Sport und Religion Muslimisches Mädchen muss mitschwimmen

Eine zwölfjährige Muslimin aus Remscheid muss am Schwimmunterricht ihrer Schulklasse teilnehmen, haben Düsseldorfer Richter jetzt entschieden. Die Religion verbiete ihr das, hatten die Eltern argumentiert. Doch das Gericht bewertete den Erziehungsauftrag als wichtiger.


Sie ist zwölf und soll nicht mehr mit ihren Mitschülern kraulen, tauchen und Rückenschwimmen lernen oder Wasserball spielen. Weil ihre Eltern sagen, die islamische Kleiderordnung verpflichte sie, ihren Körper vor fremden Blicken zu schützen, darf eine Schülerin aus Remscheid nicht am Schwimmunterricht teilnehmen.

Die Eltern des Mädchens nehmen diese Regel so ernst, dass sie gegen den gemeinsamen Schwimmunterricht geklagt haben - oder zumindest dagegen, dass ihre Tochter dort mitschwimmen soll.

Die Gewissensgründe seien plausibel, die Verpflichtung zur Teilnahme stelle einen Eingriff in die Religionsfreiheit dar, urteilte das Verwaltungsgericht Düsseldorf am heutigen Mittwoch - am Unterricht teilnehmen muss das Mädchen trotzdem. Das Gericht wies die Klage der Eltern ab, der Erziehungsauftrag des Staates wiege schwerer.

Der Schule sei es weiter aus organisatorischen Gründen nicht zuzumuten, getrennten Unterricht anzubieten und durch Schwimmbekleidung, die nicht eng und knapp ist und den Körper nicht besonders betont, könne der Eingriff stark reduziert werden (Aktenzeichen 18 K 301/08).

Nun muss das Mädchen weiter am gemeinsamen Schwimmunterricht mit Jungen teilnehmen. Die Anwälte der Kläger kündigten allerdings Berufung an.

maf/dpa



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