Kitas CDU berät über verpflichtende Deutschtests für Kinder

Wie lässt sich das Sprachniveau von Vorschulkindern verbessern, die schlecht Deutsch sprechen? Die Nord-CDU will verpflichtende Tests für Vierjährige einführen. Sollten Eltern sich weigern, sollen Sanktionen greifen.

Kitakinder in Düsseldorf bei einem Sprachtest (Archiv)
Federico Gambarini/ DPA

Kitakinder in Düsseldorf bei einem Sprachtest (Archiv)


Die CDU steht auf ihrem Parteitag in Leipzig vor einer bildungspolitischen Grundsatzentscheidung. Der schleswig-holsteinische Landesverband fordert, "verpflichtende Sprachtests" für Kinder im Vorschulalter einzuführen. Spätestens ab einem Alter von vier Jahren sollen demnach Sprachstandtests durchgeführt werden.

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Bei besonderem Förderbedarf müsse "eine verpflichtende, qualitativ wirksame, durchgehende Sprachförderung in einer Kindertagesstätte oder Vorschule" angeboten werden, heißt es in dem Parteitagsantrag. Sollten sich Eltern weigern, Fördermaßnahmen für das Kind zu ermöglichen, "müssen wirksame Sanktionsmechanismen greifen".

Die Debatte um Sprachtests hatte zuletzt für Auseinandersetzungen gesorgt, nachdem der CDU-Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann in einem Interview angedeutet hatte, Kinder mit sehr geringen Deutschkenntnissen notfalls verspätet einzuschulen. Der maßgeblich von der schleswig-holsteinischen Bildungsministerin Karin Prien erarbeitete Antrag setzt nicht auf eine Verschiebung der Einschulung.

Im Falle unzureichender Deutschkenntnisse will die Nord-CDU neben dem Regelunterricht verpflichtende Zusatzstunden sowie spezielle Sprachförderklassen einführen. Mit der Entscheidung wolle man auch zeigen, dass die CDU das Feld der Bildungspolitik, das sie in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt hatte, wieder stärker besetzen werde, heißt es.

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
kezia_BT 08.11.2019
1. recht so.
Besser als Kindergartenpflicht - es trifft nur die, die es nötig haben, die anderen haben die Freiheit, ihre Kinder selbst aufzuziehen. Kindergeldentzug würde Wunder wirken.
ja-nuss 09.11.2019
2.
Das ist auch an der Zeit. Ein elementares Problem Europas, gegenüber anderen Regionen der Welt, ist der mangel an einer gemeinsanen Sprache. Gemeinsame Sprache verbindet. So ist es im nationalen Kontext unabdingbar, dass sich alle, die in dieser Gemeinschaft dauerhaft leben wollen, einer Sprache bedienen. Solange die offizielle Empfehlung der Regierung ( Integrationsbroschüre) besagt, dass man deutsch beherrschen SOLLTE wenn man in diesem Land lebt, wundert es niemanden, dass sprachliche Integration häufig nicht funktioniert. Kernstück gelungener Integration ist es, die öriginäre Sprache der neuen Umgebung zu beherrschen, zu nutzen und zu respektieren. Viele Europäischen Nachbarn machen vor, dass das geht, dort bedienen sogar Migranten untereinander der Landessprache.
dasfred 09.11.2019
3. Gerade die Nord Politiker sind sehr erfolgreich
Hier im ganzen Norden gibt es kaum noch Kinder und Jugendliche, die die Sprache ihrer Großeltern beherrschen. Das Plattdeutsch ist fast komplett aus dem Alltag getilgt. Kinder lernen sehr schnell eine Sprache beim Spielen miteinander. Je nach persönlicher Begabung sprechen sie schon nach kurzer Zeit untereinander mit dem selben Akzent, wie ihre Mitschüler, selbst, wenn sie mit ihren Eltern nur in deren Muttersprache reden. Hier wird nach fünfzig Jahren Einwanderungsgeschichte plötzlich ein Problem entdeckt, dass sich im Alltag von selbst auswächst. Es dauert höchstens etwas länger, wenn man deutsche Kinder und die Kinder von Migranten in Kindergarten und Schule weiterhin stark separiert.
fördeanwohnerin 09.11.2019
4. -
Wo ist das Problem? Bzw. wer hätte etwas dagegen? Und weshalb gibt es das nicht schon längst? Ach, wahrscheinlich sind es die Sanktionen, die bestimmten Leuten wieder Bauchweh bereiten. Aber hier muss man doch ganz klar sagen, dass die meisten Eltern, die keine Förderung wollen, nur so zu kriegen sind. Man fragt sich sowieso, weshalb im Bildungsbereich immer mehr Maßnahmen, die Fehlentwicklungen verhindern und eindämmen sollen, entweder verboten oder nicht eingeführt werden, weil auf irgendwelche Befindlichkeiten Rücksicht genommen werden muss, obwohl allen klar ist, dass genau das die Probleme verschlimmert.
stoffi 09.11.2019
5. Fakt ist doch
wer sich bilden soll, muss deutsch sprechen. Diese Tests fördern die Kinder. Zum Wohle dieser Kleinen sollte man sich über den Willen der Eltern hinweg setzen. So werden mehr Kinder einen höheren Bildungsabschluss machen können und das fördert auch die Integration dieser Generation. Wer sich da weigert, scheint sich nicht integrieren zu wollen und das sollte aber wenigstens deren Kindern ermöglicht werden.Wer die Sprache spricht ist auch in der Lage mehr zu ,,verstehen"
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