Raum ihre Mitschüler mobben, wenn sie Hass und Häme verbreiten.

Auch wenn Kultusministerien und Schulleitungen nicht unbedingt begeistert sind: Klassenchats, meist bei WhatsApp, gehören an fast jeder Schule wie selbstverständlich dazu - auch wenn die Nutzung von WhatsApp offiziell erst ab 16 Jahren erlaubt ist. In Bayern verschickten Gymnasiasten einer neunten Klasse Hakenkreuzsymbole, menschenverachtende Sprüche über Gaskammern und den antisemitischen Text eines Liedes, das unter Rechtsextremen beliebt ist. Die Polizei ermittelt. Auf Twitter posteten zahlreiche Jugendliche Screenshots aus ihren Klassenchats - mit ähnlich verstörenden Inhalten.

Für Eltern und Lehrkräfte ist es oft nicht leicht herauszufinden, was Schüler in den geschlossen Chatgruppen so treiben. Umso wichtiger ist der Vorstoß von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey. Die SPD-Politikerin lässt ein Gesetz ausarbeiten, das die Messengerdienste in die Pflicht nimmt. WhatsApp und andere Anbieter sollen die Programme so gestalten, dass Minderjährige besser geschützt sind, etwa durch Warn- und Meldesysteme.

Noch wichtiger wäre es aber, dafür zu sorgen, dass Jugendliche unter 16 Jahren die Programme tatsächlich nicht benutzen können - so, wie es eigentlich vorgesehen ist.


Neues von SPIEGEL Ed

Heute startet SPIEGEL Ed, die kostenlose Bildungsplattform des SPIEGEL in Zusammenarbeit mit der Schwarzkopf-Stiftung und weiteren Partnern. An dieser Stelle informieren wir regelmäßig über neue Workshop-Termine, Erklärvideos und sonstige Neuigkeiten aus dem SPIEGEL-Ed-Universum. Alle Informationen zu dem neuen Angebot finden Sie hier .

Ideen, Anregungen, Feedback? Wir freuen uns über Post an kleinepause@newsletter.spiegel.de.

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