Studium Virtual Design - in echt In der dritten Dimension

An der Fachhochschule Kaiserslautern entwirft er Raumschiffe, die nie abheben werden. Aber das stört Alexander Lehmann, 22, keineswegs: Er studiert Virtual Design und bastelt an der perfekten Innenarchitektur für Computerspiele.


"Ganz am Anfang steht der Mappen-Check, ähnlich wie an Kunsthochschulen. Die Hochschule verlangt etwa 15 Arbeitsproben. Das kann alles Mögliche sein: Zeichnungen, Fotos, Skizzen oder selbstgebaute Grafiken. Ich habe schon vorher bei einer Computerspiel-Firma gearbeitet und virtuelle Räume entworfen, etwa Burgen für mittelalterliche Spiele oder auch das Innenleben von Raumschiffen. Bei Science-Fiction-Spielen muss man beispielsweise eher glänzende und sterile Flächen entwerfen und alles in ein bläuliches Licht tauchen. Dann wirkt das Design besonders echt.

Diese Arbeiten habe ich dann in meine Mappe gelegt – vier Tage vor Bewerbungsschluss. Das war alles ziemlich knapp, aber ich kam eine Runde weiter. Dann musste ich eine Art Hausarbeit entwerfen. Aufgabe war es, einen Gegenstand zu visualisieren, mit dem man sich selber identifiziert. Ich habe ein altes Buch genommen, es grafisch dargestellt, ein bisschen mit Typografie gespielt und mich dann mit Schlagwörtern wie 'vielseitig' oder 'geordnet' dargestellt.

Zu dieser Arbeit wird man dann vor einer Auswahlkommission befragt, auch ein Studentenvertreter war dabei. Das war wirklich nett - und neben der Hausarbeit haben sie sich sehr dafür interessiert, was ich schon alles gemacht habe. Ich hatte mir das viel schlimmer vorgestellt.

Wichtig ist der Spaß an neuer Technologie

Jetzt studiere ich im dritten Semester und habe die ersten Grundlagen hinter mir. Das Studium fängt wirklich bei Null an, so dass wirklich jeder, der Spaß hat, Dinge zu gestalten, in unserem Studiengang richtig ist. Man sollte natürlich Spaß an neuen Technologien mitbringen und sich ein bisschen für Architektur interessieren. Denn der Studiengang hier an der FH orientiert sich direkt am Bauen und Gestalten.

Im ersten Semester habe ich beispielsweise zunächst einmal Farblehre gehabt, und wir haben nur in zwei Dimensionen gezeichnet. Erst ab dem zweiten Semester ging es dann auch mit dem räumlichen Gestalten in der dritten Dimension los. Aktuell habe ich gerade Animation belegt und einen kleinen animierten Film gebastelt. Ich habe da ein Musikvideo gemacht. Das dauert schon seine Zeit, ich habe daran gut drei Monate dran gesessen.

Das Tolle ist, dass im Gegensatz zu privaten Ausbildern wie der Games Academy in Berlin keine Gebühren verlangt werden. Da die Fachhochschule Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz liegt, sind wir auch von den in anderen Bundesländern üblichen Studiengebühren verschont und zahlen nur eine Verwaltungsgebühr. Auch die Design-Programme sind für uns nicht so teuer, wie viele denken. Wir bekommen Studenten-Lizenzen, so dass ich wir für ein Grafikprogramm, das sonst vielleicht 5000 Euro kostet, nur 100 Euro zahle.

Ich werde erst einmal meinen Bachelor machen und dann schauen, was der Arbeitsmarkt zu hergibt. Ob ich dann noch einen Master draufsetze, weiß ich noch nicht. Die meisten Arbeitgeber schauen in erster Linie auf die Arbeitsproben und die Qualität. Am liebsten würde ich in die Spiel-Entwicklung gehen oder bei Filmen die Special Effects bauen."

Aufgezeichnet von Claudia May



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