Streit um Gymnasium Brandenburg stoppt Opus-Dei-Schule

Peitschenhiebe, Bußgürtel und Erziehung wie im Mittelalter? Die Bedenken gegen ein Opus-Dei-Gymnasium in Potsdam waren groß. Nun hat Brandenburgs Bildungsministerium der katholischen Laienorganisation eine Absage erteilt - mit einer juristisch heiklen Begründung.

Potsdam - Umstritten war das Projekt von Beginn an: Dass ausgerechnet die fundamental-katholische Organisation Opus Dei  in Potsdam ein Jungengymnasium gründen wollte, sorgte für viel Wirbel - über die Grenzen Brandenburgs hinaus. Eine Kaderschmiede rechtskonservativer Sektierer befürchteten Kritiker.

Sie können vorerst aufatmen. Denn das brandenburgische Bildungsministerium wies den Antrag der Opus-Dei-Anhänger zurück. Das Ministerium begründete seine Entscheidung damit, dass ein reines Jungengymnasium nicht gesetzeskonform wäre. Brandenburgs Schulgesetz sieht - für öffentliche Schulen - gemeinsamen Unterricht für Jungen und Mädchen vor.

Die Opus-Dei-Anhänger lehnen dies ab. "Es ist pädagogisch sinnvoll, Jungen und Mädchen in verschiedenen Schulen zu fördern", sagte Christoph Rüssel, Vorsitzender der Elterninitiative "Freie Schulen Brandenburg". Ihr Plan sieht ein Gymnasium für 300 Jungen vor, "geprägt vom christlichen Menschenbild", so Rüssel: "Wir wollen wertebezogen arbeiten, aber wird werden die Seiten zum Sexualkundeunterricht nicht aus den Büchern herausreißen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" bereits im Januar.

Der Unterricht in Räumen einer früheren Potsdamer Kaserne sollte sich streng an Brandenburgs Lehrpläne halten. "Das Opus Dei wird die Seelsorge an der Schule übernehmen, sie wird einen Priester zur Verfügung stellen, der regelmäßig Schulmessen halten wird und auch Religionsunterricht erteilen wird. Dieser Religionsunterricht orientiert sich an den Lehrplänen des Erzbistums Berlin", sagte Rüssel kürzlich dem Radiosender RBB. Seit sechs Jahren macht er sich für diese Idee stark, vor vier Jahren stellte die Elterninitiative schon einmal einen Antrag an das Land Brandenburg. Doch auch damals erklärte das Bildungsministerium, dass laut Schulgesetz nur eine geschlechtergemischte Erziehung in Frage komme.

Prozess bahnt sich an

Christoph Rüssel will sich damit nicht abfinden: "Diese Entscheidung des Bildungsministeriums übergeht das grundgesetzlich verbürgte Elternrecht, alternative Schulformen für ihre Kinder zu wählen, wie es in anderen Bundesländern in über 100 Jungen- und Mädchengymnasien mit Erfolg praktiziert", sagte der sechsfache Vater jetzt. Die Elterninitiative hatte schon im Vorfeld angekündigt, gegen eine Ablehnung juristisch vorgehen zu wollen.

Unterstützung bekommt Rüssel von Ulrich Häde, Jura-Professor an der Viadrina-Universität in Frankfurt/Oder. Für Privatschulen gelte das Gebot gemeinsamen Unterrichts von Mädchen und Jungen nicht. Die Begründung des Landes Brandenburg sei somit juristisch nicht tragbar.

Opus Dei, 1928 in Spanien von Josemaria Escriva de Balaguer gegründet, ist seit Jahrzehnten umstritten und wurde zuletzt durch den Dan Browns Bestseller "Sakrileg" weltweit bekannt. Darin wird die Organisation als mächtiger wie verschwörerischer Geheimbund beschrieben, dessen Mitglieder sich mit Bußgürteln und Peitschen selbst kasteien - was die katholische Kirche als "Zerrbild" zurückwies.

Von Kritikern wird Opus Dei als sektenhaft, streng hierarchisch organisiert oder gar totalitär beschrieben. 85.000 Mitglieder hat die Organisation nach eigenen Angaben weltweit, 600 davon in Deutschland.

pop/dpa

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