Streit um Klassenfahrt Zwölfjährige gewinnt Prozess gegen ihren Vater

Im kanadischen Ottawa wollte ein Vater seiner Tochter eine Klassenfahrt verbieten, weil sie zu viel im Internet gesurft hatte. Doch gegen diese Strafe klagte die 12-jährige Schülerin - mit Erfolg.


Kinder können im Internet allerhand Blödsinn anstellen und sich damit manchmal selbst schaden. Also haben Mama oder Papa ein Auge auf die Netzgewohnheiten und greifen auch zu Verboten - das gehört zum akzeptierten erzieherischen Rahmenprogramm.

Ein Gericht in der kanadischen Stadt Ottawa sah das allerdings anders und hob die Strafe eines Vaters gegen seine Tochter auf. Das gerade zwölf Jahre alte Mädchen hatte ihren Vater verklagt, weil der ihr verboten hatte, auf eine Klassenfahrt mitzufahren - und bekam Recht. Das höchste Gericht im Staat Quebec erlaubte dem Kind die Teilnahme an der Klassenreise, weil die Strafe zu hart gewesen sei.

Der Grund für den Hausarrest des Vaters gegen seine Tochter: Sie surfte wiederholt auf Chat-Seiten, die der Vater zu sperren versucht hatte - die Zwölfjährige nutzte dann einfach den Internetzugang einer Freundin. Außerdem habe das Mädchen Fotos von sich ins Internet gestellt, die es in "für ihr Alter unangemessenen Kleidung zeigten", so Kim Beaudoin, die Anwältin des Vaters.

Der Superior Court, der in diesem Fall gegen das Erziehungsrecht der Eltern urteilte, ist das höchste Gericht in Kanadas französischsprachiger Provinz Quebec und entscheidet in Strafsachen, aber auch in Fällen des Familienrechts wie Scheidungen oder Sorgerechtsfragen. Daher war die kleine Klägerin auch mit einem Pflichtverteidiger des Gerichts vertraut, der sich der Klage gegen ihren Vater annahm. Der Anwalt war bereits in der zehnjährigen Auseinandersetzung um die Scheidung der Eltern und das Sorgerecht dabei.

Der Vater hat gegen das Urteil bereits Widerspruch eingelegt. Anwältin Beaudoin will dafür sorgen, dass die "elterliche Autorität wiederhergestellt und die Sache nicht zum Präzedenzfall wird - andernfalls würden Eltern ab sofort wie auf Eierschalen laufen".

cht/AFP



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