Von wegen Langschläfer Schüler wollen frühen Unterrichtsbeginn

Wann soll der Unterricht beginnen? Eine Studie zeigt, dass die meisten Schüler lieber früher anfangen - weil sie dann mehr vom Nachmittag haben.
Unterricht um acht oder um neun Uhr?

Unterricht um acht oder um neun Uhr?

Foto: Tomas Rodriguez/ Getty Images

Die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland spricht sich dafür aus, dass der Unterricht um acht Uhr beginnt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Forschungszentrums Demografischer Wandel (FZDW) der Frankfurt University of Applied Sciences. Wissenschaftler hatten die Daten von rund 7700 Schülerinnen und Schülern aus der neunten Jahrgangsstufe ausgewertet, die im Schuljahr 2018/2019 erhoben wurden.

  • Demzufolge wären 52 Prozent der Befragten am liebsten von acht bis 13 Uhr in der Schule, wenn sie nur sechs Stunden Unterricht hätten.
  • Nur etwas mehr als ein Drittel spricht sich für einen Schultag aus, der um neun Uhr beginnt und dafür erst um 14 Uhr endet.
  • Fünf Prozent würden gerne um 10 Uhr beginnen und dafür Unterricht bis 15 Uhr in Kauf nehmen.

An einem Schultag mit acht Stunden sind sich die befragten Jugendlichen sogar noch einiger: Knapp 70 Prozent möchte um 8 Uhr mit dem Unterricht beginnen und um 15 Uhr aufhören, rund ein Fünftel sprach sich für ein Zeitfenster von 9 Uhr bis 16 Uhr aus. Vier Prozent würden gerne um 10 Uhr beginnen und um 17 Uhr aufhören.

"Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es Kindern ist, am Nachmittag keine Schule zu haben", sagt Sven Stadtmüller, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am FZDW arbeitet und an der Studie mitgewirkt hat.

Er ist sich sicher: "Hätten wir die Kinder gefragt, ob sie ihren Unterricht lieber um acht, neun oder zehn Uhr beginnen würden - ohne ihnen zu sagen, bis wann sie dann in der Schule bleiben müssten - hätten viele sicherlich für späteren Unterricht plädiert."

Kopf schmerzen und schlechtere Konzentration bei Spätaufstehern

Denn eigentlich passen die Ergebnisse nicht zum ausgewerteten Schlafrhythmus der Schüler: Knapp 60 Prozent der befragten Schüler bezeichnen sich als "Spätaufsteher", nur ungefähr ein Drittel als "Frühaufsteher".

Während die meisten der selbst ernannten Frühaufsteher lieber von acht bis 13 Uhr Unterricht hätten, spricht sich mehr als die Hälfte der Spätaufsteher für einen Schulbeginn um neun oder zehn Uhr aus. Bei acht Schulstunden hätten aber sogar zwei Drittel der Spätaufsteher ihren Unterricht am liebsten um acht Uhr.

Der Studie zufolge schlafen Frühaufsteher an Schultagen im Schnitt 15 Minuten mehr als Spätaufsteher. Was nach wenig klingt, hat Folgen: So gaben die Spätaufsteher an, deutlich häufiger unter Kopfschmerzen zu leiden, sich schlechter konzentrieren zu können oder gereizter zu sein als Jugendliche, die sich selbst zu den Frühaufstehern zählen. "Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass es für Jugendliche auf Dauer belastend ist, wenn ihr Tagesablauf nicht ihrem präferierten Schlafrhythmus entspricht", sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Sven Stadtmüller. Eltern sollten sich deshalb bewusst machen, wie wichtig es sei, Kinder früh ins Bett zu schicken.

Mehr Schlaf, erfolgreicheres Lernen?

Für die Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten aus einer repräsentativen Studie  aus, die vom FZDW durchgeführt und von dem Verband "Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung" gefördert wird. In diesem Zusammenhang wurden Daten von Schülerinnen und Schüler an 116 weiterführenden Regelschulen aus vierzehn Bundesländern ausgewertet. Nur in Hamburg und in Bayern wurden keine Jugendlichen befragt. Die Studie wird seit dem Schuljahr 2014/2015 jährlich durchgeführt.

Immer wieder plädieren Wissenschaftler für einen späteren Unterrichtsbeginn: Mit mehr Schlaf würden Schüler motivierter und erfolgreicher lernen. Erst Ende des vergangenen Jahres zeigte eine Studie der Universität Washington und des Salk Institute for Biological Studies, dass Kinder wacher sind, wenn der Unterricht knapp eine Stunde später beginnt. Der Grund: Trotz des späteren Schulbeginns sind die meisten Schüler nicht später schlafen gegangen.

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